Diese Lüner Nachbarschaft ist 250 Jahre alt

Traditionsverein feiert Jubiläum

„Ein guter Nachbar ist mehr wert, als ein ferner Freund“, so Horst Weischenberg überzeugt. Bei dem 70-jährigen Rentner aus Lünen ist Nachbarschaft von Bedeutung - besonders dieses Jahr: Die Kleinmärkter-Nachbarschaft von 1767 Lünen feiert am 30. März ihr 250-jähriges Jubiläum. Wir stellen den Verein und seine Tradition vor.

LÜNEN

, 25.03.2017, 05:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einer der ältesten Traditionsvereine in Lünen feiert Geburtstag. Es war am Montag in der dritten Woche vor Ostern, als sich am 30. März 1767 an unbekannter Stelle zwölf Lüner Männer zur Gründungsversammlung zusammenfanden.

Die Nachbarschaft war bei der Gründung örtlich begrenzt. Sie befand sich ursprünglich zwischen dem „Alten Markt“ und dem „Christinentor“. Idee dieser Nachbarschaft war es, sich gegenseitig Feuer und Wasser zu geben und sich untereinander in der Not zu helfen, erzählt Horst Weischenberg. Er ist seit zehn Jahren der erste Schäffner (Vorsitzender) und Clamator (Nachrichtenübermittler).

Kleinmärkter geben verstorbenen Nachbarn das letzte Geleit

Heute müssen sich die Nachbarn zwar nicht mehr mit Feuer und Wasser aushelfen, doch die Werte und Traditionen sind geblieben. Weischenberg beschreibt die Nachbarschaft als harmonisch und gesellig. „Man hilft und unterstützt sich bei allem. Wir sind Freunde, kennen uns seit Jahrzehnten und unsere Nachbarschaft ist sehr familiär“, erklärt Horst Weischenberg. Verstirbt zum Beispiel ein Nachbar, so geben die Kleinmärkter ihm das letzte Geleit und tragen seinen Sarg zu Grabe.

Die Anzahl der Mitglieder ist auf 25 männliche Personen begrenzt. Vorrangig werden erstgeborene Söhne als Erbnachbarn aufgenommen, wenn durch einen Todesfall oder Austritt wieder ein Platz frei wird. Aber auch alle anderen männlichen Einwohner, die mindestens seit fünf Jahren in Lünen-Mitte wohnen, können in die Nachbarschaft aufgenommen werden. Dies wird dann in einer geheimen Wahl abgestimmt.

Jeder anwesende Nachbar erhält ein Streichholz, das entweder gebrochen oder nicht gebrochen in einen Hut geworfen wird. Ein gebrochenes Streichholz bedeutet eine Nein-Stimme. Werden mehr als zwei geknickte Streichhölzer ausgezählt, wird die Aufnahme abgelehnt.

Heute leben die Nachbarn nicht mehr Tür an Tür. Manch einer ist sogar nach Nordkirchen oder Werne gezogen, ist der Nachbarschaft aber treu geblieben. Eine jährliche Mitgliederversammlung findet immer am Freitag nach Rosenmontag statt. Auch an diesem Freitag treffen sich die Nachbarn. Aufgrund von zwei Todesfällen sind es dann nur 23 Mitglieder. Die Versammlung in der Gaststätte „Stockey“ beginnt mit dem traditionellen „Pfefferpotthast“ essen. Dazu gibt es einen Kümmelschnaps. Dann erst beginnt die eigentliche Sitzung.

Dreitägige Jubiläumsreise nach Berlin

Auch wenn ein eigenständiger großer Festakt zum 250. Jubiläum angebracht wäre, so haben sich die Mitglieder der Kleinmärkter-Nachbarschaft dazu entschieden, lieber eine dreitägige Jubiläumsreise nach Berlin anzutreten. Hierzu werden auch die Frauen und Wittwen ehemaliger Nachbarn mitgenommen. Los geht es für die Nachbarn am 31. März. Also genau einen Tag nach dem Gründungstag.

Hintergrundinformationen zur Kleinmärkter-Nachbarschaft
Seit der Gründung 1767 gab es insgesamt 208 Nachbarn.
Der Vorstand besteht aus Horst Weischenberg (erste Schäffner), Werner Flume (zweite Schäffner und Kämmerer) und Fredy Niklowitz (Scriba).
Einmal im Jahr machen die Nachbarn einen Tagesausflug.
Der Nachbarschaftsgruß lautet „In Treue fest“.

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