Falsches Ticket: Neunjährige durfte nicht in den Bus

Fragen und Antworten

„Fun Ticket“, heißt die Fahrkarte, die die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) seit vielen Jahren ihren jungen Fahrgästen anbietet – allerdings zu besonderen Bedingungen. Fun steht eigentlich für Spaß. Doch nicht immer ist es spaßig, das Ticket zu benutzen. So wie vor wenigen Tagen für ein neunjähriges Mädchen in Lünen.

LÜNEN

, 09.03.2017 / Lesedauer: 3 min
Falsches Ticket: Neunjährige durfte nicht in den Bus

An der Haltstelle Lindenplatz wollte die Neunjährige in den Bus steigen.

Was ist überhaupt ein Fun Ticket?

Das Ticket darf erst nach 14 Uhr genutzt werden. Es darf ausdrücklich nicht für Fahrten zur Schule oder zur Ausbildung genutzt werden, sondern ist für die Freizeit gedacht.

 

Was ist dem Mädchen passiert?

Für die dunkle und kalte Jahreszeit hat die Familie für die Neunjährige das Fun Ticket gekauft. Mit diesem Ticket wollte das Mädchen am 1. März um 16.01 Uhr an der Haltestelle Lindenplatz den Bus der Linie R11 nehmen, schreibt die Mutter. Und erklärt: „Meine Tochter wurde aufgefordert, den Bus wieder zu verlassen.“ 

Uwe Greif, Verkehrsleiter bei den Verkehrsbetrieben, bestätigt den Vorfall im Prinzip: Der Busfahrer habe das Mädchen, das mit seinem Tornister auf dem Rücken in den Bus gestiegen sei, darauf hingewiesen, dass ihr Fun Ticket nicht für den Schulweg gilt.

Daraufhin habe das Kind den Bus wohl verschreckt wieder verlassen. Die Freundin der Neunjährigen ebenfalls. Die Aufregung der Familie war daraufhin verständlicherweise groß.

Denn es war ja definitiv nach 14 Uhr. Aber da das Mädchen offenbar mit einem Ranzen unterwegs war, ging der Fahrer wohl von einem Schulweg aus.

 

Hätte der Fahrer das nicht anders regeln können, als die Kinder stehen zu lassen?

Die Rücksprache mit dem Fahrer habe ergeben, dass er das Mädchen lediglich auf die Tatsache habe hinweisen wollen, dass das Ticket für den Schulweg eigentlich nicht gültig ist, so der VKU-Verkehrsleiter. Man könne jetzt natürlich sagen, er hätte die Mädchen zurückholen müssen. Es sei einfach blöd gelaufen.

Er habe vollstes Verständnis für die Aufregung in der Familie. Aber die Fahrer seien angehalten, das im Blick zu haben. Die Familie indes fragt sich, wie der Fahrer es mit seinem Gewissen verantworten könne, die Mädchen stehen gelassen zu haben.

Sind die Regeln des Fun Tickets denn nicht bekannt?

Grundsätzlich kann das natürlich jeder nachlesen. Aber bei der VKU geht man davon aus, dass es manche übersehen oder auch ignorieren und sich bewusst für dieses Ticket entscheiden – aus Kostengründen.

 

Was kostet so ein Ticket?

Das Fun Ticket kostet im Abo 10,50 Euro, einzeln für einen Monat 13,10 Euro. Ein vergleichbares Schulmonatsticket kostet dagegen 43,70 Euro. Im Alltag nehmen Familien oft ihre Kinder morgens, wenn sie ohnehin mit dem Auto zur Arbeit unterwegs sind, mit. Der Rückweg mit dem Fun Ticket – auch nach 14 Uhr – führt dann zu den geschilderten Problemen.

 

Wie könnte eine sinnvolle Lösung aussehen?

Die hat man ad hoc bei den Verkehrsbetrieben nicht parat. Allerdings müsse man, wenn so etwas öfter passiere, sich Gedanken machen, sagt Uwe Greif. Aber so einfach sei eine Lösung nicht. Wenn das Ticket zum Beispiel erst ab 18 Uhr gelte, dann habe man zwar das Problem mit der Schule gelöst, aber habe ein neues, wenn das Handball- oder Fußballtraining schon um 17 Uhr beginne.

 

 

Unsere Redakteurin Britta Linnhoff kommentiert das Thema:

Kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem

Man stelle sich vor, man sitzt zuhause und wartet auf die neunjährige Tochter, die nicht zum gewohnten Zeitpunkt nach Hause kommt. Eine Horrorvorstellung. Der Busfahrer hat das Mädchen, sagt die VKU, nicht aus dem Bus geworfen. Aber seine Aussage hat das Mädchen verschreckt. Vielleicht hat er die Situation unglücklich angefasst.

Das aber ändert nichts am eigentlichen Problem: Ein Ticket, das ab 14 Uhr gilt, aber den Schulweg ausschließt, ist in Zeiten von Schulzeiten bis weit in den Nachmittag ein Widerspruch an sich. Der gehört zügig aufgelöst. Alles andere bedeutet ein Aussitzen zu Lasten der Kinder und auch der Fahrer. Das war kein bedauerlicher Einzelfall, sondern das ist ein handgemachtes, strukturelles Problem.

 

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