FH Dortmund kommt nicht nach Lünen - was wird aus der Uni-Bude?

rnWohnprojekt im Stadtteil

Die FH Dortmund wird keinen Forschungszweig in Lünen ansiedeln. Stattdessen laufen nun Gespräche mit anderen Instituten. Dabei rückt auch ein Lüner Stadtteil besonders in den Fokus.

Brambauer

, 02.03.2019, 07:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es klang vielversprechend: Die Fachhochschule Dortmund wollte gemeinsam mit einer privaten Hochschule einen Forschungszweig in Lünen gründen. Unterstützt von der lokalen Wirtschaft sollte eine „hybride Hochschule“ entstehen, in der Forschung und praxisnahe Ausbildung Hand in Hand laufen. Das IT-Unternehmen Itemis wollte das Projekt sogar mit einer Stiftungsprofessur unterstützen, von bis zu 1000 Studierenden war die Rede.

Doch aus diesen Plänen wird nun erst einmal nichts: Die FH Dortmund hat sich zurückgezogen. „Wir stehen dafür nicht zur Verfügung“, teilte Pressesprecherin Heike Mertins auf Anfrage kurz und bündig mit. Doch die Idee von einem Hochschulstandort Lünen soll damit nicht beerdigt werden - im Gegenteil: Laut Wirtschaftsförderer Eric Swehla laufen Gespräche mit „verschiedenen möglichen Partnern, um Forschung und Lehre am Standort Lünen zu etablieren“.

Drei mögliche Standorte

Dabei rückt neben dem Standort des ehemaligen Schlachthofes auch das Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung in Selm, das zu weiten Teilen auf Lüner Gebiet liegt, in den Fokus. Und auch der Stadtteil Brambauer spielt in den Überlegungen eine Rolle: „Brambauer wäre mit Lüntec, der Nähe zum Lippewerk und den Gewerbegebieten sowie dem Anschluss an die S-Bahn nach Dortmund für verschiedene Fakultäten sicher sehr geeignet“, glaubt Swehla.

Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Schon 2017 hatte Michael Ristovitch, Vorsitzender der Gemeinschaft Brami, das Projekt „Unibude“ vorgestellt, mit dem Studenten der Dortmunder Hochschulen günstige Alternativen zum teuren Wohnraum in der Nachbarstadt geboten werden sollten. Die Fahrzeit zu den Hochschulgebäuden läge zwischen 19 und 55 Minuten - je nachdem, ob mit Auto, U-Bahn oder Fahrrad - und auch sonst würde Brambauer alles bieten, was zum Leben notwendig sei.

Jusos: „Raus aus dem Teufelskreis“

Zuletzt zeigten sich auch die Jungsozialisten (Jusos) Lünen von dem Projekt angetan - sie hatten sich Mitte Februar mit Ristovitch getroffen und sprechen nun von einer „Win-Win-Situation“, wie Vorsitzende Nina Kotissek in einer Mitteilung schreibt: „Die Studierenden gewinnen günstigen Wohnraum und die Stadt Lünen gewinnt neue junge Einwohnerinnen und Einwohner.“

FH Dortmund kommt nicht nach Lünen - was wird aus der Uni-Bude?

Michael Ristovitch (M.) erläuterte den Jusos das Projekt „Unibude“. © Jusos Lünen

Letzteres wäre die Chance, aus einem Teufelskreis auszubrechen, in dem sich die Lippestadt seit Jahren befinde: „Weniger Schulen und Kitas, weniger Einzelhandelsgeschäfte und weniger Ärzte werden gebraucht - also werden die Wege weiter, die Attraktivität sinkt und die Abwanderung aus Lünen nimmt zu.“

Allerdings gibt es da ein gravierendes Problem: Es fehlen schlichtweg die Wohnungen. Schon 2017 waren der Bauverein Lünen, die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und das Unternehmen Vivawest mit im Boot. Zusammen kamen sie auf fast 4000 Wohnungen in Brambauer, von denen allerdings kaum eine leer stand. Sobald etwas frei würde, wolle man den Fall prüfen und die Wohnung dann direkt auf die (mittlerweile abgeschaltete) Website www.unibude.de stellen.

FH Dortmund kommt nicht nach Lünen - was wird aus der Uni-Bude?

So sah die Seite www.unibude.de im Jahr 2017 aus - mittlerweile ist sie abgeschaltet. © Screenshot: Fröhling

Passiert ist seitdem nichts - sehr zum Ärger von Michael Ristovitch. „Die Wohnungsgesellschaften sind einfach faul“, geht er mit seinen Partnern hart ins Gericht. Seiner Meinung nach hätte das Projekt bereits funktionieren können, doch zu oft gebe man sich mit dem Status quo zufrieden.

Ergebnis wichtiger als Geschwindigkeit

Umso wichtiger also, dass tatsächlich Studenten nach Brambauer kommen - womöglich im Gepäck eines neuen Instituts. Genau das will Eric Swehla durchsetzen, tritt aber auf die Bremse: „Wir bitten zu bedenken, dass die Ansiedlung von Forschung und Lehre seit Jahrzehnten Ziel der Stadt ist und das es hier bisher leider nicht zu einer Umsetzung an sich sehr gut geplanter Projekte gab“, so der Chef der Wirtschaftsförderung. „Dementsprechend steht für uns das Ergebnis und nicht die Geschwindigkeit im Vordergrund.“

Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Swehla in einem fundierten Konzept, das inhaltlich, infrastrukturell und kaufmännisch als Basis für alle Partner dient. „Daran arbeiten wir mit der IHK, mit Unternehmen, mit Ministerien und auch mit verschiedenen Partnern aus der Wissenschaft.“ Auch das Projekt Unibude könnte dabei eine Rolle spielen: „Das wäre das eine sehr hilfreiche Initiative, um Studieninteressierte nach Lünen zu holen oder hier zu halten.“

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