Abbruch-Bagger bereiten Sprengung des ehemaligen Steag-Kraftwerks vor

rnEhemaliges Kraftwerk

Das ehemalige Steag-Kraftwerk wird in seine Einzelteile zerlegt. Dabei kommt erstmals „Deutschlands größter Abbruch-Bagger“ zum Einsatz. Was danach mit dem Gelände passiert, ist offen.

Lünen

, 02.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer die Moltkestraße in Richtung Lippholthausen fährt, kommt irgendwann an Hagedorn nicht mehr vorbei: Banner der Firma aus Gütersloh säumen in regelmäßigem Abstand die Zäune rund um das ehemalige Steag-Kraftwerk. Genau das hatte die Hagedorn-Gruppe im Dezember 2019 gekauft - ein Jahr, nachdem es offiziell von der Steag stillgelegt worden war.

Die ehemalige Besitzerin hat immer noch ein Auge auf ihre „Wiege“: Die Entscheidung zur Stilllegung habe man sich nicht leicht gemacht, wird Thomas Becker, Geschäftsführer der Steag-Grundstücksgesellschaft, in einer am Dienstag (2.6.) veröffentlichten Mitteilung der Hagedorn-Gruppe zitiert. „Doch sie war wirtschaftlich ohne Alternative. Dass der Standort nun mit dem Verkauf an Hagedorn zügig eine neue Perspektive bekommt, ist für den Wirtschaftsstandort Lünen eine gute Nachricht, die auch uns sehr freut.“

Das ehemalige Steag-Kraftwerk (vorne) soll bis 2024 verschwinden. Das Trianel-Kraftwerk im Stummhafen (hinten) dürfte dann noch neun Jahre am Netz bleiben.

Das ehemalige Steag-Kraftwerk (vorne) soll bis 2024 verschwinden. Das Trianel-Kraftwerk im Stummhafen (hinten) dürfte dann noch neun Jahre am Netz bleiben. © Hagedorn

Hagedorn äußert sich nicht zu Plänen

Unklar ist nach wie vor, wie denn diese neue Perspektive aussieht. Hagedorn hatte ursprünglich einen Gewerbe- und Logistik-Park vorgesehen. Das kam in der Stadtverwaltung nicht gut an, denn ein solcher Park hätte zusätzlichen Schwerlastverkehr für Lünen bedeutet - dabei will Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns den Schwerlastverkehr schon seit Jahren am liebsten aus der Stadt verbannen. Obwohl die Politik die Hagedorn-Pläne ähnlich kritisch sieht, scheiterte eine Resolution des Bürgermeisters jedoch im Stadtrat.

Allerdings gibt es seitdem „intensive Gespräche und Abstimmungen mit der Stadt Lünen“, wie Hagedorn-Sprecherin Anke Seifert im Gespräch mit unserer Redaktion betont. Über deren Inhalt gibt sie sich allerdings noch bedeckt. Hält Hagedorn an seinen Plänen für die Fläche fest? „Dazu können wir uns derzeit noch nicht äußern.“ Klar ist, dass die Stadt zwar den planerischen Rahmen festlegen kann, die letztliche Entscheidung über die künftige Nutzung jedoch bei der Eigentümerin der mehr als 370.000 Quadratmeter großen Fläche liegt.

Entwicklungskonzept für Lippholthausen

Während auf dem Gelände also die Bagger damit anfangen, die ersten Gebäude abzureißen, arbeitet man im Technischen Rathaus daran, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Überschrieben ist das Ganze mit „Entwicklungskonzept Lippholthausen“. Baudezernent Arnold Reeker erklärte dazu, dass sich die Stadt hier im Abstimmungsprozess befinde: „Voraussichtlich im Juni wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit der beauftragten Bestandsanalyse beschäftigen.“ Das Konzept solle zum Endes Jahres vom Rat beschlossen werden und dann eine Grundlage für die Bebauungsplanung bilden.

