Dietmar Lindenbaum würde seine Lüner Boutique derzeit lieber schließen

rnCovid-Maßnahmen

Einen entspannten Einkaufsbummel durch die Innenstadt unternimmt derzeit kaum jemand. Unter diesen Umständen wäre einem Lüner Geschäftsinhaber ein konsequenter Lockdown lieber.

Lünen

, 08.11.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Man lässt die Läden offen und fordert die Leute aber gleichzeitig auf, zu Hause zu bleiben, das ist widersprüchlich“, bemängelt der Lüner Geschäftsmann Dietmar Lindenbaum die aktuelle Lage. „Da hätte ich wahrscheinlich weniger Kosten, wenn einfach geschlossen würde.“ Unterm Strich komme wahrscheinlich mehr dabei heraus, wenn er Hilfen beantragen könnte, so die Überlegung des Geschäftsinhabers. Allein das Personal koste bei aktueller Kundenfrequenz wahrscheinlich mehr, als Umsätze reinkämen.

Entschleunigtes Shopping

Fashion & Bistro udi heißt das Geschäft, das Dietmar Lindenbaum im Mai 2018 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ute Weiss am Roggenmarkt eröffnete. „Entschleunigtes Einkaufen“ ist das Konzept der beiden. Während sich Ute Weiss um die Boutique kümmert, ist Dietmar Lindenbaums Metier das Bistro. Als ehemaliger Kriminalbeamter hat er im Ruhestand sein Hobby zur Profession gemacht und bekocht die Einkaufenden mit kleinen Gerichten. „Letztendlich ist das Konzept entstanden, weil die Männer immer dumm rumstehen müssen, während die Frauen shoppen“, sagt der 65-Jährige.

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Reduzierte Öffnungszeiten

Um nicht so viel Leerlauf zu haben, haben die beiden Geschäftsführer die Öffnungszeiten für die Boutique verkürzt. Statt von 10 bis 18 Uhr zu öffnen, macht das Geschäft eine Stunde später auf und eine früher zu. Sollte sich allerdings zeigen, dass es Nachfrage gibt, sind sie bereit, die neuen Zeiten jederzeit auszuweiten.


Kunden bleiben fern

„Seit Corona da ist, hat sich das so eingependelt, dass das Bistro gar nicht mehr lief und die Boutique sehr schleppend“, berichtet Lindenbaum. Mit Maske einkaufen zu gehen, hindere die Kunden und viele gingen auch abends kaum noch aus, so dass Mode einzukaufen schon mehrere Monate lang keine Priorität mehr hatte, vermutet der Geschäftsinhaber. Anfang Oktober habe es für etwa zwei Wochen mal einen Aufschwung für die Boutique gegeben, die Umsatzzahlen waren gut, „bis die Kanzlerin gesagt hat, wenn es irgendwie möglich ist, solle man zu Hause bleiben“, sagt Lindenbaum. „Und die Leute haben sich brav daran gehalten.“

Als jetzt im Zuge des „Lockdown light“ das Bistro schließen musste - einen Außer-Haus-Verkauf einzurichten hätte sich laut Lindenbaum nicht gelohnt - hätte er sich gewünscht, dass auch die Boutique von den Schutz-Maßnahmen betroffen wäre.


Rumstehen und frustriert sein

„Wenn die Leute artig sind, dann wird das für uns recht mau werden. Und wenn ich sehe, dass die Leute sich konform verhalten, dann kann ich eigentlich zumachen. Rumstehen und frustriert sein, weil keiner kommt, macht doch keinen Sinn.“

Alles zuzumachen wäre eine klare Linie der Politik gewesen, meint er. Dann hätte er wenigstens die 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 beantragen können, die die Bundesregierung für den Lockdown in Aussicht gestellt hat. „Wenn es so weiter geht, wie es jetzt geht, dann hört es auch irgendwann ganz auf mit dem Fashionbistro“, befürchtet er. „Aber wir müssen einfach abwarten und gucken“, sagt er optimistisch, „vielleicht kommen die Leute doch.“

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