Disziplin lässt nach: Listen, Abstand und Masken fehlen öfter in Lünen

rnCorona-Schutzmaßnahmen

Das Coronavirus ist deutschlandweit wieder auf dem Vormarsch: durch Urlaubsrückkehrer, Saisonkräfte und durch wachsende Sorglosigkeit. Die lässt sich auch in Lünen beobachten.

Lünen

, 01.08.2020, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drinnen oder draußen? Das scheint beim Gastronomiebesuch an den aktuellen Sommertagen die wichtigste Fragen für die Gäste zu sein. Wo die Namensliste liegt, in die sich in diesem Corona-Sommer alle Besucherinnen und Besucher mitsamt ihren Adressen einzutragen haben, scheint eine Nebensache geworden zu sein. Auch für die Betriebe.

Namenslisten sind keine Selbstverständlichkeit mehr

Wer mittags ein Häppchen auswärts isst, nachmittags einen Kaffee trinkt oder abends ausgeht in der Innenstadt, kennt das: Bei mehreren Läden liegen keine Listen mehr aus und werden auch nicht verteilt. Woanders sitzen die Gäste in der Außengastronomie Rücken an Rücken ohne den Mindestabstand von 1,50 Metern. Und auf dem Weg zur Toilette setzen sich die wenigsten ihre Mund- und Nasenmaske auf. Anstoß daran nehmen offenbar weder die Gäste noch die Gastgeber.

Jetzt lesen

Alles lässliche kleine Sünden, die man nicht so ernst nehmen sollte? Der Deutsche Gaststätten- und Hotelverband NRW (Dehoga) widerspricht entschieden. „Wir müssen in unseren Betrieben alles dafür tun, dass das Virus unter Kontrolle bleibt. Das Verhalten anderer können wir nicht beeinflussen. Das in unseren Betrieben schon“, appelliert Kurt Wehner, Geschäftsführer der Dehoga-Fachgruppen NRW. Er appelliert an die Eigenverantwortung aller Beteiligten: Gastronomen, Beschäftigte und Gäste. „Dieser Verantwortung müssen wir gemeinsam gerecht werden.“

Wer nicht hören will, muss zahlen

Der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, hatte erst am Dienstag (28. 7.) eindringlich zu mehr Disziplin aufgerufen. Abstand, Hygiene und Alltagsmaske: Dieser Dreiklang sei ein Muss, um der weltweiten Pandemie die Stirn zu bieten. Diese drei Grundregeln „könnte und dürfte niemand mehr in Frage stellen“. Sie seien einer der Hauptgründe, warum Deutschland die Situation im Frühjahr so gut bewältigt habe. Diesen Erfolg, für den das Land auch sehr viel „geopfert“ habe, gelte es nun „kontinuierlich zu sichern“.

In der Gaststätte Irodion liegt jeweils eine Liste pro Tisch aus, auf der man seine Daten zur Nachverfolgung eintragen kann.

In der Gaststätte Irodion liegt jeweils eine Liste pro Tisch aus, auf der man seine Daten zur Nachverfolgung eintragen kann. © Arndt Brede

Wer nicht hören will, muss fühlen: Das Ordnungsamt führt auch weiterhin Kontrollen in Lünen durch, sagt Stadtsprecher Alexander Dziedeck. An jedem Werktag sei eine aus zwei Kollegen bestehende bestehende Fußstreife unterwegs. Mindestens. Kollegen aus anderen Fachbereichen würden sie unterstützen. Ihre Zahl sei zuletzt aber deutlich zurückgegangen - „durch die bisher erfolgten Lockerungen und die weitgehende Wiederaufnahme des Regelbetriebes des Rathauses“. Bei Bedarf werde die Anzahl aber wieder aufgestockt.

Bußgelder gegen Gaststätte und Friseur

Von dem wachsenden Trend, etwa auf Adresslisten zu verzichten, wollen die Kontrolleure bislang nichts gesehen haben. Im Gegenteil: Dziedeck konstatiert „ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein“.

Dennoch: In zwei Fällen mussten Gewerbetreibende zahlen. Laut Corona-Bußgeldkatalog können bis zu 25.000 Euro fällig werden bei Verstößen gegen die Corona-Verordnung. Egal, ob bei einem „Verstoß gegen Dokumentationspflichten“ oder beim Nichteinhalten von anderen Schutzmaßnahmen, etwa dem Tragen von Masken beim Servieren. Ein Gastronomiebetrieb und ein Friseursalon mussten in Lünen zahlen. Wie viel genau, konnte Dziedeck nicht sagen. In Werne musste ein Wirt 1000 Euro zahlen, weil ein Kellner keine Maske trug. Gäste hatten sich beim Ordnungsamt beschwert. In Schwerte fiel die Strafe gegen einen dortigen Wirt genauso hoch aus.

Beschwerden aus der Bevölkerung über Missstände in Betrieben gibt es auch im Lüner Rathaus. Sie würden von den Mitarbeitern des Gewerbeaußendienstes aufgegriffen und überprüft, wie Dziedeck mitteilt. Noch schneller ginge es, wenn die Kundinnen und Kunden die Wirte und Beschäftigten direkt ansprechen. Wie Kurt Wehner von der Deghoga sagt: „Jeder trägt Verantwortung.“

Lesen Sie jetzt