"Die Kulisse" begeisterte mit humorvoller Zeitreise

Die Blaue Maus

Mit der Boulevard-Komödie "Die Blaue Maus" von Hugo Wiener nach Carl Laufs und Kurt Kraatz traf die Lüner Studiobühne "Die Kulisse" den Nerv des Publikums. Es war ein Frontalangriff auf die Lachmuskeln - nicht zuletzt dank der moralischen Verklemmtheit des wilhelminischen Zeitalters.

LÜNEN

, 10.01.2016 / Lesedauer: 3 min
"Die Kulisse" begeisterte mit humorvoller Zeitreise

Besonders die Damen trugen sehr aufwendige Kostüme. Jaqueline Schlüsener (l.) und Ann-Christine Jade.

Den Zuschauern zweieinhalb Stunden unbeschwertes Vergnügen zu bereiten, das fällt so manchem professionellen Theaterensemble schwer. Die Lüner Studio Bühne' type='' href='https://www.luenen.de/kulturbuero/hilpert/studio/index.php  schaffte das im 67. Jahr ihres Bestehens am Samstagabend im gut besuchten Heinz-Hilpert-Theater' type='' href='https://www.luenen.de/kulturbuero/hilpert/theater.php wieder einmal - im wahrsten Sinne des Wortes - spielend. 

Wieder einmal hatte Spielleiter Michael Gresch seine glückliche Hand in der Stückauswahl und der sich daraus ergebenden Rollenbesetzung bewiesen. Er gab jedem der 14 Darsteller die Gelegenheit, seine Stärken voll auszuspielen, sodass jeder einen persönlichen Beitrag zu einer reifen Ensembleleistung liefern konnte.

Immer wieder neue Lügengebäude 

Detlef Günther verstand es als Leo Bamberger vortrefflich, immer wieder neue Lügengebäude zu errichten und sich kurz vor dem Ertapptwerden herauszuwinden - oder mit leidenschaftlichen Ausbrüchen und weit ausholender Gestik für Ablenkung zu sorgen.

Annette Kocher verkörperte seine ihn bevormundende und einengende Ehefrau Karoline so überzeugend, dass einem ihr schlitzohriger Gatte schon wieder leid tat. Auch die nachfolgende Generation mit Tochter Susi (Jaqueline Schlüsener),  Tochter Brigitte (Marianne Feldmann-Jorißen), Schwiegersohn Martin (Sebastian Proske) und Nichte Anni (Ann-Christine Jade) war überzeugend besetzt.

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So begeisterte die Lüner Studiobühne „Die Kulisse“

Die Lüner Studiobühne „Die Kulisse“ begeisterte mit der Boulevard-Komödie „Die Blaue Maus“. Die Darstelle trafen mit einem Frontalangriff auf die Lachmuskeln den Nerv des Publikums.
10.01.2016
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Nur noch wenige Minuten bis zum Vorstellungsbeginn.© Foto: Diethelm Textoris
Bei einem Glas Cognac ergibt sich schnell eine Problemlösung.© Foto: Diethelm Textoris
Leo Bamberger (Detlef Günther, l.) glaubt, eine uneheliche Tochter (Fabian Evers) zu haben.© Foto. Diethelm Textoris
Theaterprinzipal Michael Gresch begrüßt das Publikum.© Foto: Diethelm Textoris
Nachtlokalportier Guido Naschitz (Kevin Tigges re) zeigt Martin Werner (Sebastian Proske) seine schauspielerischen Fähigkeiten.© Foto: Diethelm Textoris
Martin Werner (Sebastian Proske) lügt das Blaue vom Himmel herunter. Seine Frau Brigitte (Marianne Feldmann-Jorißen) glaubt es und ist erschüttert.© Foto: Diethelm Textoris
Jungunternehmer Martin Werner (Sebastian Proske) ist gar nicht erfreut, dass Hausgehilfin Kathi (Franziska Günther) ihm nachspioniert.© Foto: Diethelm Textoris
Spielleiter Michael Gresch (l.) glänzte auch als Schauspieler in der Rolle des Schulze-Meiring.© Foto: Diethelm Textoris
Annette Kocher und Detlef Günther als Ehepaar Bamberger.© Foto: Diethelm Textoris
Kostümbildnerin Therese Gresch stecke die Damen in authentische Kostüme und hüllte sie dafür in Samt und Seide.© Foto: Diethelm Textoris
Damen unter sich. Doch Vorsicht. Die Dame mit der grünen Haube ist ein Herr (Fabian Evers).© Foto: Diethelm Textoris
Besonders die Damen trugen diesmal sehr aufwendige Kostüme. Jaqueline Schlüsener (l.) und Ann-Christine Jade.© Foto: Diethelm Textoris
Bamberger (Detlef Günther, l.) verdonnert Schulze-Meiring (Michael Gresch) zum Schweigen.© Fozo: Diethelm Textoris
Die Damen (Annette Kocher rechts und Greta Prager) sind schockiet und Schulze Meiring (Michael Gresch) lacht sich kaputt.© Foto: Diethelm Textoris
Ende gut, alles gut.© Foto: Diethelm Textoris
Hinter der reizenden Dame verbirgt sich ein Mann (Fabian Evers)© Foto. Diethelm Textoris
Das Publikum applaudiert.© Foto: Diethelm Textoris
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Gerta Prager, Franziska Günther, Dennis Jorißen, Kevin Tigges und Joscha Rugullis (Doppelrolle) agierten in Nebenrollen, die sie hervorragend ausfüllten. Erstaunlich weiterentwickelt seit seinen Anfängen bei der Kulisse hat sich Fabian Evers, der nicht nur den Freund, Prügelknaben und Verführer Gustl Laufer spielte, sondern auch in eine Damenrolle schlüpfen durfte.

Der Wechsel vom Mann zur Frau gelang ihm stimmlich und mimisch vortrefflich. Erfreulich war es auch, Regisseur Michael Gresch wieder einmal auf der Bühne  zu sehen. Seine gestenreiche pantomimische Leistung als „verstummter“ Schulze-Mehring hatte Slapstick-Qualitäten.

Das Erfolgsgeheimnis

Das Erfolgsgeheimnis lag darin, das man gar nicht erst versucht hatte, das im 19. Jahrhundert spielende Stück in die Neuzeit zu transportieren. Da hätten viele Gags nicht gewirkt, denn ihre Komik beziehen sie aus der moralischen Verklemmtheit des wilhelminischen Zeitalters.

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Authentizität lieferten auch die von Therese Gresch in sechsmonatiger Arbeit allesamt neu geschneiderten Kostüme. Gresch hüllte die Damen in Samt und Seide, verschnürte sie in Korsetts, polsterte den Popo aus und ließ die Herren in antiquierten Outfits auftreten.

Zugaben gefordert

Lacher gab es ständig, besondere Leistungen wurden vom Publikum mit Zwischenapplaus bedacht, beim Schlussapplaus wurden sogar Zugaben gefordert. „Damit wird es schwierig. Kommen Sie am besten nochmal wieder oder empfehlen sie uns bei Freuden und Bekannten für die nächsten Vorstellungen“, sagte Michael Gresch.

Miriam (14) und Michelle (15) als Vertreter der ganz jungen Zuschauergeneration besuchten zum wiederholten Male eine Vorstellung der Kulisse' type='' href='http://www.diekulisse.com/: „Wir können unseren Freunden nur empfehlen, sich das Stück anzusehen, denn hier kann man wirklich pausenlos lachen."

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