Der Felsen auf der Europalette hatte den Mercedes mit dem spanischen Kennzeichen auf dem Parkplatz von Gefromm blockiert. © Beate Rottgardt
Teure Reparatur

„Felsbrocken-Oldtimer“: Besitzerin aus Spanien verteidigt Kfz-Werkstatt

Der Felsbrocken auf der Palette ist weg - der Oldtimer steht wieder bei der Kfz-Werkstatt. Nun melden sich die Besitzerin des Autos aus Spanien und der Inhaber der Werkstatt zu Wort.

So viele Anrufe und Whats-App-Nachrichten aus der alten Heimat hatte eine Lünerin, die vor 25 Jahren nach Spanien ausgewandert ist, schon lange nicht mehr bekommen. Schuld daran ist ihr fast 30 Jahre alter Mercedes, der auf einem Parkplatz an der Bebelstraße mit einem Felsbrocken „festgesetzt“ wurde.

Wegen des Autos gibt es Missverständnisse zwischen den Enkeln der Lünerin, die ihren Namen hier nicht lesen möchte, und der Werkstatt „Kfz Deniz“ in Lünen-Süd. Als ihr Mercedes-Oldtimer vor knapp zwei Jahren liegen blieb, beauftragte sie die Werkstatt „Kfz Deniz“, sich darum zu kümmern. „Wir vertrauen dem Besitzer Varol Dedeagili, er ist wie ein Sohn für uns“, sagte die Lünerin unserer Redaktion am Telefon. Dass ihr liegen gebliebenes Fahrzeug nun für so viel Aufregung sorgt, habe sie nicht gewollt.

Weil die Werkstatt den Mercedes eine ganze Weile auf dem Parkplatz von Gefromm an der Bebelstraße abgestellt hatte, platzierte Jochen Gefromm eine Europalette mit Felsbrocken hinter dem Auto. Das Foto landete in den sozialen Medien. Dedeagili hatte gedacht, er könne den Oldtimer problemlos auf dem Parkplatz von Gefromm abstellen. „Ich bin der Mieter der benachbarten Tankstelle an der Bebelstraße und hatte mit Gefromm abgesprochen, dass ich ab und zu Autos mal auf dem Firmenparkplatz dort abstellen kann“, so Dedeagili auf Nachfrage.

Doch diesmal war das Abstellen wohl nicht richtig abgesprochen und dauerte zu lange. Deshalb forderte Jochen Gefromm durch seine Aktion mit dem Felsbrocken dazu auf, sich doch mal bei ihm zu melden. Der Felsbrocken ist inzwischen weg und auch das Auto steht wieder auf dem Gelände von „Kfz Deniz“.

Dass das Auto noch nicht repariert ist, hat seinen Grund. Da es sich um einen fast 30 Jahre alten Pkw handelt, gab es Probleme, die benötigten Ersatzteile zu bekommen. „Die müssen sogar extra angefertigt werden, das kostet ein paar tausend Euro“, so die Autobesitzerin. Deshalb hatte Dedeagili um Vorkasse gebeten, wofür die Besitzer vollstes Verständnis haben: „Wir wollen das erledigen, wenn wir wieder nach Deutschland kommen.“ Allerdings ist noch nicht klar, wann das sein wird. Denn ihr Mann muss nach einer schweren Krankheit erst wieder reisefähig sein, um die 2000 Kilometer weite Reise gut zu überstehen.

Mittlerweile hat sich auch die Enkelin der Besitzer zu dem Fall geäußert. Der Mercedes solle im Besitz der Familie bleiben. Jacqueline Ebers´ Zwillingsbruder möchte das Auto vom Opa übernehmen. „Wir hätten es längst abgeholt, aber die Batterie ist leer und wir können das Auto nicht starten“, so die Lünerin.

Kabelbaum ist defekt

Bei dem Mercedes sei der Kabelbaum defekt, so Dedeagili. Es würde schon ein paar tausend Euro kosten, den Oldtimer wieder flott zu bekommen. Nach den Äußerungen der Enkel sei er entschlossen, dem Enkelsohn der Besitzer das Auto vor die Haustür zu stellen – per Abschleppwagen. „Ansonsten könnte ich Standgebühren verlangen, denn der Oldtimer steht schon seit fast zwei Jahren bei mir.“ Er habe schon Ärger mit dem Ordnungsamt gehabt, als er das Fahrzeug am Straßenrand abgestellt hatte.

Standgebühren oder nicht?

Dass sie Standgebühren bezahlen sollen, sieht Jacqueline Ebers nicht: „Es wäre ja gar nicht nötig gewesen, den Wagen so lange auf dem Gelände oder jetzt auf dem Parkplatz von Gefromm abzustellen, wenn er repariert worden wäre.“

Die Spanien-Auswanderin aus Lünen sieht die Sache so: „Wahrscheinlich kommt das Auto jetzt in eine Bastelgarage für Oldtimer.“ Dedeagili habe ihr schon beim letzten Besuch einen anderen Wagen verkauft, damit sie zurück nach Spanien fahren konnten. Dieses Auto soll Dedeagili nun für sie verkaufen. Und sie will bei ihm ein gebrauchtes Auto mit Automatik-Getriebe kaufen. Erstmal solle aber wieder Ruhe einkehren – vor allem in der Familie.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt