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Die Stimme von Sophia (20) bringt Sehbehinderten Neuigkeiten ins Wohnzimmer

rnTeam der Lüner Hörzeitung

Sophia Kranemann engagiert sich gerne für andere Menschen. Deshalb ist die junge Lünerin seit kurzem Mitglied im Team der Hörzeitung. Sehr ungewöhnlich für eine 20-Jährige.

Lünen

, 19.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Alles begann mit einer Idee. Zusammen mit ihrer Studienkollegin Sascha Erwin (19) wollte Sophia jede Woche etwas Neues ausprobieren. „Und wenn uns etwas gut gefällt, dann bleiben wir auch dabei“, so die Lünerin, die am Gymnasium Altlünen ihr Abitur gemacht hat. An der TU Dortmund studiert Sophia im zweiten Semenster angewandte Kultur- und Literaturwissenschaften. Dort lernte sie auch Sascha kennen, die aus Darmstadt stammt.

Nachrichten aus der Region

„Ich bin auch beim Uni-Radio dabei und dann erzählte mir meine Mutter von der Hörzeitung Pressegeflüster,“ sagt Sophia. Alle zwei Wochen nimmt ein Team von Ehrenamtlichen in der Viktoriaschule eine regionale Nachrichtensendung auf, die per CD an Blinde und Sehbehinderte verschickt wird.

Sophia rief bei der Stadt Lünen an und meldete ihr Interesse an einer Mitarbeit. Dann verging eine gewisse Zeit. Aber schließlich meldete sich Ferdinand Langguth aus dem Lüner Redaktionsteam der Hörzeitung bei ihr. „Wir haben länger miteinander telefoniert, er war sehr offen dafür, dass wir mal vorbeischauen und dann haben wir einen Termin ausgemacht.“

„Erfrischend, wenn junge Sprecherin dabei ist“

Sophia und Sascha kamen zu einem Treffen der Lüner Hörzeitung, die Chemie stimmte und mittlerweile haben sie ihre ersten Einsätze schon hinter sich.

Das Team besteht zum größten Teil aus Sprechern und Technikern jenseits der 70. „Es ist, aus der Sicht des aufnehmenden Technikers gesehen, erfrischend, wenn eine junge Sprecherin dabei ist“, freut sich Ferdinand Langguth über die Neuzugänge. Es sei, „um es ganz simpel, aber treffend zu sagen“ mehr Leben in der Bude. Auch wenn es ein wenig schwieriger mit der Terminplanung sei. Das sieht Sophia auch so: „Wir haben genau am Dienstag, wenn die Aufnahmen stattfinden, einen Kurs an der Uni. Aber zwei Mal war ich schon als Sprecherin dabei.“

Die Stimme von Sophia (20) bringt Sehbehinderten Neuigkeiten ins Wohnzimmer

Ferdinand Langguth freut sich, dass zwei junge Sprecherinnen zum Team der Hörzeitung dazu gekommen sind. © Günter Blaszczyk

Anfangs hatte sie gar keine Vorstellung darüber, wie so ein Termin abläuft. Inzwischen weiß die 20-Jährige, dass sich immer vier Sprecher mit einem Techniker treffen und dann Nachrichten aus Lünen, Selm, Bergkamen und Werne, die aus der Zeitung stammen, gelesen und aufgenommen werden.

„Mit Ferdinand ist es sehr lustig“, gibt Sophia das Kompliment zurück. Und sie findet es spannend, sich mit den Mitstreitern aus der älteren Generation zu unterhalten. „Ich höre gerne zu, fand es auch bei meiner Oma immer toll, wenn sie von früher erzählte.“

Offener Studiengang

Sophia erfuhr auch, wie Langguth zur Hörzeitung kam: „Sein Vater war im Chor und als seine Augen schlechter wurden, hat er ihm die Texte aufgenommen.“ Sophia findet es „cool, dass andere Menschen so meine Stimme hören.“ Und Ferdinand Langguth findet es „toll, dass sie bei uns mitmachen wollen. Ich kenne ja mittlerweile auch die anderen Hörzeitungen, da sind durchaus Jüngere dabei.“

Wechsel nach Münster

Männliche Sprecher gesucht

  • Bei der Lüner Hörzeitung gibt es derzeit nur wenige männliche Sprecher. Interessenten sind willkommen und können sich auf der Homepage der Lüner Hörzeitung informieren.
  • Ferdinand Langguth ist im November zum stellvertretenden Redaktionensprecher aller Hörzeitungen gewählt worden.
  • Bislang wurden die CDs in Holzminden produziert. Demnächst werden die Hörzeitungen von der Westdeutschen Blinden Hörbücherei in Münster betreut.

Was sie nach dem Studium beruflich machen will, weiß Sophia noch nicht. „Der Studiengang ist generell sehr offen, deswegen hab ich ihn mir auch ausgesucht.“

Nach dem Abitur war die Lünerin sechs Wochen auf Sri Lanka, hat ihn zwei Projekten als Freiwillige mitgearbeitet. „Die ersten vier Wochen war ich in einer Auffangstation für Meeresschildkröten im Süden der Insel. Danach zwei Wochen im Norden bei einem Projekt in einem Nationalpark, bei dem die Beziehung zwischen Menschen und Elefanten verbessert werden soll. Das war eine aufregende Zeit.“ Danach arbeitete sie noch in Spanien bei einer Jugendorganisation. „Ich brauchte nach dem Abi einfach eine Auszeit, wollte mal was anderes sehen.“

Die ehrenamtliche Tätigkeit für die Hörzeitung ist für sie gleichzeitig „Spaß und etwas, bei dem man gleichzeitig Gutes tut.“

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