Erste Mieter beziehen ehemaliges Hertie-Haus

Tiefgarage unter Wasser

Die offizielle Eröffnung steht erst im September an, am Mittwoch haben jedoch die ersten Mieter ihre Wohnung im ehemaligen Hertie-Kaufhaus am Lüner Marktplatz bezogen: Elvire Allendorf und ihr Ehemann Alfred. Ein Umzug mit Hindernissen - denn an vielen Ecken sind die Handwerker noch zugange.

LÜNEN

, 01.06.2016, 18:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Erste Mieter beziehen ehemaliges Hertie-Haus

Erschöpft, aber glücklich: Elvire und Alfred Allendorf haben den Umzug in ihre neue Wohnung im früheren Hertie-Kaufhaus endlich geschafft

"Dreimal hat sich der Umzugstermin verschoben", seufzt Elvire Allendorf, während sie sich zwischen Bauarbeitern, einem Schweißgerät und Kabeln über teilweise noch löchrige Stufen zu ihrer neuen Wohnung im zweiten Stock schleppt.

Auch für jüngere Menschen wäre der Weg wohl mühsam, denn dem Treppengeländer fehlt an einigen Stellen noch der feste Halt: Immer wieder fliegen Funken umher, wenn die heiße Flamme aus dem Schweißgerät auf das Metall des Geländers trifft, um es zu verankern.

Aufzug funktioniert noch nicht

Ihr Mann sinkt erschöpft auf die Eckbank in der Küche mit den grün getünchten Wänden. "Die neue Küche kommt am Samstag", sagt die Lünerin und deutet auf Geschirrspülmaschine und Kühlschrank in der Ecke, die noch aus der alten Wohnung stammen. Ein Möbelpacker bringt den Küchentisch.

Dem Mitarbeiter der Umzugsfirma steht der Schweiß auf der Stirn, der sich mit dem Sprühregen vermischt und schließlich auf die Tischplatte tropft. "Die Ärmsten müssen alles übers Treppenhaus nach oben tragen", sagt Elvire Allendorf. Denn der Aufzug verweigert noch seinen Dienst: "Der TÜV muss noch die Abnahme machen", sagt ihr Mann und winkt ab.

Möbelpacker sehen die Situation gelassen

Um das frühere Kaufhaus herum versperren noch Baustellenfahrzeuge den beiden Möbelwagen den Weg: "Deshalb kann die Umzugsfirma auch nicht mit einem Kran arbeiten", sagt Elvire Allendorf. Da der Fahrstuhl noch nicht funktioniert, müssen die Männer sämtliche Möbel über die zahlreichen Stufen in die Wohnung tragen. "Ein großer Mist, aber eben nicht zu ändern", brummt einer von ihnen: "Zum Glück ist das Treppenhaus breit genug. " 

Rund 30 Kisten hat das Ehepaar seit Januar gepackt, am Mittwoch hat es schließlich mit dem Umzug geklappt. "Jetzt mussten wir auch aus unserer alten Wohnung raus", erklären beide. "Unsere Nachfolger wollen endlich einziehen."

Keller steht unter Wasser

Nach und nach werden die beiden alle Kartons auspacken: "Wir lassen uns Zeit damit." Die Möglichkeit, ein paar Kisten in der Zwischenzeit im Keller zu lagen, haben Elvire und Alfred Allendorf zunächst nicht: Jugendliche hätten am vergangenen Wochenende – trotz Bewachung der Baustelle – ein Leitungsrohr mutwillig beschädigt und das Untergeschoss teilweise unter Wasser gesetzt. 

"Unser Keller und der Platz für die Waschmaschine sind erst mal nicht nutzbar", stellt die Lünerin fest. Das gelte auch für den Tiefgaragenplatz für ihr Auto. Dennoch lässt sich das ältere Ehepaar seinen Optimismus nicht nehmen: "Wenn alles dann mal fertig ist, werden wir es hier sehr schön haben", zeigt sich Elvire Allendorf überzeugt, mit dem Umzug die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Chef des Bauvereins zeigt Verständnis

Vor Ort war gestern auch Friedhelm Deuter, Chef des Bauvereins zu Lünen, dem die Immobilie gehört. Für die Kritik der Eheleute Allendorf zeigt Deuter im Gespräch mit unserer Zeitung "völliges Verständnis. Wir haben schon mit den Mietern gesprochen". Friedhelm Deuter macht keinen Hehl daraus, dass auf der Großbaustelle das eine oder andere hätte besser laufen können. Richtig sauer zeigt er sich über den vom Ehepaar Allendorf "zu Recht monierten Wasserschaden" in der Tiefgarage.

Laut Deuter handelt es sich dabei um Vandalismus. Vermutlich in der Nacht von Samstag auf Sonntag, so der Vorstandsvorsitzende des Bauvereins, sei ein Wasserschlauch, der die vor der Baustelle stehende Pommesbude am Marktplatz mit Wasser versorgt, mutwillig durchgeschnitten worden.

Der Schaden sei Sonntagmorgen von dem Sicherheitsdienst bemerkt und das Wasser mittels acht Pumpen abgepumpt worden. Den Schaden beziffert Deuter auf 20 000 bis 25 000 Euro. Unabhängig davon, dass die Tiefgarage am Montag komplett asphaltiert werden sollte. "Das konnte jetzt nur teilweise geschehen", sagt Friedhelm Deuter.

Offizielle Eröffnung ist für September geplant

Zum Aufzug lässt er wissen, dass der in 14 Tagen laufen soll: "Es fehlt noch die Abnahme durch den TÜV." Was weitere Mieter vom Einzug ins umgebaute Wohn- und Geschäftshaus im Herzen der Stadt nicht abschrecken soll. Deuter: "Die Wohnungen werden jetzt nach und nach bezogen." Das gelte auch für die Gewerbeflächen, sagte der Chef des Bauvereins weiter: "Die offizielle Eröffnung findet Mitte/Ende September statt."

Vielen Lünern ist sie ans Herz gewachsen – die Pommesbude am Marktplatz.
Seit Beginn des Umbaus der ehemaligen Hertie-Immobilie, in der die Pommesbude beherbergt war, läuft der Verkauf aus einem Imbisswagen heraus. Doch damit ist bald Schluss.
Wie Friedhelm Deuter, Chef des Bauvereins zu Lünen, gestern auf Anfrage unserer Zeitung sagte, werde die Pommesbude künftig in die Backstube der Bäckerei Kanne an der Marktstraße ziehen.
Das ist möglich, weil Kanne ins Erdgeschoss der umgebauten Hertie-Immobilie zieht.
Neben der Pommesbude werde auch ein Friseur ins Obergeschoss der Noch-Bäckerei-Kanne an der Marktstraße einziehen, so Deuter.

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