Die Kraniche ziehen in den Süden und sind derzeit verstärkt am Himmel zu sehen - auch in Lünen. © Günther Goldstein
Natur in Lünen

Flucht in die Wärme: Kraniche werden über Lünen gesichtet

Wenn es kälter wird, ziehen die Kraniche in den Süden - und passieren dabei auch den Lüner Luftraum. Dafür finden sie sich in Schwärmen zusammen. Aber nicht alle zieht es in den Süden.

Wenn man derzeit in Lünen und den angrenzenden Orten den Kopf in den Nacken legt, kann man sie mit etwas Glück entdecken: Tausende von Kranichen, die sich in großen Schwärmen momentan auf den Weg in den wärmeren Süden machen. Dabei legen sie große Strecken zurück und fliegen oft einen ganzen Tag am Stück.

Große Population

Uwe Norra hat die Kraniche ebenfalls beobachtet. „Dadurch, dass sie geschützt werden, haben sie sich stark vermehrt“, sagt der Selmer Vogelexperte. Im Westen werden vor allem Spanien und Marokko angesteuert, im Osten unter anderem die Türkei und Israel. „In Israel gibt es starke Populationen“, beschreibt Norra. Nach Marokko fliegen aber nicht mehr so viele, da es sehr weit ist.

Im Schwarm kommen viele Tiere zusammen.
Im Schwarm kommen viele Tiere zusammen. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Viele andere Vogelarten sind bereits in den Süden geflogen, etwa die Schwalbe, wie Falko Prünte, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station der Umweltstation des Kreises Unna, erklärt. „Die Mauersegler ebenso.“ Hier bleiben nur noch die, „die dem Winter ins Auge blicken können“, so der Experte mit einem Schmunzeln.

Eigene „Rastplätze“

Auf ihrem langen Weg in die wärmeren Gebiete nutzen die Kranichschwärme verschiedene Rastplätze. Diese sind meist einen Tagesflug voneinander entfernt. Einer liegt in der Nähe von Osnabrück in der Diepholzer Moorniederung, ein anderer bei Paris. „Da ernähren sie sich vor allem von Mais, der liegengeblieben ist“, erklärt Norra über den Rastplatz bei Osnabrück. Auf anderen werden Eicheln gefressen. Durch den Naturschutz wird darauf Rücksicht genommen. So kommen sie zum Beispiel aus Nordostdeutschland bis nach Spanien.

Auf den Rastplätzen treffen sich locker 40.000 Kraniche. „Sie verbringen die Nacht gerne im seichten Moorgewässer, weil der Fuchs sie da nicht erwischen kann“, erklärt Prünte.

Es geht in den warmen Süden.
Es geht in den warmen Süden. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Oft sind mehrere zehntausend Vögel gleichzeitig unterwegs. „Ende Oktober, Anfang November erreicht das meist das Maximum“, beschreibt Norra. Lünen und Selm liegen auf der Zugroute der Tiere, wie Prünte erklärt. „In Bayern oder Schleswig-Holstein sieht man sie eher selten.“ Ab und zu gehen sie auch im Kreis runter. Dann kann man sie auch hier beobachten. „Aber bitte nur aus der Entfernung, um sie nicht zu stören“, rät Prünte.

Einige Kraniche bleiben hier

Früher waren die Kraniche strenge Zugvögel, die es in wärmere Bereiche gezogen hat. Mittlerweile versuchen aber durch die wärmeren Winter immer mehr Vögel hierzubleiben. „Wer Energie spart, hat später bei der Fortpflanzung mehr Ressourcen“, erklärt Norra schmunzelnd. „Wenn aber noch eine große Kältewelle kommt, fliegen sie doch noch in den Süden.“ Da im Februar bereits die ersten Kraniche zurückkommen, kann es durchaus sein, dass sich Zugvögel und Nachzügler im Flug begegnen.

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Seit über zehn Jahren als freier Journalist tätig und seit einigen Jahren auch für die Ruhr Nachrichten. Ich schreibe gerne über Menschen und ihre Geschichten.
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Tobias Weskamp