Erntehelfer auf dem Spargelfeld: „Das geht in Rücken und Beine“

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Sportstudent Frank Peters (26) hat noch nie Spargel gestochen. Er meldete sich freiwillig als Erntehelfer. Nicht nur die anstrengende Arbeit ist für ihn eine besondere Erfahrung.

Wethmar

, 24.04.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich schreibt Frank Peters an seiner Masterarbeit. Er studiert Sportwissenschaft und Chemie. Doch als er hörte, dass anfangs die rumänischen Erntehelfer wegen des Coronavirus nicht einreisen durften, bot er Hilfe an. Noch nie hatte er vorher ein Spargelmesser in der Hand. Seit drei Wochen arbeitet Frank Peters auf den Feldern oder an der Sortieranlage von Landwirt Vitus Schulze Wethmar.

Nach den ersten Stunden auf dem Feld hatte er ordentlich Muskelkater. Trotz der Tipps, wie man sich rückenschonend bückt. „Ich dachte, das wäre ganz lässig“, sagt er. Seine Erfahrung ist eine andere. „Anstrengend für Rücken und Beine.“ Inzwischen habe er höchsten Respekt vor der Leistung der rumänischen Erntehelfer. Das Spargelstechen will gekonnt sein. Die Königin des Gemüses ruht in der Erde. „Man kann nichts sehen, Spargel wächst nicht immer gerade. Beim Stechen darf man die Wurzel nicht verletzen“, schildert er die Herausforderung.

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Ähnlich wie ihm geht es Christian Scharley (48). Der ist normalerweise als Schausteller mit seiner „Kartoffelkiste“ überall dort, wo Kirmestrubel ist. Doch zurzeit bricht alles weg. „Bei uns stehen alle Räder still“, sagt er. Bevor sie auch auf dem Hof stillstehen, habe er sich gemeldet. Stehen sei er gewöhnt, früh aufstehen eher nicht. Um 6.30 Uhr geht es los mit der Ernte. „Spargelstechen ist nicht einfach, aber man kann es lernen“, sagt er.

In Corona-Zeiten ist auch die Spargelernte anders: Beim Sortieren tragen die Helfer auf dem Hof Schulze Wethmar Masken.

In Corona-Zeiten ist auch die Spargelernte anders: Beim Sortieren tragen die Helfer auf dem Hof Schulze Wethmar Masken. © Goldstein

Er ist ganz fasziniert von den rumänischen Helfern. „Die stechen Spargel wie eine Maschine. Da sitzt jeder Handgriff.“ Christian Scharley und Frank Peters lieben die Arbeit an der frischen Luft. „Ich bin top zufrieden“, sagt Scharley.

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Für den Studenten ist die Arbeit schon sehr fremd, auch an der Sortiermaschine . „Das ist wie am Fließband, geht sehr schnell und man muss viele Sachen gleichzeitig im Blick haben.“ Das sei anders als auf dem Feld. Mittlerweile hat er über Spargel einiges gelernt. Auch, dass man ihn roh essen kann. „Das wusste ich vorher gar nicht.“

Bis in den Juni dauert die Spargelernte noch. Danach geht es mit Erdbeeren und Möhren weiter. Christian Scharley hofft, auf dem Hof bleiben zu können. „Für uns Schausteller ist das ja momentan wie ein Berufsverbot.“ Eine harte Nummer. „Ich bin heilfroh, dass ich hier bin“, sagt er und ist sich sicher: Wir kommen da durch.

Auch Frank Peters findet es super an der frischen Luft auf dem Feld. Auch wenn sich sein Bild von der idyllischen Arbeit gewandelt hat: Die sei nicht zu unterschätzen, aber trotzdem schön.

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