Fast 60 Prozent der Hausanschlüsse sind undicht

Dichtheitsprüfung

Entlastung für Bürger: Bei der vorgeschriebenen Dichtheitsprüfung der privaten Hausanschlüsse will der Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung (SAL) seinen Ermessensspielraum zugunsten der Bürger ausschöpfen.

LÜNEN

von Von Peter Fiedler

, 10.11.2011, 16:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit dieser Technik wird die Dichtheitsprüfung durchgeführt.

Mit dieser Technik wird die Dichtheitsprüfung durchgeführt.

SAL-Vorstand Claus Externbrink kündigte am Donnerstag eine Regelung an, die Bürger bei so genannten „mittlerem Schaden“ an den Hausanschlüssen entlasten soll. Bei diesem Schadensbild wolle man die Sanierung in die Verantwortung der Grundstückseigentümer legen, ohne dass die Behörde letztlich Zwang ausübe. Konkret will Externbrink das Konzept am 30. November in der Sitzung des SAL-Verwaltungsrates vorstellen.

Die Analyse der bislang gut 3500 in Lünen durchgeführten Dichtheitsprüfungen ergab laut Externbrink bei fast 60 Prozent die Diagnose „undicht“. Von den undichten Anschlüssen seien wiederum 64 Prozent in die Kategorie „mittlerer Schaden“ einzuordnen. Darunter seien zum Beispiel kleinere Risse oder leichter Wurzeleinwuchs zu verstehen. Externbrink sieht in diesen Fällen nicht unbedingt den Bedarf einer kurz- bis mittelfristigen Sanierung. Bei Bagatellschäden, die bisher 17 Prozent ausmachen, müssen Hausbesitzer ohnehin erstmal nichts unternehmen. Hier gilt die Regel, dass nach 20 Jahren erneut geprüft werden soll.

Knapp 19 Prozent aller Schäden aber sind laut SAL gravierend, etwa wenn Löcher klaffen, Grundwasser eindringt oder Ratten heimisch geworden sind. „Diese Missstände müssen beseitigt werden, das ist meine feste Überzeugung“, so Externbrink. Vom Aussetzen der gesetzlich vorgeschriebenen Dichtheitsprüfung, wie es die FDP im Landtag fordert, hält Externbrink allerdings nichts – eben weil diese 400 bis 600 Euro teure Prüfung ein differenziertes Schadensbild ermögliche. Im Wirtschaftsausschuss des Landtages fand der FDP-Antrag überraschend eine Mehrheit – mit Unterstützung der CDU. Der Umweltausschuss vertagte das Thema, der Bauausschuss auch. Es gebe noch Klärungsbedarf im Detail im Sinne betroffener Bürger, sagte Lünens Landtagsabgeordneter Rainer Schmeltzer (SPD). Dass die Dichtheitsprüfung kippt, davon geht er nicht aus.

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