Fenstersturz-Prozess: Lüner zu acht Jahren verurteilt

Versuchte schwere Vergewaltigung

Im Fenstersturz-Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus Lünen-Alstedde hat es am Montag ein Urteil gegeben: Dem Angeklagte konnte zwar nicht nachgewiesen werden, dass er er eine 23-Jährige aus dem Fenster geschubst hatte. Allerdings wurde er wegen versuchter schwerer Vergewaltigung verurteilt.

LÜNEN/DORTMUND

07.12.2015 / Lesedauer: 3 min

Die Richter des Dortmunder Schwurgerichts ordneten außerdem an, dass der Angeklagte einen Teil der Strafe in einer geschlossenen Entziehungsklinik verbringen muss. Im Laufe der Verhandlung hatte sich immer deutlicher herausgestellt, dass der 35-Jährige ein schweres Alkohol- und Drogenproblem hat. Auch vor der Tat vom April 2014 hatte er zusammen mit dem späteren Opfer massenhaft illegale Rauschgifte eingenommen.

Frau war acht Meter in die Tiefe gestürzt

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den Lüner sogar wegen versuchten Mordes angeklagt. Dieser Vorwurf ließ sich im Prozess jedoch nicht erhärten. Am Ende mussten die Richter offen lassen, wie es dazu kam, dass die 23-jährige Frau in jener Nacht aus dem Fenster der Dachgeschosswohnung ins Freie gelangte und acht Meter in die Tiefe stürzte.

Die Zeugin hatte in ihrer Aussage erneut bekräftigt, der Mann habe von hinten ihre Beine ergriffen und sie dann aus dem Fenster gestoßen. Damit habe er wohl verhindern wollen, dass sie ihn wegen des vorangegangenen Vergewaltigungs-Versuchs anzeigen würde. Ob das jedoch stimmt, oder ob die Frau vielleicht von sich aus sprang oder schlichtweg das Gleichgewicht verlor, konnte nicht sicher geklärt werden.

Zufallsbekanntschaft endete tragisch

Tatsache ist, dass die 23-Jährige unmittelbar nach ihrem Aufprall auf dem Pflaster gegenüber einer Ersthelferin nichts von einem Schubsen erzählt hat. Diese Version kam erst später bei ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei ins Spiel.

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Das Opfer war erst am Abend vor der Tat aus Berlin ins Ruhrgebiet gekommen. Hier lernte die junge Frau über einen Bekannten den Mann aus Alstedde kennen, der mit ihr erst durch Dortmunds Diskotheken zog und ihr anschließend anbot, bei ihr zu übernachten.

Mit Messer bedroht - Richter glaubten dem Opfer

In der Wohnung soll er dann aber urplötzlich mit einem Messer über die Frau hergefallen sein. Die Zeugin hatte am ersten Verhandlungstag davon berichtet, wie sie in Todesangst zunächst sogar so getan habe, als würde sie auf das Ansinnen des Mannes eingehen. Später sei die Situation dann aber doch eskaliert. Diesen Teil der Aussage stuften die Richter als glaubhaft ein.

Bei dem Sturz hatte sich die Frau mehrere Rippenbrüche zugezogen. Lebensgefährliche Verletzungen erlitt sie wie durch ein Wunder nicht.

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