Die letzte Bäckerei in Gahmen macht dicht

Alternativen gesucht

Jetzt gibt es in Gahmen auch keinen Bäcker mehr: Die Bäckerei Kanne am Marktplatz hat endgültig geschlossen – anderthalb Jahre hat sie mit reduzierten Öffnungszeiten die Stellung gehalten. Jetzt stehen die 3800 Einwohner des Stadtteils ohne Supermarkt, Geldautomaten und Bäcker da.

GAHMEN

, 16.08.2016, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die letzte Bäckerei in Gahmen macht dicht

Die Kanne-Filiale am Marktplatz in Gahmen ist geschlossen - und wird es auch bleiben.

„Leider Gottes“, sagt Bäckermeister Wilhelm Kanne junior zu der Schließung. Die Umsatzzahlen seien dermaßen zurückgegangen, dass er keinerlei Rechtfertigung mehr für die Filiale gesehen habe. „Wir haben versucht, die Situation mit verringerten Öffnungszeiten zu kompensieren, um eine Versorgung der Gahmener zu gewährleisten, aber es hat nicht gefruchtet.“

Tiefrote Zahlen

Man könne keine Filiale halten, die tiefrote Zahlen schreibe. Daher habe er entschieden, die Bäckerei nach den Ferien nicht mehr zu öffnen. „Der Stadtteil hat durch sein Kaufverhalten abgestimmt“, sagt Kanne.

Im Juni 2004 hatte das Unternehmen die ehemalige Hilgert-Filiale übernommen, sie aber „schon ein paar Jahre bezuschusst“. Für viele Bürger war das kleine Café ein beliebter Treffpunkt. Die beiden Mitarbeiterinnen werden im Kanne-Unternehmen weiterbeschäftigt.

„Sehr traurig“, ist Friedhelm Deuter, Geschäftsführer des Bauvereins zu Lünen, über die Schließung. Dem Wohnungsunternehmen gehört die Immobilie, in der die Bäckerei Mieter war: „Es wird nicht eingekauft. Ein Unternehmen kann nicht zuschustern“, äußert er Verständnis. Kanne habe lange versucht, das in Gahmen hinzukriegen.

Lösung durch das Dorv-Konzept?

Deuter spricht ein Thema an, das schon mehrfach diskutiert wurde: das Dorv-Konzept. Dorv steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung, entwickelt von der Dorv-Zentrum GmbH.

In einem Ladenlokal sollen möglichst viele Angebote das Leben im Ortsteil attraktiver machen: Lebensmittel, Dienstleistungen, medizinische und kulturelle Angebote sowie ein Café zur Kommunikation. „Jetzt kommen wir dem Dorv-Konzept näher. Damit wäre zumindest eine Mini-Versorgung gewährleistet“, sagt Friedhelm Deuter. Er kann sich ein Dorv-Zentrum in der ehemaligen Bäckerei-Filiale vorstellen.

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2012 hatte die Stadt ein Gutachten zur Nahversorgung in Auftrag gegeben. Weil sich dann wieder ein Lebensmittelhändler fand, ist der Prozess gestoppt worden. Kümmerer aus Gahmen haben das Thema wieder aufgegriffen.

Sie überreichten im April 2015 168 Unterschriften für einen Bürgerantrag, um das Dorv-Konzept zu ermöglichen. Im November 2015 erklärten sich zehn Bürger bereit, mit der Stadt an der Umsetzung zu arbeiten. Das Thema geriet ins Stocken, weil es in der Stadtplanung im Rathaus personelle Veränderungen gab.

Termin nach den Ferien

„Wir sind dran am Thema“, sagt Fachdezernent Thomas Berger. Nach den Ferien werde es einen Termin geben, um den Prozess weiterlaufen zu lassen. Es sei einiges im Fluss, „aber ohne Gewähr“, betonte er. Für Dorv sind Akteure notwendig, die das Projekt selbstständig organisieren. Es muss sich letztlich auch alleine tragen. „Es gibt keine Garantie, dass das auch funktioniert.“

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