Den Weg zur Kita legen die meisten Kinder im Auto der Eltern zurück. Im Geistviertel muss das anders werden. © dpa
Meinung

Drohendes Verkehrschaos ist die Idee: Die erste Zu-Fuß-Kita Lünens!

Mit dem Elterntaxi zum Kita-Drive-in: Kinder erleben von klein auf Mobilität als etwas mit vier Rädern, einem Auspuff und Stress. Dass es auch anders geht, zeigt hoffentlich bald eine Lüner Kita.

Die jährlichen Aktionstage sind gerade vorbei. Vom 20. September bis zum 1. Oktober hatte das Deutsche Kinderhilfswerk wieder einmal aufgerufen, „zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ zu gehen. Das trainiere die Verkehrssicherheit, bringe Schwung in den Morgen und schone nebenbei auch noch die Umwelt – zumindest für ein paar Tage. Im Lüner Geistviertel soll das die Dauerlösung werden. Jetzt kommt es darauf an, wie die Verantwortlichen das den Eltern verkaufen.

Da haben sich keine Verkehrsreformer zusammengesetzt, um den Menschen wieder Beine zu machen, wo schon Räder zu wachsen drohen. Keine Umweltaktivisten, die den unnötigen CO2- und Rußpartikelausstoß auf Kurzstrecken anprangern. Keine Mediziner, die vor Übergewicht und Haltungsschäden warnen. Und auch keine Pädagogen, die dazu einladen, die Umgebung bewusst wahrzunehmen. In Lünen saßen Politik und Verwaltung zusammen und haben festgestellt: Da gibt es ein Grundstück im Geistviertel, das ist für eine Kita zwar ideal, verkehrstechnisch aber eine Katastrophe. Per Auto ist es kaum erreichbar. Das Zu-Fuß-Gehen ist also nur eine Notlösung, um den Standort zu retten. Werbung dafür geht anders.

Verkauft die Sache doch lieber als gute Idee – als ersten Schritt zur überfälligen Verkehrswende. Das reißt die Menschen mehr mit als der Verweis auf drohendes Chaos. Verhaltensveränderungen gelingen nur mit Überzeugung.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe