Dreiste Falschparker auf Kundenparkplätzen lassen Händler in der Innenstadt verzweifeln

rnParkplatz-Problem

Abzocke anders herum: Immer häufiger ignorieren Autofahrer Hinweise auf Kundenparkplätze - um Gebühren zu sparen. Die Händler haben kaum eine andere Wahl, als hilflos zuzusehen.

Lünen

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Fünf Parkplätze hat Ulrike Feldmann für ihr Geschäft „Stil und Blüte“ an der Seite des Gebäudes an der Cappenberger Straße angemietet. Ihre Idee: „Dort sollen unsere Kunden parken können.“ Denn nachdem die Cappenberger Straße saniert worden ist, seien vor dem Laden sieben Parkplätze weggefallen. „Die verbliebenen Stellplätze sind eigentlich dauerhaft belegt“, so Ulrike Feldmann.

Allerdings nicht von Kunden umliegender Geschäfte. „Da sehe ich Pflegedienste, Firmenwagen oder Werbeautos“, sagt die Geschäftsinhaberin. Da es sich um öffentliche Parkplätze handelt, ist das legitim. Die Lösung sollen die Parkplätze neben dem Geschäft sein, die sich auf Privatgelände befinden. Doch das funktioniert nicht: „Da parken alle möglichen Leute, obwohl Schilder eindeutig darauf hinweisen, dass es sich um Privatparkplätze handelt.“

„Wenn sie wenigstens vorher fragen würden“

Die Inhaberin selbst hätte schon mehrmals „Falschparker“ darauf angesprochen. Die Reaktionen seien jedoch alles andere als freundlich: „Ist mir doch egal“ sei noch die harmloseste Antwort. „Die Leute wissen, dass sie dort umsonst parken können. Dass sie damit unser Geschäft schädigen, ist ihnen egal, solange sie einen Vorteil haben.“

Dabei sei dieser Vorteil nicht der Rede wert, findet Helmut von Bohlen. Der Immobilienmakler ist Vorsitzender des City-Rings und kennt das Phänomen: „An der Kanzlei meiner Frau haben wir durch Poller gesicherte Parkplätze. Diese Poller fahren runter, wenn sich zum Beispiel ein Mandant angekündigt hat.“ Das nutzen dann wiederum andere Fahrer aus, um kostenlos zu parken. „Spricht man sie dann darauf an, wollen sie nur eben kurz in der Innenstadt einkaufen gehen.“

Im schlimmsten Fall drohen Falschparker mit Gewalt

Dabei könne man innenstadtnah schon für 4 Euro einen ganzen Tag lang parken. „Das halte ich jetzt nicht für übertrieben“, so von Bohlen. Doch offenbar seien viele nicht bereit, überhaupt für einen Parkplatz zu zahlen. „Die Moral der Leute wird einfach immer schlimmer“, kommt auch von Bohlen zu dem Schluss, dass Dreistigkeit offenbar en vogue ist.

Auch im Wohnviertel Stadtquartier schauen Anwohner regelmäßig in die Röhre, weil die für sie reservierten Stellflächen auf Privatgelände blockiert sind. „Fordert man sie auf, wegzufahren, gibt es einen blöden Spruch, im schlimmsten Fall wird Gewalt angedroht.“

Sowohl Helmut von Bohlen als auch Ulrike Feldmann haben die Möglichkeit, Falschparker von „ihren“ Parkflächen abschleppen zu lassen. „Aber das kostet Geld. Und dieses Geld zahle erst einmal ich“, sagt die Chefin von „Stil und Blume“. Per Anwalt könnte sie dann versuchen, dass Geld wiederzuholen. „Aber der Aufwand ist enorm, und es gibt keine Erfolgsgarantie.“ Deshalb gingen viele dieses Risiko nicht ein.

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Verzweifelter Appell an die Vernunft

Situationen wie diese haben dazu geführt, dass Firmen wie die Parkräume KG in Lünen aktiv werden konnten: Diese rechtlich in einer Grauzone agierenden Abschleppunternehmen werben damit, Autos von privaten Grundstücken zu entfernen - die Kosten habe der Falschparker zu tragen. Die Autos werden irgendwo in der Stadt versteckt - wer den Standort erfahren will, muss eine Gebühr zwischen 300 und 400 Euro berappen.

Allerdings geht es hier um Fahrzeuge, die nachweislich im Halteverbot beziehungsweise außerhalb von markierten Parkflächen standen. „Man müsste im Zweifel beweisen, dass es kein Kunde war, der hier geparkt hat“, befürchtet Helmut von Bohlen mit Blick auf illegal genutzte Kundenparkplätze. Somit bleiben den Händlern entweder der unsichere Gang vor Gericht - oder der verzweifelte Appell an Vernunft und Moral der Innenstadtbesucher.

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