Freddy Quinn bei einem Interview mit Diethelm Textoris in der Garderobe des Hilpert Theaters 1992. © Foto Schimmel
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Freddy Quinn: „Ich habe das Gefühl, dass das Lüner Publikum mich besonders mag“

Schlagersänger und Schauspieler Freddy Quinn wird 90. Mit persönlichen Erinnerungen an seine Auftritte in Lünen gratuliert ihm unser Autor Diethelm Textoris zum Geburtstag.

Obwohl Freddy Quinn in Österreich geboren wurde, zählt er zu den erfolgsreichsten Künstlern der Bundesrepublik Deutschland. Im Laufe seiner Karriere hat er mehr als 60 Millionen Tonträger verkauft, er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, Ehrenbürgerschaften und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Längst ist er zur Legende geworden. Doch die Legende lebt. Am 27. September wird Freddy 90 Jahre alt. Auch in Lünen, wo er mehrfach im Heinz-Hilpert-Theater gastierte, erinnert man sich an seine Auftritte. Stets mit großem Orchester, jeder Ton erreichte live die Ohren und Herzen seiner Anhänger.

Dass es in den letzten Jahren still um ihn geworden ist, war seine eigene Entscheidung. In einem Interview in der Garderobe des Hilpert Theaters sagte er mir: „Ich will nicht, dass das Publikum eines Tages Mitleid mit mir auf der Bühne haben muss.“ So nahm er mit 75 Jahren mit einem großen Konzert in Wien Abschied von seinem Publikum.

Nach dem Tod seiner Frau Lilli Blessmann im Jahre 2008 zog er sich komplett zurück. Abschied vom Abschied, wie es viele seiner Kollegen und Kolleginnen praktizierten, kam für ihn nicht in Frage. Er tauchte unter, reiste in der Welt umher, war mal in Neuseeland und mal in Kanada, kam aber immer wieder in seine Wahlheimat Hamburg zurück.

Erst Fan, dann hautnah

Die damaligen Gespräche mit ihm sind mir tief in Erinnerung geblieben. Ich war furchtbar aufgeregt, hatte ich ihn vorher doch immer nur als Fan erlebt. Bei Konzerten und Löwenverleihungen in der Gruga- und Westfalenhalle, in schwindelnder Höhe als singenden Seiltänzer über den Köpfen des Publikums, als Moderator beim Fernsehen, als Hauptdarsteller in Filmen.

Doch dann erwies sich der von mir verehrte Star als Mann zum Anfassen, der mir verriet, wie er Jane Mansfield für seinen Film engagiert hat, von seiner Zeit als Zirkusmusiker und „Praktikant“ bei der Fremdenlegion sprach, von seiner Enttäuschung, als Al Martino durch eine Kungelei der Schallplattenfirmen ihm seinen Welthit „Spanish Eyes“ klaute. Und warum er gerne nach Lünen kam: „Weil ich hier das Gefühlt habe, dass das Publikum mich besonders mag.“ Die Besucher kamen bei seinen Gastspielen von fern und nah. Einmal saß sogar ein weiblicher Fan aus den USA in der ersten Reihe, Regina Holländer aus Niles.

Sie gestand: „Ich habe Asthma, Diabetes und Herzbeschwerden, bin gegen den Rat meines Arztes liegend nach Deutschland geflogen. Habe ihm gesagt, wenn ich Freddy gesehen habe, kann ich ruhig sterben.“ Im Flugzeug lag sie auf einem Kissen, auf dem das Bild des von ihr verehrten Stars abgebildet war.

Autogramm auf der Krawatte

Konzertveranstalter Reinhard Sallach aus Olfen, der Freddy mehrmals nach Lünen holte, erinnert sich gut an ihn. „ Ich habe ein Autogramm von ihm auf meiner Krawatte. Er hatte immer einen riesigen Artistenkoffer dabei, in dem seine gesamte Garderobe gut geordnet Platz hatte.“ Noch etwas verrät er: „Schon damals war die Rosi dabei, als seine Assistentin. Als er sie im vergangenen Jahr als neue Liebe vorstellte, dachte ich, die kennst du doch?“ Gerlinde Wittler aus Brambauer denkt an die Musical-Aufführung von Prärie Saloon in den 1960-er Jahren:

„Ich wollte mir in der Pause hinter der Bühne ein Autogramm holen. Das habe ich nicht bekommen, weil Freddy sich bei einem artistischen Sprung die Hose aufgerissen hatte und auf der Suche nach einer Ersatzhose war.“ Die musikalischen Erinnerungen an den Ausnahmekünstler hat sie in Gedichtform gefasst: „Nicht vergangen, nicht vergessen, nicht vorüber, sind die vielen schönen Lieder. La Paloma, die Gitarre und das Meer, berühren uns noch immer sehr. Das Lied vom Jungen, der bald wiederkommen soll, fanden wir besonders toll. Unser geliebter Freddy Quinn, geht uns nicht mehr aus dem Sinn.“ Wie sie denken sicher viele Lüner.

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