Die Impfung vor dem ersten Freund

Lünen Superstars, Klassenarbeiten - und eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Ein ernstes Thema hat es geschafft, Tagesgespräch bei jungen Mädchen zu werden.

11.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das jedenfalls ist die Beobachtung der Frauenärztin Dr. Hildegard Gröner-Engels (Foto). Seit einem halben Jahr wird die Impfung angeboten. «Darauf haben wir lange gewartet».

Sie freut sich, dass beispielsweise in ihrer «Mädchensprechstunde» Teenager ab zwölf Jahren ganz gezielt nach dieser Impfung fragen. Aber auch über die Mütter, die als Patientinnen in ihre Praxis kommen, gelangt die Information zu den Betroffenen. «Ganz im Gegensatz zur Rötel-Impfung sind die jungen Mädchen bei diesem Thema sehr aufmerksam», so die Medizinerin.

Damit ist das Thema genau da angekommen, wo es nach Überzeugung der Befürworter hingehört, denn: Zielgruppe der Impfkampagne sind die zwölf- bis 17-jährigen Mädchen, die bisher noch keine sexuellen Kontakte hatten. Nach einem Aufklärungsgespräch wird die Impfung mit insgesamt drei Spritzen innerhalb von sechs Monaten vorgenommen. «Das impfen wir inzwischen täglich», so die Frauenärztin.

Viel Beratungsbedarf sieht auch Dr. Christa Wulff. Die Kinderärztin ist für viele Mütter die erste Ansprechpartnerin bei diesem Thema. «Sehr aufgeschlossen» seien die Mütter, aber auch die Mädchen, die ihrer Kinderärztin auch als junge Erwachsene noch die Treue halten.

Gerade in der Jugendvorsorge, die ab dem zwölften Lebensjahr angeboten wird, sei diese Impfung ein wichtiges Thema.

«Wenn Mädchen einen Freund haben, einen Freund wollen oder mit ihrem Freund in den Urlaub fahren, dann raten wir dringend zu dieser Maßnahme.»

So einfach wie die Impfung selbst ist die finanzielle Abwicklung (noch) nicht.

Bisher müssen die Patienten die Kosten (etwa 500 Euro) zunächst vorstrecken. Fast alle Krankenkassen erstatten den Betrag dann.

Zwar habe die ständige Impfkommission schon «grünes Licht» gegeben, diese Impfung in den Pflichtkatalog aufzunehmen, bestätigt der Pressesprecher der hiesigen AOK, Wolfgang Röller. Doch wann diese Impfung über die Versichertenkarte abgerechnet werden kann, sei noch unklar. Auch die Hoffnung der beiden Ärztinnen, dass dieser Schritt noch im Herbst vollzogen wird, mochte er gestern nicht nähren. «Es wird kommen, aber wann, das kann ich nicht sagen.» Bettina Voß

Lesen Sie jetzt