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Ganz so schnell geht es mit dem Abriss des Kraftwerks nicht. Wie Hagedorn erklärte, mussten zunächst Entkernungsspezialisten in den vergangenen Wochen Asbest und künstliche Mineralfasern - sogenannte KMF-Wolle, die zur Dämmung von Gebäuden genutzt wird - entfernen: „Insgesamt sind im Kraftwerk Lünen über 3000 Tonnen KMF-Wolle verbaut, die fachgerecht entsorgt werden müssen.“

Danach geht es mit dem konventionellen Rückbau weiter: „Erste Gebäudeteile werden mithilfe von Baggern demontiert, darunter der große elektronische Filter zur Reinigung von Rauchgasen“, heißt es von der Unternehmensgruppe, die auch schon für den Abriss des Kraftwerks Knepper in Castrop-Rauxel verantwortlich zeichnete. „So werden Schritt für Schritt in den kommenden Monaten die Flächen rund um die Kesselhäuser und die bis zu 250 Meter hohen Schornsteine freigelegt.“

Diese Gebäudeteile können dann aufgrund ihrer Höhe nicht von Baggern abgerissen werden - auch nicht von „Deutschland größtem Abbruchbagger“, der laut Hagedorn im Herbst auf dem Gelände an der Moltkestraße eintreffen wird. „Stand jetzt peilen wir den Oktober an“, sagt Anke Seifert. Der 230 Tonnen schwere „KMC1600S“ ist eine Spezialanfertigung und kann in bis zu 60 Metern Höhe Abbrucharbeiten vornehmen. „Bis zu acht Transporte sind nötig, um das Gerät und seine vollständige Arbeitsausrüstung zu transportieren“, schreibt Hagedorn. Der Einsatz in Lünen wird die Premiere für das Gerät sein.

Schwerlastverkehr aus und in Richtung Süden

Für Kesselhaus und Schornstein muss dann allerdings doch die Deutsche Spreng-Union ran, auf deren Präsenz ebenfalls einige Banner an der Moltkestraße hinweisen. Dieses Spektakel wird Lünen im ersten Halbjahr 2021 erleben - das exakte Datum steht nach wie vor nicht fest.

Die Deutsche Sprengunion wird im ersten Halbjahr 2021 an der Moltkestraße tätig werden.

Die Deutsche Sprengunion wird im ersten Halbjahr 2021 an der Moltkestraße tätig werden. © Goldstein

Das gilt auch für die Menge an Bauschutt, die vom Gelände abtransportiert werden muss. Auf die Frage, mit wie vielen Lkw-Bewegungen Hagedorn kalkuliert, erklärte Anke Seifert, dass es noch keine konkreten Zahlen gebe. Der Großteil der Bewegungen werde sich aber aus und in Richtung Süden zur Autobahn hin abspielen - also über Brunnen- und Brambauerstraße beziehungsweise An der Wethmarheide.

Die Sprengung markiert laut Hagedorn die Halbzeit im „Revitalisierungsprozess“.

Danach soll die Fläche bis zum Jahr 2024 zur Vermarktung aufbereitet werden. Spätestens dann darf sich Lünens Wirtschaftsförderer Eric Swehla über neue Gewerbeflächen freuen. Die sollen aber nicht für jeden Betrieb zu haben sein, wie er sagt: „Dass dieses besondere Areal jetzt revitalisiert wird, ist eine Chance für Lünen, emissionsarme und zukunftsfähige Betriebe mit tariflich bezahlten Arbeitsplätzen anzuziehen.“

Schwelbrand ohne Folgen

  • Am Samstag (30.5.) kam es auf dem Gelände des ehemaligen Steag-Kraftwerks zu einem Feuerwehreinsatz. Plastikrohre hatten Feuer gefangen. Die Firma Hagedorn sprach von einem „kleineren Schwelbrand“
  • Ein größerer Brand sei laut Hagedorn dadurch verhindert worden, dass bereits „95 Prozent der Brandlasten ausgebaut“ seien.
  • Wie die Firma weiter erklärte, sei niemand zu Schaden gekommen. „Die Rückbauarbeiten können wie geplant starten.“
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