Drittes Kraftwerk in Sicht

LÜNEN Ein drittes Kraftwerk ist in Sicht. Der von Evonik geplante neue Kraftwerksblock auf dem Gelände an der Moltkestraße soll die beiden vorhandenen Blöcke sechs und sieben nicht ersetzen, sondern ist ein zusätzlicher Block.

von Von Dieter Hirsch

, 12.11.2007 / Lesedauer: 3 min
Drittes Kraftwerk in Sicht

So stellen die Kraftwerks-Gegner den Blick aus Brambauer dar.

Dies geht aus der Vorhabenbeschreibung „Änderung des Kraftwerkes Lünen durch Neubau Block 8“ hervor, die Evonik der Bezirksregierung vorgelegt hat. „Die Steinkohle für den neuen Block 8 sowie für die bereits vorhandenen Kessel 10 (zugehörig zu Block 6) und 11 (zugehörig zu Block 7) wird ausschließlich per Bahn antransportiert. Das Konzept für die zukünftige Bekohlung der Kraftwerksblöcke sieht vor, dass in allen drei Blöcken eine einheitliche Kohlequalität eingesetzt wird“, heißt es in der Vorhabenbeschreibung.

1400 MW Strom

Der neue Block 8 soll eine Feuerungsleistung von 2100 Megawatt (MW) und eine elektrische Brutto-Leistung von 900 Megawatt haben. Mit den beiden vorhandenen Blöcken von 150 MW und 350 MW elektrische Leistung würde Evonik dann 1400 MW Strom produzieren. Das Vorhaben, einen zusätzliche Kraftwerksblock zu bauen und die vorhandenen nicht zu ersetzen (jetziger Stand), führt zum Konflikt mit der Politik. Die hat sich deutlich gegen den Bau eines neuen Kraftwerkes ausgesprochen.                 

Wie den Bau verhindern?

Zu verhindern wäre dieser Bau durch eine Änderung des Bebauungsplanes mit Änderungssperre, so Beigeordneter Jürgen Evert auf Anfrage. Dies würde aber zu einem so genannten Vertrauensschaden führen. Das heißt, der Investor hat seine Planungen im Vertrauen auf einen gültigen Bebauungsplan gemacht. Diese Planungen haben ihn bereits Geld gekostet. „Wir haben einen Verwaltungsrechtler beauftragt, in einem Gutachten die rechtlichen Konsequenzen auszuloten“, so Jürgen Evert.

Kühlturm ist 160 Meter hoch

Der neue Kühlturm für Block 8 soll östlich des bereits vorhandenen Kühlturms errichtet werden und eine Höhe von 160 Metern haben. Damit ist er um 24 Meter höher als im Erläuterungstext des gültigen Bebauungsplanes. „Die 134 Meter im Erläuterungstext sind keine verbindlich festgeschriebene Größe“, erklärt Jürgen Evert. Probleme könnte Evonik eher über die so genannte Baumaßenzahl bekommen.

Neuer Schornstein

Diese Zahl beschreibt das Verhältnis von überbaubarer Grundfläche und der auf ihr entwickelten Kubikmeter. Und da will Evonik mehr, als im Bebauungsplan vorgesehen ist. Das neue Kesselhaus des Blockes 8 wird 150 Meter hoch sein, der neue Schornstein, über den die entschwefelten Rauchgase abgeführt werden, wird 200 Meter hoch sein.

Bahn liefert an

Die Anlieferung von Kohle sowie der Abtransport von Gips und Elektrofilterasche soll über die Bahn erfolgen. Block 8, so schreibt Evonik, wird mit Einrichtungen zur Kraft-Wärme-Kopplung ausgestattet. Die Anbindung über die bestehenden Fernwärmestation in das Fernwärmesystem der Stadtwerke Lünen erfolge erst dann, wenn ein entsprechenden zusätzlichen Wärmebedarf entstehe, der nicht mit den bestehenden Reserven am Standort Lünen abgedeckt werden könnte.

Neue Netzleitung

Der produzierte Strom soll über eine in Planung befindliche 380-kV-Freileitung der Netzleitung Lünen GmbH in Dortmund-Mengede ins Netz eingespeist werden. Zum Thema „Immissionen“ schreibt Evonik: „Aufgrund vorliegender Erfahrungswerte vergleichbarer Kraftwerksblöcke bzw. Kraftwerke ist davon auszugehen, dass die zusätzlichen Immissionen des Blocks 8 aber auch die zusätzlichen Immissionen des gesamten künftigen Kraftwerks Lünen einschließlich Block 8 unter Zugrundelegung der Beurteilungskriterien der Technischen Anleitung Luft 2002 irrelevant sind.“ Block 8 soll laut Vorhabenbeschreibung im 4. Quartel 2012 in Betrieb genommen werden.  

    

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