Facebook und Twitter: Politik streicht Stadt zusätzliche Kapazitäten für Soziale Medien

rnDebatte in der Politik

Dass Städte auch über Soziale Medien wie Facebook oder Twitter kommunizieren, ist längst die Regel und keine Ausnahme mehr. Lünen hätte dafür gern Personal aufgestockt. Darf aber nicht.

Lünen

, 16.02.2019 / Lesedauer: 3 min

In den Stellenplanentwurf für 2019 hatte die Stadt eine 0,7 Stelle aufgenommen. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter sollte sich um Städtepartnerschaften kümmern, um internationale Beziehungen - und mit weniger als der Hälfte der Zeit auch um die Kommunikation in den Sozialen Medien. Angesiedelt werden sollte die Stelle im Dezernat I des Bürgermeisters Jürgen Kleine-Frauns.

So, wie sich die Stadtverwaltung das vorgestellt hat, wird es aber nicht geschehen. Denn der Haupt- und Finanzausschuss hat am Donnerstag, 7. Februar, schon für einen Antrag der SPD gestimmt. Darin heißt es kurz und knapp: „0,3 Stelleneinrichtung für soziale Medien wird abgelehnt.“ Der Rat hat den Beschluss am Donnerstag (14.) noch einmal bestätigt.

Auf Anfrage begründet SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Haustein diesen Antrag so: „Da wir im letzten Stellenplan bereits beim Bürgermeister erheblich aufgestockt haben (...), haben wir dieses Jahr einer weiteren Aufstockung widersprochen.“ Die vorhandenen Kapazitäten müssten ausreichen, „Büro Bürgermeister, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation sowie persönlicher Referent und Stabsstelle Pressesprecher sind gut besetzt.“ Der Bürgermeister könne das intern regeln, durch seine „Organisationshoheit“, „allerdings muss die Organisation dann besser ablaufen als beim ,Zentralen Sitzungsdienst‘“. Damit spielt Haustein wohl darauf an, dass zuletzt wegen eines Fehlers beim Sitzungsdienst eine Ausschuss-Sitzung verschoben werden musste.

CDU-Fraktionschefin Annette Droege-Middel schlug in ihrer Haushaltsrede im Rat in die gleiche Kerbe. Und unterstellte dem Bürgermeister, die Stelle würde nur ihm selbst zugute kommen: „Wem dient die Darstellung in den sozialen Medien?“, fragte sie, „Ein Schelm, der Schlechtes dabei denken könnte.“ Ihr Fazit: Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit sei gut genug aufgestellt.

„Wenig Aufwand? Stadt: Eine falsche Annahme“

Die Stadt hingegen würde die Kommunikation über die Sozialen Netzwerke gerne ausbauen. „Mit weiteren Kanälen beispielsweise könnten wir mehr (v.a. jüngere) Bürgerinnen und Bürger erreichen“, schreibt Pressesprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage. Momentan werde aber nur ein Minimum an redaktioneller Betreuung geleistet. Für alles weitere wären mehr Stellenanteile notwendig. Und weiter: „Die Wahrnehmung der Sozialen Medien als relativ niedrigschwelliges Informationsangebot im schnelllebigen Internet führt leicht zu der Annahme, über diese Kanäle könnten mit wenig Aufwand, gleichsam ,nebenbei‘ kommuniziert werden. Das ist nach Einschätzung der Stadtverwaltung eine falsche Annahme.“

So sieht es momentan aus, wenn die Stadt bei Facebook aktiv ist:

Die Stadt hat auch einen Twitter-Account, den sie aber derzeit nicht nutzt.

Obwohl manche rechtliche Unsicherheit besteht, hält auch der Städte- und Gemeindebund, eine Art Interessensvertretung für Kommunen, den Einsatz von Sozialen Medien für sinnvoll. „Man erreicht damit Zielgruppen, die man sonst gar nicht mehr erreichen würde, m/w/d, ganz unabhängig vom Bildungsstand“, sagt Pressesprecher Martin Lehrer. Die Kommunen führen deshalb eine „Multi-Kanal-Strategie“.

Die Politik in Dinslaken am Niederrhein (knapp 70.000 Einwohner) habe vergangenes Jahr beispielsweise eine halbe Planstelle für Social Media beschlossen. In Großstädten sei das eh gang und gäbe. Wolle man das richtig machen, sei das „nichts, was man mal so nebenher mache“, sagt Lehrer. Trotzdem gebe es Beispiele, wo das aus der Not geboren auch gut funktioniere.

16.000 von 1,8 Millionen Euro

Nach dem Ratsbeschluss am Donnerstag (14.) wird es auch in Lünen weiter ohne zusätzliche Drittel-Stelle funktionieren müssen. Der neue Stellenplan bedeutet laut Verwaltung zusätzliche Kosten von über 1,8 Millionen Euro. Die 0,3-Stelle für die Sozialen Medien hätte im Jahr 16.000 Euro gekostet.

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