Ein Lüner Kiosk-Besitzer mit Leib und Seele

"Tischer's Bude"

Eigentlich ist Werner Tischer eher ein Nachtmensch. Doch seit über 33 Jahren klingelt morgens um 4 Uhr sein Wecker. Denn um 5 Uhr warten schon die ersten Kunden vor seinem Kiosk "Tischer's Bude" an der Münsterstraße. Wie der Alltag in seinem Laden aussieht und wie es um die Zukunft der Buden steht, lesen Sie hier.

WETHMAR

, 19.08.2016, 11:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Lüner Kiosk-Besitzer mit Leib und Seele

Werner Tischer in seiner Bude an der Münsterstraße. Besonders wichtig ist ihm "die bunte Tüte", die nicht nur von Kindern sondern auch von erwachsenen Kunden gern bestellt wird.

Die erste Arbeit am frühen Morgen ist jedoch die Kontrolle der zehn bis 20 täglich gelieferten Zeitungs- und Zeitschriftenpakete. Denn wenn da was nicht stimmt, dann muss Tischer sie früh zurückschicken. Er ist Buden-Besitzer mit Leib und Seele.

Deshalb hätte er auch gerne am 20. August am „1. Tag der Trinkhallen' type='' href='http://www.tagdertrinkhallen.ruhr/“ mit einem kleinen Programm teilgenommen. Aber leider klappt das nicht. Sein Kollege Martin Wilczynski, mit dem er sich die Arbeit in der Bude teilt, ist längerfristig krank. 

Alle Infos zum Tag der Bude am 20. August:

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Sieben Tage die Woche geöffnet

Deshalb hat Tischer derzeit auch seine Mittagspause verlängert. Nun ist die Bude von 5 bis 11 Uhr und dann von 15.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Sieben Tage die Woche. Nur dienstags ist eine Art „Ruhetag“, da hat die Bude „nur“ von 5 bis 10 Uhr geöffnet. Viele Stammkunden haben Tischer und Wilczynski – und das nicht nur aus der direkten Nachbarschaft.

 

„Es kommen auch viele Leute von auswärts, weil wir ja ein sehr, sehr großes Sortiment an Zeitschriften haben“, so der 72-Jährige. Und um ganz ungewöhnliche Zeitschriften-Titel, die es sonst eigentlich nur in Groß- oder Universitätsstädten gibt, kämpft Tischer auch bei den Zulieferern, damit er sie weiter bekommt.

Eltern bauten die Bude 1950

Dass er selbst mal hinter dem Buden-Tresen stehen wird, hätte der kleine Werner 1950 nicht gedacht, als seine Eltern die Bude an der Münsterstraße bauten und führten. „Das war schön für mich als Kind. Mama war in der Bude und ich hatte dort alle Freiheiten, konnte auch meine Freunde immer mit Süßigkeiten versorgen“, erinnert er sich.

Die berühmten bunten Tüten spielen noch heute für den Budenbesitzer eine wichtige Rolle. „Ich schaue mir eigentlich überall, wenn ich unterwegs bin, gerne Buden an und was die Kollegen so machen. Für mich ist es ein persönliches Kriterium, ob so eine Bude auch bunte Tüten anbietet.“

Auch Erwachsene schlagen bei der "Bunten Tüte" zu

In seiner eigenen Bude macht er dabei übrigens den größten Umsatz nicht etwa bei den kleinen Kunden, die sich Leckereien für einen Euro zusammenstellen lassen. „Viele Erwachsene kommen auch und kaufen Süßes für vier oder fünf Euro. Ganze Bürogemeinschaften kommen und holen sich gemeinsam Süßes.“

Tischer kennt seine Kunden gut, und er weiß – „wenn wir tatsächlich beschließen aufzuhören, dann werden Tränen fließen.“ Vom Professor bis zum Hartz-IV-Empfänger reicht die Bandbreite der Menschen, die kommen. Und eben nicht nur, um eine Zeitschrift zu kaufen, sondern vor allem, um zu reden. „Man ist auch Vertrauensperson und wenn die Leute uns was erzählen, wissen sie auch, wir halten dicht.“

Lokalpolitik in der Bude

Manche kommen schon seit Kindertagen. „Und ich finde es bemerkenswert, wenn die Mütter von heute mit ihren Kindern genauso schimpfen wie es ihre Mütter mit ihnen getan haben. Obwohl sie das früher ganz schrecklich fanden.“ Viele Kunden hat er aufwachsen sehen und mit einigen diskutiert er auch politische Themen. Denn die Lokalpolitik ist Tischers großes Interesse. Und die Stadtführungen, die er zu verschiedenen Themen wie Kunst, Architektur oder jüdisches Leben in Lünen anbietet.

Wilczynski engagiert sich in der knappen Freizeit ehrenamtlich für den Verein Lüner Hospiz und die Dortmunder Bahnhofsmission. Schade finden beide, dass derzeit ein „Budensterben“ im Gang ist. Und das betrifft nicht nur Buden und Trinkhallen im Ruhrgebiet und im Rheinland sondern auch die in Berlin und Frankfurt/Main. Woanders gebe es keine Buden in dieser Art, so Tischer.

Welche Büdchen in der Region am Tag der Bude am Samstag, 20. August, teilnehmen und welche ein besonderes Programm anbieten, erfahren Sie in unserer interaktiven Karten:

Hinweis: Die Karte zeigt nicht alle teilnehmenden Büdchen, eine vollständige Liste finden Sie hier.

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