Film über Lüner Juden: "Viele Aha-Erlebnisse"

Auftakt zum Filmfest

Es ist ein Film mit lokalem Bezug und einem ernsten Thema: Die Doku „Die Kinder der Turnstunde“, die den Auftakt beim Lüner Kinofest bildet, erzählt die Geschichte der Juden in Lünen. Warum der Film so wichtig ist und warum das Premierendatum so besonders sind, haben uns Michael Kupczyk und die Initiatoren Jochen Otto und Wolfram Kuschke erzählt.

LÜNEN

, 04.11.2016, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Film über Lüner Juden: "Viele Aha-Erlebnisse"

Michael Kupczyk ist freiberuflicher Filmemacher.

Das Interesse am Film ist groß. Wird es nach der Premiere noch weitere Vorstellungen geben? Kupczyk: Ich würde mich über weitere Termine zeitnah zur Premiere sehr freuen. Wir werden das klären.Otto: Wir haben auch vor, interessierten Schulen die Möglichkeit zu geben, vielleicht im Januar Vormittagsvorstellungen des Films zu besuchen.

Welche besonderen Gäste erwarten Sie zur Premiere? Kupczyk: Die Tochter von Lore Gottlieb mit ihrem Mann aus Israel und der Neffe von Herbert Haberbeck mit seiner Frau. Die beiden ehemaligen Lüner waren meine Gesprächspartner für den Film. Dass Tochter und Neffe kommen, freut uns sehr.Kuschke: Auch die Schwiegertochter von Hans-Werner Harzer hat zugesagt.

Wie wichtig ist dieser Film für die Geschichte Lünens? Kuschke: Ich denke, wir müssen uns im Klaren sein, dass die letzten Zeitzeugen bald nicht mehr da sind. Deshalb hat der Film auch überregionale Bedeutung und ich finde, dass Film das richtige Medium für diese Geschichtsbewältigung ist.

Das Premieren-Datum ist etwas Besonderes... Kupczyk: Wir wollten die Premiere anbinden an die Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht. Und es passt auch genau zum Auftakt des Kinofestes.Otto:  Zu Beginn werden Kinofestleiter Mike Wiedemann und Michael Kupczyk die Gäste begrüßen. Nach dem Film übernimmt dann Wolfram Kuschke die Moderation, dann gibt es sicher viele Fragen.

Wird es den Film auch als DVD geben? Otto: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe stellt sie gerade fertig. Wir wollen sie erstmals zur Premiere anbieten.

Was war für Sie als Regisseur das Besondere an diesem Projekt? Kupczyk: Anfangs hätte ich nicht geahnt, was an Art und Umfang auf mich zukommt. Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema hatte ich viele Aha-Erlebnisse. Wie die Erkenntnis, dass nahezu ein Drittel der Lüner jüdischen Glaubens in der Nazizeit ums Leben gekommen sind. Etwa 75 von ihnen sind im Konzentrationslager umgekommen. Für mich ist eine wichtige Erkenntnis, dass es damals ja deutsche Bürger mit einer anderen Religion waren, die verfolgt wurden. Ein Thema, das heute ja auch wieder eine Rolle spielt. Bei meinen Recherchen habe ich auch erfahren, dass es heute wieder Lüner Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Unna und Dortmund gibt.

Was ist aus Ihrer Sicht gerade an diesem Film, der einzelne Schicksale erzählt, so wichtig? Otto: Die ungeheuren Zahlen der vielen Opfer der Nazis und des Krieges sind abstrakt, gerade für junge Menschen. Aber wenn man Personen zeigen kann, bekommt alles ein Gesicht, ein Schicksal, das bleibt hängen, auch im Unterricht. So eine Emotionalität kann Schüler besser erreichen.

Wieder Karten:
Für die Premiere von "Die Kinder der Turnstunde" am Mittwoch, 9. November, um 19.30 Uhr in der Cineworld, Im Hagen 3, gibt es jetzt wieder Karten im Vorverkauf. Auch an den anschließenden Gesprächen können alle Besucher teilnehmen. 

 

 

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