Einzelhändlerin gibt Laden „Mal was anderes“ in der Kirchstraße auf

rnRäumungsverkauf

Zwei Jahre hat Gabriele Eickhoff-Feller Dekoration und Feinkost in ihrem Geschäft an der Kirchstraße angeboten. Doch sie gibt auf und hat dafür Gründe. Dabei will die Stadt etwas verändern.

Lünen

, 17.04.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Liebevoll eingerichtet hat Gabriele Eickhoff-Feller (52) ihren Laden. Auf 100 Quadratmetern bietet er viel Platz zum Stöbern. Accessoires, Geschenkideen, Haushaltswaren und Feinkost: der Name „Mal was anderes“ ist Programm.

Seit Freitag (12.) ist Räumungsverkauf in dem Geschäft, das zwar zentral in der Innenstadt liegt, aber doch etwas abseits. Ein schmaler Gang zwischen der Eisdiele Casa del Gelato und der Adler Apotheke führt von der Fußgängerzone in die Kirchstraße.

„Fehlende Laufkundschaft“

Es sind gesundheitliche Gründe, die Gabriele Eickhoff-Feller als Ursache für die Schließung zum 1. Juni nennt. Aber auch ein anderes Problem: Die fehlende Laufkundschaft. Man finde den Laden nicht. Im ersten Jahr habe sie ein Schild in der Fußgängerzone aufgestellt. Doch das sei ihr von der Stadt untersagt worden. Dann wollte die Eisdiele helfen. Sie bekam die Möglichkeit, ein Hinweisschild auf deren Fläche aufstellen zu können. Doch auch das war nicht gestattet. Nach Auskunft der Stadt dürfen Geschäfte nicht füreinander werben.

Jetzt also der Rückzug. Gutscheine können noch bis zum 25. Mai eingelöst werden. Gabriele Eickhoff-Feller und ihr Mann Jürgen Eickhoff geben „tränenden Auges“ auf. Sie hätten viel Herzblut in den Laden gesteckt. Von auswärtigen Kunden habe sie erfahren, dass sie das Geschäft „nur durch Zufall“ gefunden hätten. Zunächst möchte sie richtig gesund werden und dann schauen, wie es weitergeht.

Stadt plant Veränderungen

Dass die Stadt an Veränderungen arbeitet, nutzt der Einzelhändlerin nun nichts. Auf Anfrage sagte Stadtsprecher Benedikt Spangardt: „Die Stadtverwaltung findet es imm er sehr schade, wenn ein inhabergeführtes Geschäft in der Innenstadt aufgegeben wird.“ Die angesprochenen Einschränkungen seien auf Basis der Werbesatzung und der Gestaltungssatzung ausgesprochen worden. Die Politik gab sie vor zehn Jahren in Auftrag. Damals seien „Kundenstopper“, wie die Werbetafeln genannt werden, schon ein Thema gewesen.

Neues Konzept für zentrale Werbung

Spangardt erklärte aber auch: Wünsche der Geschäftsleute würden trotzdem berücksichtigt. Derzeit arbeite die Stadt an einem Konzept, wie trotz der Richtlinien die Geschäfte in der „zweiten Reihe“ mehr Aufmerksamkeit bekommen könnten. Der Vorschlag sei Werbung zentral über die Stadt zu ermöglichen. Konkret sollen an dem kleinen Stichweg zur Kirchstraße sowie an der Einmündung Roggenmarkt zwei weitere Stelen mit Stadtplänen und Werbung für besagte Geschäfte aufgestellt werden. Allerdings können sie erst bestellt werden, wenn der Haushalt genehmigt ist.

„Dieser Prozess ist durch die Wünsche der Geschäftsleute angestoßen worden, auch das Gespräch von Frau Eickhoff-Feller mit dem Bürgermeister hat dazu beigetragen, dass die Stadt hier Handlungsbedarf sieht“, erklärte Spangardt.

Unverständnis über Schild

Gabriele Eickhoff-Feller hatte sich über übervolle Mülltonnen und herabhängende Weihnachtsketten in der Kirchstraße beschwert. Die Ketten seien vom Kulturbüro gesichert worden, beim Thema Müll hätte die Stadt Alternativen geprüft, die aber erhebliche Kosten für die Eigentümer zur Folge gehabt hätten.

Einzelhändlerin gibt Laden „Mal was anderes“ in der Kirchstraße auf

Auch Be- und Entladen verboten steht auf einem neuen Schild, das die Stadt in der engen Gasse aufgestellt hat, zu der man in die Kirchstraße gelangt. © Magdalene Quiring-Lategahn

Was Gabriele Eickhoff-Feller gar nicht verstehen kann, ist ein neues Schild der Stadt in der Gasse zur Fußgängerzone. Be- und Entladen sei verboten, steht darauf. Dabei sei die Gasse so schmal, dass dort kein Auto hindurchpasst.

Die Stadt sagt dazu, Ordnungspartnerschaften hätten beobachtet, dass Radfahrer die Gasse in die Fußgängerzone benutzt hätten. Daher das Schild. Der genaue Standort werde aber nochmal überprüft.

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