Quietschen war das Signal zum Aufbruch: Erinnerungen an die Straßenbahn

rnStraßenbahn

Es ist 95 Jahre her, als im Juli 1925 die Straßenbahnlinie Waltrop-Brambauer eingeweiht wurde. Längst fahren keine Wagen mehr zwischen den Nachbarstädten. Die Erinnerung ist aber lebendig.

Brambauer

, 19.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hufnagel hieß die erste Station. So wie das Kaufhaus Hufnagel an der Waltroper Straße. Die weiteren Stationen entlang der Straßenbahngleise hatten ihre Namen von Traditions-Gaststätten in Brambauer: Eickermann und Füßmann. Nach einem Halt an der Elmenhorster Mühle sowie der Haltestelle Marienkirche auf Waltroper Gebiet ging es weiter Richtung Meckinghoven, heute ein Stadtbezirk von Datteln, im Kreis Recklinghausen.

Jetzt lesen

11,1 Kilometer lang war die Strecke zwischen Brambauer und Meckinghoven: ein zu weiter Weg, um ihn zu Fuß zurücklegen zu müssen. Das Glück, ein Fahrrad zu besitzen oder gar ein Auto hatten in den 1920er-Jahren aber nur wenige. Entsprechend willkommen war ihnen die neue Verbindung, die allerdings 1957 wieder eingestellt wurde. Lebendige Erinnerungen bleiben.

Friedhelm Eschner blickt zurück

„Für mich und meinen Eltern waren die quietschenden Straßenbahnräder aus weiter Entfernung ein unvergessliches Zeichen. Jetzt müssen wir uns aufmachen, bis zur nächsten Haltestelle“, sagt der 1940 geborene Friedhelm Eschner. „Die Fahrkarten mussten wir nicht beim Fahrer kaufen. Dafür gab es extra einen eigenen Schaffner.“ Er kennt auch noch die Preise: „Die Einzelfahrt kostete zehn Pfennig.“

Es war der 14. Dezember 1904, als die Straßenbahn vom Fredenbaum über Eving und Brechten nach Brambauer ihren Betrieb aufnahm: auf exakt der Strecke, die sie auch heute noch nimmt (U41). 1924 wurden Gleise zwischen Waltrop und Meckinghove verlegt. Und am 11. Juli 1925 erfolgte der Lückenschluss: Waltrop Brambauer. Während die Strecke nach Waltrop von der Vestischen Kleinbahn GmbH gebaut und betrieben wurde, waren von Brambauer nach Dortmund (und auch nach Lünen) „Elektrischen Straßenbahnen des Landkreises Dortmund“ zuständig.

Schienen verschwanden in den 1980er-Jahren

Heute sind die geschichtsträchtigen Spuren der einstigen Straßenbahn fast aus dem gesamten Brambauer Stadtbild verschwunden. Die Haltestelle Hufnagel“ existiert schon lange nicht mehr, die Station Eickermann heißt heute Ottostraße. Und aus der Füßmann-Haltestelle wurde Grenzstraße. Dieser Name weist auf die Grenzlage hin: Hinter der ehemaligen Gaststätte Füßmann, heute das Restaurant Allegro, verläuft die Stadtgrenze zwischen Lünen und Waltrop.

Die Straßenbahnschienen wurden während der Sanierungs- und Umbauphase der Waltroper Straße in den 1980er-Jahren entfernt. Lediglich der heute betonierte Pfad für Radfahrer und Fußgänger am Ende der Waltroper Straße, rechtsseitig liegend und in beide Richtungen befahrbar, erinnert noch an das Schienengefährt aus einer vergangenen Zeit.

Lesen Sie jetzt