Dr. Christian Lüdke: Einsamkeit beginnt im Kopf

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Einsamkeit schwächt das Immunsystem, man wird eher krank. Oder es führt schlimmstenfalls zu Tabletten- oder Alkohol-Abhängigkeit. Das sagt der Lüner Psychotherapeut Dr. Christian Lüdke.

Lünen

, 23.07.2018, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einsamkeit beginne im Kopf, in uns selbst. "Wenn ich positiv denke, kann ich viel gegen meine Einsamkeit tun", erklärt Lüdke. Auch ältere Menschen, die ihren Lebenspartner verloren haben. "Leben ist da, wo Menschen sind. Ich kann an Veranstaltungen teilnehmen, mit einer Gruppe verreisen, Kurse bei der Volkshochschule oder der Senioren-Uni besuchen. Man kann ehrenamtlich tätig werden - mit Gleichaltrigen, als Babysitter oder Vorlese-Oma/-Opa."

Einsamkeit ist ein unangenehmer Begleiter durchs Leben - von Kindheit an. „Von Natur aus sind wir Menschen nicht dafür bestimmt, alleine zu leben. Wenn man doch alleine leben muss, kann das zu Ängsten und Depressionen führen. Und Einsamkeit schwächt das Immunsystem, man wird eher krank. Oder es führt schlimmstenfalls zu Tabletten- oder Alkohol-Abhängigkeit.“ Das sagt der Lüner Psychotherapeut Dr. Christian Lüdke.

Manchmal können auch Haustiere wichtig sein, um nicht einsam zu werden. „Hunde sind oft eine echte Therapie für einsame Menschen.“ Man muss sich um ein Tier kümmern und kommt dadurch auch mit anderen Menschen schneller in Kontakt.

Über Internetforen

Wer eher nicht so extrovertiert ist, kann auch erstmal versuchen, über Internetforen und soziale Medien Kontakte zu bekommen. "Dann holt man sich die Welt nach Hause."

"Der nächste Schritt sollte dann aber sein, sich zu entscheiden, zu Veranstaltungen zu gehen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Oft kommen ältere Menschen mit Schlafstörungen zu Arzt. Dann sollten die Mediziner eigentlich nicht Medikamente verschreiben, sondern raten, neue Kontakte zu knüpfen und etwas zu unternehmen."

Man könne auch noch in höherem Alter lernen, auf Menschen zuzugehen. Davon ist Lüdke überzeugt. Und auch da spielten die großen Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, eine große Rolle. "Und man bekommt sogar für seine Tätigkeit noch Anerkennung und sieht - ich werde gebraucht."

Die entscheidende Frage

Eine Frage sollte man eigentlich jedem Menschen stellen, meint Lüdke. Nämlich "fühlen Sie sich geliebt?". Wer mit einem sicheren Ja antworte, bei dem sei das Risiko, seelisch zu vereinsamen, eher gering. Das Gefühl, gebraucht und geliebt zu werden, sei wichtig für jeden Menschen.

Und dafür könne man eben auch selbst etwas tun.

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