Engpass durch Coronavirus: Kaum Schutzmittel für pflegende Angehörige

rnDesinfektionsmittel

Wer einen Angehörigen zuhause pflegt, hat einen monatlichen Anspruch auf Pflege- und Schutzmittel. Aufgrund der Corona-Krise kann dieser Anspruch jedoch kaum noch erfüllt werden.

Lünen, Selm

, 01.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Markt für Desinfektionsmittel ist leer gefegt. Gleiches gilt für den Markt für Einmalhandschuhe. Das ist ein großes Problem, und dieses Problem könnte durchaus noch größer werden: „Viele Menschen pflegen Angehörige zuhause und haben deshalb Anspruch auf Pflegemittel“, sagt eine Apothekenangestellte aus Lünen, die anonym bleiben möchte.

Tatsächlich besteht für pflegende Angehörige ein Anspruch auf Pflegemittel im Wert von 40 Euro pro Monat. „Das können Bettunterlagen sein, aber eben auch Desinfektionsmittel oder Einmalhandschuhe“, so die Lünerin. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten und schließt in der Regel mit der Apotheke einen Jahresvertrag. Dann können sich die Angehörigen die Pflegemittel dort abholen.

„Wir haben so gut wie nichts mehr“

So auch in der Dortmunder Apotheke, in der die Lünerin arbeitet. „Erfahrungsgemäß kommen die Leute spätestens am 3. des Monats.“ Aufgrund der allgemeinen Knappheit solcher Mittel rechnet sie allerdings eher mit einem Ansturm bereits am 1. April. Das Ergebnis sei freilich das gleiche wie jetzt schon: „Wir haben so gut wie nichts mehr.“

Und das, was noch da ist, müsse die Apotheke auf Nachfrage verkaufen: „Wenn ein Kunde Desinfektionsmittel will, können wir den ja nicht wegschicken und sagen, das sei nur für unsere Stammkunden.“ Weiteres Problem: Die pflegenden Angehörigen kriegen „ihre“ Mittel nur in der Apotheke, mit der die Krankenkasse den Vertrag geschlossen hat. Kaufen sie woanders, müssen sie ganz normal bezahlen. „Aber woanders sieht es ja auch nicht besser aus“, sagt die Lünerin.

Praxen und Pflegeheime gehen vor

Volker Brüning, Sprecher der Apotheken im Nordkreis, kennt das Problem: „Natürlich müssen wir für diese Mittel Kontingente einrichten.“ Es könne nicht einfach jemand kommen und einen Liter Desinfektionsmittel verlangen. „Bei Mitteln zur Flächendesinfektion geht das noch, Handdesinfektionsmittel haben wir bereits gekürzt.“ Brüning, der Apotheken in Lünen und in Selm betreibt, geht ebenfalls davon aus, dass die Leute am 1. April anklopfen werden. „Dann müssen wir schauen, wie die Lage ist.“

Praxen und Pflegeheime gingen derzeit vor, stellt er klar: „Dort herrscht derzeit der größte Notstand.“ Eigentlich hätten solche Einrichtungen eigene Bezugsquellen, aber auch die sind versiegt. „Wir stellen selber noch Desinfektionsmittel her - solange es noch Ethanol auf dem Markt gibt.“

Brüning hofft, dass sich die Lage im kommenden Monat wieder entspannt - genau wie die Lüner Apothekenangestellte. „Es kann ja nicht sein, dass Angehörige die Pflege jetzt mit bloßen Fingern machen müssen.“

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