Erst Wiederwahl von SPD-Kreis-Chef Kaczmarek, dann Schaulaufen der BM-Kandidaten

rnSPD-Kreisparteitag

Die SPD will bei der Kommunalwahl erneut „deutlich stärkste Kraft“ im Kreis Unna werden. Das hat Parteichef Oliver Kaczmarek anlässlich seiner Wiederwahl bekräftigt. Beim Kreisparteitag gab er ein Aufbruchsignal – und parierte einen Zwischenruf.

Kreis Unna

, 01.02.2020, 13:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

So ein Schaulaufen der SPD-Kandidaten für die Kommunalwahl gab es in dieser Form noch nicht: Vier der sieben Bürgermeisterkandidaten sowie Landratskandidat Mario Löhr hatten beim Kreisparteitag am Samstag in der Kamener Stadthalle ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Zuvor bekam Kreis-SPD-Chef Oliver Kaczmarek, 49, durch seine Wiederwahl die volle Rückendeckung der Delegierten für das Kommunalwahljahr. „Die SPD hat Klarheit geschaffen, wer unsere Kandidaten für die Chefsessel sind“, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Kamen.

Die Bürgermeisterkandidaten Rainer Schmeltzer (Lünen), Thomas Orlowski (Selm), Sabina Müller (Fröndenberg) und Thomas Semmelmann (Bönen) sowie Landratskandidat Löhr präsentierten sich und ihre Ziele bei einer Talkrunde, es fehlten Katja Schuon (Unna), Peter Wehlack (Holzwickede) und Bernd Schäfer (Bergkamen). In Schwerte und Kamen hält die SPD die Rathäuser bereits durch Dimitrios Axourgos bzw. Elke Kappen, die nach vorgezogenen Bürgermeisterwahlen im Amt sind.

Erst Wiederwahl von SPD-Kreis-Chef Kaczmarek, dann Schaulaufen der BM-Kandidaten

SPD-Unterbezirkschef Oliver Kaczmarek mit (v.l.n.r.) Bürgermeister- und Landratskandidaten: Thomas Orlowski (Selm), Thomas Semmelmann (Bönen), Sabina Müller (Fröndenberg), Mario Löhr (Landrat) und Rainer Schmeltzer (Lünen). © Borys Sarad

SPD-Forderungen

Tempolimit und Gratis-Tickets

  • Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen soll ausgeweitet werden. Bestenfalls wird die Richtgeschwindigkeit in eine Höchstgeschwindigkeit umgewandelt. Eine entsprechende Forderung an die Bundes-SPD beschloss der Kreisparteitag auf Initiative der SPD Schwerte.
  • Jugendliche unter 18 Jahren sollen kostenlos in Bussen und Bahnen mitfahren dürfen. Der Kreis Unna soll das ermöglichen, meint die SPD Lünen. Der Parteitag unterstützt die Forderung.
  • Der Parteitag bestätigte als Stellvertreter von Unterbezirkschef Oliver Kaczmarek Sigrid Reihs (Schwerte), Rainer Schmeltzer (Lünen), Rüdiger Weiß (Bergkamen) und als Schatzmeister Torben Böcker (Fröndenberg).

Wiederwahl mit 90-Prozent-Ergebns

Mit rhythmischem Applaus quittierten die 130 Delegierten die Wiederwahl des Unterbezirksvorsitzenden. Der Kamener führt den Unterbezirk Unna (4068 Mitglieder in 44 Ortsvereinen) bereits seit 15 Jahren, davon seit elf Jahren als Bundestagsabgeordneter. Bei der Wahl erhielt Kaczmarek mit rund 90 Prozent der Delegiertenstimmen eine überwältigende Mehrheit. Zuvor hatte er den Genossen bereits in einer programmatischen Rede ein Aufbruchsignal gegeben. Keine hängenden Schultern, sondern aufrechter Gang: „Lasst uns nicht mit den Selbstzweifeln des letzten Jahres, sondern mit Stolz auf das Erreichte und mit realistischem Blick in den Wahlkampf gehen“, sagte Kaczmarek. Die Zeit der Selbstbeschäftigung sei beendet.

Zwischenruf bei Rede des Parteichefs

Mit Themen wie wehrhafte Demokratie („Auschwitz darf nie wieder sein“), Energiewende („nicht wie die Grünen mit einem Preisschock“), Bildung („Anspruch auf Ganztagsplatz an Grundschulen bis 2025“) bis hin zur inneren Sicherheit („Wir bleiben nicht beim Ruf nach härteren Strafen hängen“) will die SPD um jeden Wahlkreis kämpfen. Das Ziel: die „deutlich stärkste Kraft“ im Kreis Unna werden und Mario Löhr als neuen Landrat im Kreishaus installieren. Zum scheidenden Amtsinhaber Michael Makiolla sagte Kaczmarek: „Wir sind stolz, dass du unser Landrat bist.“

Erst Wiederwahl von SPD-Kreis-Chef Kaczmarek, dann Schaulaufen der BM-Kandidaten

Kreisparteitag in der Kamener Stadthalle: Hier geben gerade Lüner SPD-Vertreter, darunter Kreistagsmitglied Simone Syma (sitzend, an der Urne) ihre Stimme ab. Auf Oliver Kaczmarek entfielen 115 Ja-, 13 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. © Borys Sarad

Fotosessions vor dem Parteilogo

Von Schockstarre oder Frust war beim Kreisparteitag nichts zu spüren, es ging äußerst lebhaft zu, sodass der Unnaer SPD-Chef und Präsidiumsmitglied Sebastian Laaser die Genossen zeitweise zur Ruhe oder zur Unterbrechung von Fotosessions vor dem Parteilogo ermahnen musste. Während der Rede Kaczmareks kam es zu einem Zwischenruf. „Kostenlos!“ rief die Kreistagsabgeordnete Simone Symna aus Lünen, als Kaczmarek die Forderung erhob, dass Bund und Länder mehr und bessere Ganztagsplätze schaffen sollen. „Ja, kostenlos“, reagierte der Redner. Einen Seitenhieb gab es gegen die AfD, ohne sie beim Namen zu nennen: gegen „Spalter und Hetzer“, die von „Vogelschiss“ und „Schuldkult“ reden.

Keine Hinterzimmerpolitik, sondern Dialog

Einen TV-Werbespot wie Donald Trump beim Super Bowl kann sich die SPD trotz guter Kassenlage wohl nicht leisten, aber das ist für Kaczmarek auch nicht erstrebenswert. „Der will manipulieren und nicht mit den Leuten über Demokratie sprechen.“ So sprechen will die SPD und Kaczmarek kündigte für Bürger offene Gespräche über ein Kreiswahlprogramm an, das vor der Sommerpause beschlossen werden soll. „Keine Hinterzimmerpolitik, kein Schmoren im eigenen Saft, sondern Präsenz und Dialog.“

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