Die kuriose Geschichte eines Pakets in Lünen

Zustellung über Umwege

Für gewöhnlich folgt einer Bestellung im Internet ein Paketzusteller, der einige Tage später an der Tür klingelt und das Bestellte übergibt. Nicht so im Fall von Joachim Voigt vom Bildungszentrum Ruhr-Lippe in Lünen. Sein Paket verschwand und fand erst dank einer Rentnerin aus einer ganz anderen Straße am Ende doch noch zu ihm.

LÜNEN

, 03.12.2016, 07:14 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die kuriose Geschichte eines Pakets in Lünen

Unverhofften Aufwand bescherte ein bestelltes Paket Joachim Voigt vom Bildungszentrum Ruhr-Lippe in den letzten Tagen.

„Sowas habe ich wirklich noch nicht erlebt“, sagt Joachim Voigt, während er auf seinem Bürostuhl sitzt und nachdenkt. „Ich habe ein Heizelement für einen Heißluft-Backofen bestellt. Das sollte am 15. November hier ankommen“, erklärt Voigt.

Zwei Tage vergehen. Nachdem Voigt die Sendungsnummer des Pakets im Internet nachguckt, bekommt er die Information: Das Paket wurde am 17. November um 10.14 Uhr zugestellt – in der benachbarten Zahnarztpraxis, angeblich. „Also habe ich da nachgefragt, aber da war das Paket auch nicht“, sagt Voigt.

Eingetragenen Namen bei der DHL gibt es im Haus nicht

Er geht von Tür zu Tür im Haus Am Christinentor 1, von einer zweiten Zahnarztpraxis zum Physiotherapeuten im selben Haus, ohne Ergebnis. Auch der Zusteller, den er am 18. November auf der Straße antrifft und den er nach dem Verbleib seiner Sendung fragt, kann sich laut Voigt nicht daran erinnern, wo er das Paket abgegeben hatte.

Durch einen Anruf bei der Post-Tochter DHL erfährt Joachim Voigt dann zwar den Namen der Person, die den Empfang des Paketes quittiert hat. „Aber geholfen hat das auch nicht. Denn niemand im Haus Christinentor 1 hat einen Mitarbeiter mit diesem Namen“, erklärt er. Er gibt auf und bestellt das Herdteil erneut.

Alte Dame bringt die Pakete fast eine Woche später

Dann klingelt es an der Tür des Bildungszentrums – am Montag, 21. November, sechs Tage nach dem angekündigten Liefertermin. „Da stand eine alte Dame vor der Tür, die Arme so hoch beladen mit Paketen“, sagt Joachim Voigt und zeigt zwischen seinen Händen einen Abstand von gut 80 Zentimetern. Ein Paket für Joachim Voigt, eines für die Zahnarzt-Praxis und eines für einen Privat-Empfänger. Folgendes stellte sich heraus.

  • Für eines dieser drei Pakete war ein Nachsende-Antrag in eine Straße ein paar hundert Meter weiter gestellt worden.
  • Doch statt eines Paketes wurden alle drei Pakete dort abgeliefert. Die Empfängerin lag aber im Krankenhaus. Nachbarn nahmen die Pakete entgegen und streckten die Nachsendegebühren vor – insgesamt 20,97 Euro.
  • In ihrer Not wandten sich die Nachbarn an die ältere Dame, die mit der Empfängerin verwandt ist. Die Seniorin nahm sich der Pakete an, zahlte die Nachsendegebühren an die Nachbarn zurück und lieferte dann zwei der drei Pakete dort bei Joachim Voigt ab.
  • Voigt wiederum erstattete der Dame die Nachsendgebühren, obwohl er nie einen Nachsendeantrag gestellt hatte.

DHL klärt die falsche Zustellung auf

Ein Anruf unserer Redaktion bei DHL in Düsseldorf löst das Rätsel schließlich auf: Der Fehler war menschlicher Natur. Pressesprecher Rainer Ernzer: „Eine neue Mitarbeiterin hatte an dem Zustellungstag ihre erste eigene Fahrt. Für eines der drei Pakete lag tatsächlich ein Nachsende-Auftrag vor. Aus irgendeinem Grund hat sie dann aber alle drei Pakete an die Nachsendeadresse geliefert.“

Und weiter: „Wir möchten uns für diesen Vorfall in aller Form entschuldigen.“ Die Gebühren für den irrtümlichen Nachsende-Auftrag, so Ernzer, bekomme Joachim Voigt erstattet. „So etwas darf nicht passieren“, entschuldigt sich Ernzer.

 

 

Fragen und Antworten: Was tun, damit das Paket ankommt?

Pia Melchert von der Verbraucherzentrale in Lünen gibt Tipps, was man bei Paketbestellungen beachten sollte.

Welche Vorkehrungen kann man treffen? Man sollte sich bei der Bestellung darüber informieren, welcher Dienstleister das Paket zustellt. DHL stellt nur einmal zu, andere versuchen es mehrmals. Einige lassen nach einem Versuch einen Zettel da, auf dem man einen Wunschnachbarn angibt, an den das Paket geliefert werden kann. Oder man nennt direkt einen Wunsch-Liefertermin.

Was ist, wenn ich nicht zu Hause bin? Neben der Rechnungsanschrift kann man auch eine abweichende Lieferanschrift angeben. Wenn man es mit dem Arbeitgeber abspricht, könnte so das Paket direkt auf die Arbeit geliefert werden.

Und wenn das Paket verschwunden ist? Dann sollte man zu Nachweiszwecken immer schriftlich in Kontakt mit dem Paketdienstleister treten. Wenn alle Schritte erfolglos geblieben sind, der Händler schon kontaktiert wurde, können die Verbraucher ihrem Ärger bei uns im Internet unter www.paket-ärger.de Luft machen. 

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