Fiese Engerlinge fressen Wurzeln ab: Gartenbesitzer stöhnt über braunen Rasen

rnKampf gegen Schädlinge

Sie sind klein und unersättlich: Engerlinge fressen Wurzeln von Rasen und Sträuchern ab. Sie tauchen in Gärten und städtischen Beeten auf. In Reinhold Röttgers Garten ist der Rasen braun.

Lünen

, 16.08.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

30 Jahre lang hatte Reinhold Röttger einen tollen Rasen. Seit sich Engerlinge dort breitgemacht haben, sind die 1000 Quadratmeter nur noch braunes Brachland. Die gefräßigen Käferlarven haben die Wurzeln abgefressen. „Die sitzen bis zu einem halben Meter tief unter der Erde“, hat der Brambaueraner festgestellt.

Inzwischen hat er 1500 Engerlinge ausgegraben. Ein Foto zeigt weißliche Larven mit sechs Beinen und einem Kopf wie ein Maikäfer.

Es gibt eine Spezies, die sich gerne darüber hermacht: Vögel freuen sich über die eiweißreiche Kost. Reinhold Röttger allerdings ist sauer. Erst kam der Zünsler und hat seine Buchsbäume ruiniert, jetzt sind die Engerlinge da.

Als kürzlich eine Hortensie schlappmachte, griff Röttger wieder zum Spaten: Tatsächlich entdeckte er 19 Engerlinge an den Wurzeln. Auch vor einer Geranie auf der Terrasse machten die Engerlinge nicht halt. „Sie war von unten einfach abgefressen.“

Fiese Engerlinge fressen Wurzeln ab: Gartenbesitzer stöhnt über braunen Rasen

Sechs Beine und einen Kopf wie ein Maikäfer: Engerlinge richten im Garten von Reinhold Röttger und in städtischen Beeten Schäden an. © Röttger

Die Stadt kennt das Problem mit Engerlingen. Von einer Plage will Stadtsprecher Benedikt Spangardt zwar nicht sprechen, aber es gäbe Stellen mit verstärkt auftretenden Käferlarven. Ein Beispiel seien die Rosen an der Cappenberger Straße. Auch Gehölze seien betroffen.

Engerlinge sind die Larven verschiedener Käfer, darunter Mai-, Rosen-, Nashorn- und Brachkäfer. Engerling bedeutet „kleiner Wurm“ oder auch „Made“. Sie ernähren sich von zersetzenden Pflanzen, aber auch von Wurzeln.

Manche sind nützlich, andere schädlich, wie beispielsweise die der Maikäfer. Die Tiere überleben mehrere Jahre im Boden, bevor sie sich verpuppen und als Maikäfer davonfliegen. Auch das hat Reinhold Röttger beobachtet.

Er berichtet von einem Nachbarn, dessen Rasen ebenfalls von Engerlingen ruiniert sei. Aus Verzweiflung habe er dort Kartoffeln gesetzt.

Stadt setzt Fadenwürmer als natürliche Feinde ein

Die Stadt wartet bei Gehölzen und Rasen die natürlichen Zyklen des Maikäfers ab. Seien Schmuckpflanzen befallen, kämen als biologisches Mittel Nematoden zum Einsatz. Das sind kleine Fadenwürmer und natürliche Feinde der Engerlinge. „Etwa alle sieben Jahre gibt es zwar einen größeren Befall, aber die Natur regelt das über die Zeit“, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Nematoden seien grundsätzlich auch für Privatgärten geeignet und über den Fachversand im Internet erhältlich.

Tierarzt: Für Hunde und Katzen nicht gefährlich

Nematoden sei ein Überbegriff. Die gegen Engerlinge eingesetzte Art sei sehr spezifisch. Sie habe nichts mit den für Hunde und Katzen gefährlichen Würmern zu tun, erklärt Tierarzt Dr. Michael Coers auf Anfrage.

Die Stadt sagt: Einige Engerlinge zerstören noch keinen Garten. Sie rät, erstmal abzuwarten. Reinhold Röttger hilft das nicht. Sein Rasen ist schon weg.

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