Fahrradwege in Lünen: Ein ständiger Konflikt zwischen Fahrrädern und Autos

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Lünen schreibt über sich auf seiner Internetseite: „Die Stadt Lünen hat es sich auf die Fahnen geschrieben, besonders fahrradfreundlich zu sein“. Das scheint nicht an allen Straßen zu gelten.

Lünen

, 22.10.2020, 20:10 Uhr

Der Schwächere muss nachgeben. Dieses Motto gilt allzu oft, wenn Fahrradfahrer im Innenstadt-Verkehr unterwegs sind. Während es im Grünen zum Teil schön ausgebaute Fahrradwege gibt, ist die Innenstadt immer noch Herrschaftsgebiet der motorisierten Fortbewegung, auch in Lünen gibt es an vielen Stellen noch Nachholbedarf.

Wir haben vor einigen Tagen auf Facebook gefragt, welche Stellen den Fahrradfahrer in Lünen so richtig unter den Nägeln brennen. Wir haben viele ausführliche Kommentare und Mails erhalten, in denen unserer Leser bekannte und unbekannte Problemlagen angesprochen haben. Aus all diesen Zuschriften haben wir eine Karte der Hotspots erstellt, über die sich die Fahrradfahrer in Lünen ärgern. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir Hintergrundberichte zu all diesen Problemstellen veröffentlichen. Wieso gibt es an dieser Straße keinen Radweg? Wie ist die Beschilderung gemeint und was plant die Stadt für die nächsten Jahre? Wir wollen so auch der Stadt die Chance geben, ihre Planung zu erklären und Probleme zu erläutern, die sich ergeben, wenn man viele Interessen unter einen Hut bekommen muss.

Beim Fahrrad-Klimatest 2018 bekam die Stadt Lünen nur die Note 3,92. Die Befragten gaben auch an, dass sich die Situation für Fahrradfahrer im Vergleich zu 2016 nicht verändert hat. Am Fahrradklima-Test für 2020 können die Lüner über die Internetseite des Adfc übrigens noch bis zum 30.11. teilnehmen.

Wer auf der Internetseite der Stadt unter dem Reiter Rad- und Fußverkehr sucht, der findet ein Maßnahmenpaket aus dem Jahr 2015, das 2013 gestartet wurde. Das RAD+ hatte es sich zum Ziel gemacht, „ein ganzjährlich attraktives Radwegenetz für den Alltags- und den Freizeitverkehr zu

schaffen.“ Das ist jetzt fünf Jahre her.

Wenn man die Lüner fragt, dann hat sich für sie im Bereich des Fahrrad-Verkehres weniger getan als erhofft. Eine Nutzerin schreibt: „Auch Lünen hat wunderschöne Radwege abseits der Hauptverkehrsstraßen. Lediglich in den Innenstädten, also im Kerngebiet - das gilt auch z.B. für Dortmund - ist es bekanntermaßen immer drubbelig.“ Andere drücken in Kritik eindeutiger aus: „Leider ist es derzeit nicht möglich, sicher, mit wenig gefährlicheren und möglichst kreuzungsarmen Kilometern in die Stadt zu radeln.“

Die Münsterstraße

Die Münsterstraße gehört in Lünen zu den gefährlichsten Straßen für Fahrradfahrer. Im Unfall-Atlas des Statistischen Bundesamtes ist die Straße rot. Und gehört damit (nach dem Ampelprinzip) zu den Straßen auf denen sich besonders viele Unfälle ereignen.

Die Münsterstraße gehört in Lünen zu den gefährlichsten Straßen für Fahrradfahrer. Im Unfall-Atlas des Statistischen Bundesamtes ist die Straße rot. Und gehört damit (nach dem Ampelprinzip) zu den Straßen auf denen sich besonders viele Unfälle ereignen. © Nora Varga

Unseren Auftakt machen wollen wir mit einer Stelle, die immer wieder zur Sprache kommt: die Münsterstraße. Verschiedene Leute haben sie in unserer Befragung angesprochen: „Ich persönlich halte viele Straßen mit dem sog. Schutzstreifen wie z.B. neuerdings auf der Münsterstraße für Radfahrer für gefährlich. Ich mache ständig die Erfahrung, dass seitens der Autofahrer die Abstände nicht eingehalten werden.“ Der neue Schutzstreifen war in vielen Zuschriften Thema.

Die Stadt hat an der Münsterstraße den Fahrrad-Schutz-Streifen aufgebracht. Was viele nicht wüssten, die Nutzung des Streifens in freiwillig, so erklärt es der Technische Beigeordnete der Stadt Lünen, Arnold Reeker: „Der Schutz-Streifen ist ein zusätzliches Angebot.“ Der Streifen sei vor allem für Fahrradfahrer eine Hilfe, die sich schnell ins Stadtinnere begeben wollen.

Immer muss man abwägen

An der Münsterstraße steht nur begrenzter Raum zur Verfügung, erläutert Arnold Reeker. „Es ist eine Hauptverkehrsstraße und zusätzlich gibt es die Platanen“. Umbaumaßnahmen müssten gut überlegt sein. Ein Vorschlag, auch aus den Reihen unserer Leser ist es, die Parallelstraße „Kirchhof Straße“ zu einer Fahrradstraße zu machen. Viele vergäßen dabei das Kommunale-Abgaben-Gesetz. Es verpflichtet die Stadt dazu, die Anwohner einer Straße an den Kosten zu beteiligen, bei einer Fahrradstraße sind das immerhin 50 Prozent. Zusätzlich würden Parkplätze wegfallen, für die Anwohner ist das dann besonders schwierig nachzuvollziehen, so Reeker: „Die Leute müssen die Straße bezahlen und wir nehmen ihnen dann noch die Parkplätze weg.“ Das Thema Verkehr sei in Lünen, wie überall, von einer permanenten Abwägung der Interessen geprägt.

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