Franken-Kredit: Lünen droht erneut Millionenverlust

Mit Schweizer Währung spekuliert

In den Bilanzen der Stadt tickt eine finanzielle Zeitbombe: Zwei Kredite über fast 65 Millionen Schweizer Franken stehen in den Büchern. Die Stadt spielt auf Zeit und strebt eine Verlängerung an. Denn: Die Kredite abzulösen könnte einen großen Verlust bedeuten. Zum Vergleich: Bochum hatte so 48 Millionen Euro verloren.

LÜNEN

, 19.01.2017, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Januar läuft der größere der beiden Kredite – über 39,3 Millionen Schweizer Franken – aus. „Wir sind in Verhandlungen über eine Verlängerung und haben die Erwartungshaltung, dass wir von günstigen Zinsen profitieren“, erklärte Stadtkämmerer Uwe Quitter am Montag auf Anfrage. Der zweite Kredit – über 25,6 Millionen Schweizer Franken – läuft laut Quitter noch bis Juli 2018.

Beide Kredite waren schon einmal verlängert worden. Anfang 2015 jener über 39,3 Millionen für zwei Jahre, Mitte 2015 jener über 25,6 Millionen für drei Jahre.

Mit der Verlängerung verlagert die Stadt das Währungskursrisiko in die Zukunft. Denn die ursprünglich mit den Franken-Krediten verbundene Rechnung ging nicht auf. 2008 und 2011 waren sie abgeschlossen worden, weil die Zinssätze damals günstiger waren als für Eurokredite.

65 Millionen Schweizer Franken entsprachen zu dem Zeitpunkt einem Wert von etwa 45 Millionen Euro. Doch Anfang 2015 gab die Schweizer Notenbank, die den Franken lange stabilisiert hatte, den Wechselkurs zum Euro plötzlich frei.

2015 drohte Verlust von 20 Millionen Euro

Bittere Konsequenz für Lünen: Die 65 Millionen Schweizer Franken waren auf einmal auch 65 Millionen Euro wert. Bei einer Rückzahlung hätte die Stadt circa 20 Millionen Euro Verlust realisiert.

Auf der Basis des Wechselkurses von Montag wären für die Ablösung beider Kredite noch immer circa 60 Millionen Euro fällig. Weniger als Anfang 2015 zwar, aber immer noch 15 Millionen mehr als zum Zeitpunkt des ersten Abschlusses. Eine Kredit-Verlängerung ist daher aus Sicht des Kämmerers die derzeit sinnvollste Lösung.

Bönen klagt gegen Bank

In der Stadt Bönen beschäftigt das Thema Gerichte: Bönen hatte 2007 einen Kredit mit einer Laufzeit von über 30 Jahren abgeschlossen, bei dem auch die Zinsen an den Kurs des Schweizer Franken gekoppelt sind. Die Zinsbelastung ist mittlerweile stark gestiegen.

Ob der Partner der Stadt, die Dexia-Kommunalbank, ihre Beratungspflicht verletzt hat, muss jetzt das Kammergericht Berlin entscheiden. Kämmerer Uwe Quitter hält den Fall Bönen nicht für vergleichbar mit der Situation in Lünen.

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