Nachwuchssorgen: Lünens Handwerker fordern „Kümmerer“ bei der Stadtverwaltung

rn35. Dämmerschoppen

Beim traditionellen Dämmerschoppen der Kreishandwerker kamen vor allem moderne Probleme auf den Tisch. Nachwuchssorgen, Digitalisierung, Elektromobilität aber auch ein Evergreen.

Lünen

, 06.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich verändert, überlebt.“ Mit einem Zitat von Charles Darwin eröffnete Stadthandwerksmeister Christoph Haumann am Dienstagabend den traditionellen Dämmerschoppen im Lüner Autohaus Trompeter. Im Publikum saßen neben vielen Vertretern des Handwerks auch Lokal-, Landes- und Bundespolitiker.

Und auch wenn das Handwerk ein altehrwürdiges Gewerbe ist: Veränderung erleben die Lüner Handwerker ständig. „Lünen hat eine lebendige Handwerkerschaft“, so Haumann. In 578 Betrieben arbeiten rund 4000 Beschäftigte, unter ihnen rund 400 Lehrlinge.

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Nachwuchssorgen plagen Lüner Handwerker

Gleichwohl macht besonders der Nachwuchs den deutschen Handwerkern Sorgen. Lünen ist keine Ausnahme. „Wir brauchen eine zentrale Stelle bei der Stadt, die sich um die Ausbildung kümmert“, so Haumann. Man müsse darauf achten, sich nicht durch zu viele verschiedenen Angebote zu zerfasern.

Eine eigene Stelle bei der Stadt sieht Siegfried Störmer dafür nicht. „Ich dachte eher an eine Konferenz oder ein Gremium“, so der stellvertretende Lüner Bürgermeister (SPD) in seiner Ansprache.

Vor und nach den Ansprachen beim Dämmerschoppen tauschten die Gäste aus Handwerk und Politik sich im Autohaus Trompeter in Brambauer miteinander aus.

Vor und nach den Ansprachen beim Dämmerschoppen tauschten die Gäste aus Handwerk und Politik sich im Autohaus Trompeter in Brambauer miteinander aus. © Matthias Stachelhaus

Einig sind Stadt und Kreishandwerkerschaft sich allerdings in der Sache insgesamt. „Die Ausbildungssituation ist paradox“, sagt Störmer. Auf eine Ausbildungsstelle kämen, rein statistisch gesehen, zwei Bewerber.

Doch weil der Erfolg für Bildung international primär am Studium gemessen werde, genieße eine handwerkliche Ausbildung keinen guten Ruf. Ein Job mit Aktentasche und Kaffee in der Mittagspause sei in der Gesellschaft eher für die eigenen Kinder gewünscht.

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Dabei habe das Handwerk eine wichtige Stimme in den Schulen, könne seinen Ruf mit dem Fokus auf Umweltbewusstsein verbessern.

Kreishandwerksmeister fordert weniger Bürokratie

Kreishandwerksmeister Christian Sprenger plädierte hingegen für einen Abbau der bürokratischen Maßnahmen. Ein altbekanntes Problem, das manchen Handwerker mittlerweile überfordern würde.

Auch das sei ein Grund für die Nachwuchsprobleme, besonders bei Bäckern und Fleischern. Letzter Streich: Die seit Januar eingeführte Bonpflicht, auf die auch Haumann sich in seiner Ansprache einen Seitenhieb erlaubte.

„Die Kinder von selbstständigen Handwerksmeistern sehen ja das Arbeitspensum der Eltern“, sagt Sprenger dazu. Bürokratie müsse abgebaut werden. „Wir sind zu Gesprächen bereit.

Die Akteure und geladene Gäste (v.l.n.r.): Joachim Susewind, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkschaft Dortmund/Lünen, Rainer Schmeltzer (SPD), MdL, Ehrenkreishandwerksmeister Peter Burmann, der Lüner Stadthandwerksmeister Christoph Haumann, Kreishandwerksmeister Dipl. Ing Christian Sprenger, Siegfried Störmer (SPD) stellvertretender Bürgermeister Lünens und Michael Thews (SPD), MdB.

Die Akteure und geladene Gäste (v.l.n.r.): Joachim Susewind, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkschaft Dortmund/Lünen, Rainer Schmeltzer (SPD), MdL, Ehrenkreishandwerksmeister Peter Burmann, der Lüner Stadthandwerksmeister Christoph Haumann, Kreishandwerksmeister Dipl. Ing Christian Sprenger, Siegfried Störmer (SPD) stellvertretender Bürgermeister Lünens und Michael Thews (SPD), MdB. © Matthias Stachelhaus

Digitalisierung bei Mobilität...

Beim Stichwort Digitalisierung setzten Haumann als Handwerker und Störmer als Politiker unterschiedliche Schwerpunkte. Der Stadthandwerksmeister warf hier einen Blick auf die Elektromobilität, denn „die wird kommen“.

Wenn VW als größter Autohersteller der Welt alles auf die Karte E-Mobilität setze, müsse damit gerechnet werden, dass diese auch in den Markt gedrückt würden. 40 Prozent weniger Ausfälle als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor gebe es bei Elektrofahrzeugen. „Das bedeutet auch, das 40 Prozent weniger Wartungsarbeit nötig sein werden“, so Haumann und stellt die Frage, was mit den daran hängenden Arbeitsplätzen in den Werkstätten passieren soll.

Änderungen seien in diesem Kontext auch für alle Handwerker mit Fuhrpark zu erwarten. Die Dieselfahrverbote in Dortmund sind vom Tisch. „Aber wie lange?“, so Haumann. Transporter mit Elektroantrieb sind noch nicht zu vernünftigen Preisen verfügbar.

...und in Schulen

Störner hingegen hob die Digitalisierung in den Schulen hervor. Auch, dass in Lünen die MINT-Fächer anfassbar werden sollen. Dafür habe der Rat im Februar 2019 die Wissenswerkstatt beschlossen, die nach Vorbild aus Baden-Württemberg junge Menschen an handwerkliche und technische Berufe heranführen soll.

Neben der Anschaffung sei es darüber hinaus auch erforderlich, dass die Technik an Schulen gewartet werde. Lehrer können und sollen das nicht übernehmen, dafür brauche es Wartungskräfte, sprich: Handwerker.

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