Droht dem Lüner Steag-Kraftwerk die Abschaltung?

Konzern dementiert

Mit Stromerzeugung und -handel in Deutschland verdient der Essener Energiekonzern Steag nicht mehr so gut wie früher. Das hat Folgen, die auch die Kraftwerksblöcke in Lünen treffen könnten, berichtete die Deutsche Presseagentur. Steag selbst sieht die Angelegenheit etwas anders.

LÜNEN

, 14.04.2016, 15:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Droht dem Lüner Steag-Kraftwerk die Abschaltung?

Das Steag-Kraftwerk in Lünen. Im Hintergrund ist das Trianel-Kraftwerk zu sehen.

Der Essener Energiekonzern Steag steht wegen des Verfalls der Börsenstrompreise vor scharfen Einschnitten im Unternehmen. Daher prüft der Konzern die Abschaltung mehrerer Steinkohle-Kraftwerksblöcke. Konkrete Standortentscheidungen seien noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher am Donnerstag anlässlich der Jahresbilanz

Als besonders gefährdet gelten unter anderem zwei ältere Blöcke in Voerde am Niederrhein und ältere Blöcke in Herne und Lünen. Dort gilt der Betrieb eigentlich bis 2018 gesichert. Im Jahr 2012 hat Steag noch Verträge mit der Deutschen Bahn verlängert: Bis dahin liefert unter anderem das Kraftwerk in Lünen den Strom für die Bahn. 

Der Steag-Konzern selbst spricht jedoch nicht von gefährdeten Kraftwerksblöcken: Um auf die Veränderungen des Strommarktes zu reagieren, habe Steag notwendige Maßnahmen ergriffen, sagt Steag-Pressesprecher Jürgen Fröhlich. "Hierzu zählen sowohl die Erweiterung des Dienstleistungsportfolios als auch die Vorbereitungen für den aus heutiger Sicht erforderlichen Auslaufbetrieb von Kraftwerken. Für Herne 3; West1/2 und Lünen haben wir in dieser Hinsicht eine Veränderung in der strategischen Bewertung vorgenommen. Steag konzentriert sich allerdings weiterhin darauf, einen Betrieb der vorhandenen Kraftwerkskapazitäten möglichst langfristig zu gewährleisten."

Warum der Konzern Probleme hat:

2015 seien die Erträge aus Stromerzeugung und -handel im Inland bereits um 14 Prozent zurückgegangen, teilte das Unternehmen mit. Steag schrieb für ältere Steinkohlekraftwerke zweistellige Millionenbeträge ab. Künftig werde sich die Ertragslage noch deutlich eintrüben, hieß es. Die Mitarbeiterzahl ging bereits 2015 um etwa acht Prozent auf gut 5900 zurück.

„Steag wird in den kommenden Jahren noch stärker unter Druck geraten als bislang“, sagte Unternehmenschef Joachim Rumstadt laut Mitteilung. „Der immense Verfall beim Strompreis belastet vor allem unser Inlandsgeschäft.“ 

Wo Steag noch ordentlich verdient:

2015 lag das operative Ergebnis (Ebitda) mit knapp 400 Millionen Euro noch einmal knapp über dem Vorjahr. An die Eigentümer - sieben Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet - würden 80 Millionen Euro ausgeschüttet, hieß es.

Steag profitiert dabei von gewinnträchtigen Kraftwerken im Ausland, etwa in der Türkei und auf den Philippinen, betreibt im Ausland Kraftwerke für Dritte und investiert in Erneuerbare Energien. Auf diese Felder will sich der Konzern künftig verstärkt konzentrieren.

Steag in der Hand der Kommunen
Seit 2011 halten sieben Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet 51 Prozent der Steag, 2014 wurde die Steag zu 100 Prozent übernommen. Größter Anteilseigner ist die Stadt Dortmund, die über ihre Töchter DEW21 und DSW21 insgesamt 36 Prozent an der Steag hält. Es folgen: Duisburg mit 19 Prozent, Bochum mit 18 Prozent, Essen mit 15 Prozent und Oberhausen sowie Dinslaken mit je sechs Prozent. 

Mit Material von dpa

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