Der i.Wet-Kanal hinter den beiden Häusern, die an der Preußenstraße gebaut werden, ist schon fertig. Nur die Pflanzen fehlen noch. © Beate Rottgardt
Projekt gestartet

Forschung: Lüner Bauverein setzt auf doppelte Nutzung des Duschwassers

Wasser ist ein kostbares Gut. In einem ihrer aktuellen Bauprojekte setzt der Lüner Bauverein deshalb auf ein Forschungsprojekt, bei dem es um die doppelte Nutzung von Wasser geht.

Wer denkt schon beim Duschen daran, wo das mit Duschgel und Shampoo gemischte Wasser landet? In einem der neuen Wohnhäuser des Bauvereins an der Preußenstraße werden die Bewohner ihr Duschwasser noch einmal nutzen. Das aufbereitete Grauwasser aus den Duschen wird für die Toilettenspülung genutzt.

Die beiden Häuser 3 und 4, die gerade gebaut werden, gehören zu dem Forschungsprojekt.
Die beiden Häuser 3 und 4, die gerade gebaut werden, gehören zu dem Forschungsprojekt. © Beate Rottgardt © Beate Rottgardt

Möglich macht das ein Forschungsprojekt, das der Bauverein zu Lünen finanziert. Dabei arbeitet das Wohnungsbau-Unternehmen mit dem Fraunhofer Institut und den Stadtwerken Lünen zusammen. Eine Förderung gibt es nur für die Fachplanung, alle anderen Kosten trägt der Bauverein.

Das doppelt genutzte Wasser ist durch die Reinigung so sauber, dass man eigentlich sogar die Wäsche damit waschen könnte. „Aber das machen wir erstmal nicht, weil es wahrscheinlich doch Bedenken der Mieter geben könnte“, so Carsten Unterberg, Vorstandsmitglied des Bauvereins.

Duschwasser landet erstmal nicht im Abwasserkanal

Dagegen kann das gesammelte und gereinigte Grauwasser gut für die Toilettenspülung genutzt werden und damit landet das Duschwasser nicht einfach im Abwasserkanal. Gereinigt wird das Wasser im sogenannten „i.Wet-Kanal“ hinter den Häusern Nr. 3 und 4 des Bauprojekts an der Preußenstraße. Dort wachsen spezielle Pflanzen, die das Wasser filtern.

Bei dem Forschungsprojekt wird regelmäßig gemessen, welche Rückstände noch in dem Wasser sind. Geprüft wird das Wasser, wenn es in den i.Wet-Kanal geht und wenn es wieder den Kanal verlässt. i.Wet steht übersetzt für „intelligentes Nass“. Den Kanal gibt es schon, die Pflanzen werden noch kommen.

Auf mehrere Jahre angelegt

Unterberg. „Das Forschungsprojekt ist auf mehrere Jahre angelegt, der i.Wet-Kanal soll bleiben.“ Und – wenn es erfolgreich läuft – könnte solch ein Kanal auch bei anderen neuen Bauprojekten zum Einsatz kommen. Der Plan, so Unterberg, sei, das Grauwasser so weit wie möglich zu nutzen. Der Bauverein denkt bei dem Forschungsprojekt auch an Starkregen-Ereignisse, bei denen oft Kanäle voll laufen und dann das Wasser daraus auch schmutzig wird.

Carsten Unterberg zeigt auf den Bereich, in dem der i-Wet-Kanal entstehen wird.
Carsten Unterberg zeigt auf den Bereich, in dem der i-Wet-Kanal entstehen wird. © Beate Rottgardt © Beate Rottgardt

Bei dem Bauprojekt an der Preußenstraße steht ein Vergleich im Mittelpunkt. Die beiden Häuser Nr. 3 und 4 sind baugleich, haben beide jeweils zehn Wohneinheiten und werden die gleiche Anzahl von Bewohnern haben. Unterberg: „Bei einem Haus wird das Grauwasser in den i.Wet-Kanal geleitet, bei dem anderen nicht. Damit können wir die Ergebnisse bestens vergleichen.“

Geplant ist zukünftig auch eine Wärmerückgewinnung aus Abwasser. „Das ist sicher ein sehr innovativer Gedanke. Aber es ist wichtig, zu überlegen, wie man mit den Ressourcen umgeht“, so das Bauvereins-Vorstandsmitglied. Wichtig sei dem genossenschaftlichen Bau-Unternehmen, ökologisch wertvolle Wohngebäude zu haben.

„Wir haben auch an vielen Häusern schon die Entsiegelung aufgehoben, so dass das Regenwasser wieder in den Boden kann“, so Vorstandsvorsitzender Andreas Zaremba. An Grundstücken an der Kreuzstraße und der Preußenstraße wurden zudem Speicher eingebaut, in denen das Regenwasser gespeichert und dann automatisch für die Bewässerung der Grünflächen, Hecken und Bäume genutzt wird. Wichtig sei, dass das Regenwasser so vor Ort bleibe und nicht ungenutzt wegfließe.

Bewässerung für Vogelschutzhecken

Auch an den neuen Häusern an der Preußenstraße sollen Bäume und Sträucher künftig Schatten bieten. Unterberg: „Geplant sind Vogelschutzhecken an den Garagen, damit die Bewohner beim Blick aus dem Fenster nicht auf die Garagen, sondern auf die Hecken schauen, also ins Grüne.“ Auch hierfür wird dann das Regenwasser aus den Speichern zur Bewässerung genutzt.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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