Flüchtling beschreibt: So leben wir in Alstedde

Diskussion über Sicherheit

Konflikte zwischen Flüchtlingen, Gewalt und Einsätze der Polizei - das hat es zuletzt im Lüner Stadtteil Alstedde gegeben. Wie konnte es dazu kommen? Wir haben mit Polizei, engagierten Bürgern und Nachbarn gesprochen. Und mit einem Flüchtling, der selbst viele Monate an der Alstedder Straße gelebt hat.

LÜNEN

, 09.07.2015, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Flüchtling beschreibt: So leben wir in Alstedde

Die Unterkunft an der Alstedder Straße kam es in den vergangenen Wochen zu Auseinandersetzungen.

Das sagt der Flüchtling selbst

Daniel* aus Afrika hat fast ein Jahr in der Unterkunft in Alstedde verbracht. Bis zu fünf Männer wohnen dort auf einem Zimmer, das gerade mal Platz für die Betten, einen Tisch und einen Stuhl biete. Normalität für die Flüchtlinge. In dem Container-Gebäude gibt es für momentan 74 Bewohner, auf zwei Etagen verteilt. Sie teilen sich acht Toiletten, acht Duschen und zwei Küchen.

"Wir durften nicht arbeiten und verbrachten die meiste Zeit zusammen in unserem Raum. Da kam schnell Langeweile und Frust auf", berichtet Daniel auf Englisch.

Streit zwischen den Bewohner habe es daher auch öfters gegeben. Ein Thema mit Konfliktpotenzial sei der Putzplan gewesen, an den sich viele Bewohner nicht gehalten hätten. Sicher habe er sich dort nie gefühlt.

Mitte Juli zieht er aus einer anderen Gemeinschaftsunterkunft in Lünen in eine Wohnung, die er ganz für sich alleine hat. Darauf freut er sich: "Da kann ich dann endlich machen, was ich will!" 

Das sagt der Arbeitskreis Flüchtlinge

"Man sollte das Ganze mit weniger Aufregung betrachten. Vorurteile sollten nicht geschürt werden. Wo so viele Menschen zusammenkommen gibt es natürlich auch Konflikte", sagt Willi Engelbertz vom Arbeitskreis Flüchtlinge Lünen. Dass es häufiger zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Alstedder Unterkunft komme, sei ihm nicht bekannt. Daher halte er den Einsatz eines Sicherheitsdienstes auch nicht für notwendig. 

Dort herrsche eine psychisch belastete Atmosphäre, in der sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen arrangieren müssen, so Engelbertz. "Es ist bemerkenswert, dass die Menschen dort so lange ohne große Konflikte auskommen. Denn es ist nun wirklich alles andere als eine günstige Unterkunftsmöglichkeit."Psychisch belastete Atmosphäre

Das sagt die Polizei

Die Flüchtlingsunterkunft an der Alstedder Straße hatte in den vergangenen Wochen für Gesprächsstoff gesorgt. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern der Einrichtung mussten durch die Polizei unterbunden werden. 

Die Ermittlungen im Fall Ende Juni sind abgeschlossen. Die Zuständigkeit liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft, teilte die Pressestelle der Polizei Dortmund auf Anfrage der Redaktion mit. Bewohner fühlten sich von einem Mitbewohner bedroht und riefen die Polizei.  Im zweiten Vorfall vom Montag, 6. Juli, dauern die Ermittlungen noch an, so eine Polizei-Sprecherin. Bei einem Streit zwischen Bewohnern, bei dem auch ein Messer zum Einsatz kam, sind zwei Bewohner verletzt worden.

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Das sagt die Kita von nebenan

Auf das Kinderhaus Lünen in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingsunterkunft haben die aktuellen Vorfälle keine Auswirkungen, so Frank Chromik, Vorstand des Kinderhauses. Wenn es tatsächlich Ängste oder Vorbehalte geben würde, wäre dies auf einem der vielen Elternabende zur Sprache gekommen, so Chromik.

"Seit Jahren hat hier niemand Angst und wir fühlen uns auch aktuell nicht bedroht oder unwohl. Während unserer Waldwoche im Juni sind wir mit allen Kindern täglich an den Unterkünften vorbei gezogen und sind dort immer lieb und winkend begrüßt worden."

*: Name von der Redaktion geändert

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