Corona-Tests für Reise-Rückkehrer? Das sagen Lüner Ärzte

rnCoronavirus in Lünen

Seit Anfang des Monats können sich Reiserückkehrer freiwillig auf das Corona-Virus testen lassen. Das sorgt für Frust auch bei manchen Lüner Ärzten - aber nicht bei allen.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 06.08.2020, 11:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange wurde darüber diskutiert, welche Regeln für Reiserückkehrer im Hinblick auf Corona gelten sollen. Darüber herrscht seit Monatsanfang Klarheit: Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten sind dazu verpflichtet, sich auf das Virus testen zu lassen, alle anderen Reiserückkehrer dürfen sich freiwillig testen lassen. Diese Tests können nicht nur direkt am Flughafen durchgeführt werden, sondern unter anderem auch bei niedergelassenen Ärzten - und das kommt nicht bei allen Medizinern gut an.

Maßnahmen „völlig untauglich“?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVJK), dem auch die Lüner Kinderärztin Dr. Christiane Günther-Ruppert angehört, spricht sich klar gegen die aktuelle Regelung aus. Günther-Ruppert selbst war bislang für unsere Redaktion nicht zu erreichen, leitete uns per Mail aber eine Stellungnahme des Verbands weiter - indem dieser klare Worte findet: „Die Maßnahme hat mit gezielten Maßnahmen zur Reduktion von Ansteckungsgefahren nur wenig zu tun. Die hierzu beschlossenen Regelungen sind deutlich vom Wunsch schnellen Agierens geprägt, aber völlig untauglich, um in der Praxis zur Anwendung zu kommen.“

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Die Hauptkritikpunkte des BVJK: Die Tests bedeuten für eine Arztpraxis wegen der zeitlichen Belastung, dem erhöhten Hygiene- und Materialbedarf und den notwendigen Dokumentations- und Verwaltungsschritten einen nicht vertretbaren Mehraufwand. Daneben sei nicht sinnvoll, nur einmal zu testen und auf dieser Basis eventuell die Quarantäne abzukürzen - denn für Reiserückkehrer besteht nur so lange eine Quarantänepflicht, bis ein negatives Testergebnis vorgelegt werden kann.

Bisher kein Ansturm

Die Kritik ist also laut - doch nicht alle Ärzte sehen die Situation so dramatisch.

Allgemeinmediziner Dr. Michael Funke, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, findet die Regelung „grundsätzlich sinnvoll“. Aber: „Ein Patient ist ja potenziell infektiös, wenn er zu uns kommt. Das Problem ist also ein wenig das Handling.“ Reiserückkehrer sollten sich deswegen vor dem Arztbesuch erst telefonisch in der Praxis melden.

Ein Ansturm von Reiserückkehrern blieb aber bisher aus. „Es sind ja trotzdem weniger Menschen im Sommerurlaub als in normalen Zeiten und die verteilen sich auf einzelne Praxen, wenn sie sich nicht schon vorher am Flughafen haben testen lassen.“ Überlastung befürchte er eher dann, wenn im Winter viele Menschen Erkältungssymptome aufweisen und dann ihren Arzt aufsuchen.

Seine Empfehlung: Reiserückkehrer sollten sich wenn möglich bereits vor dem Abflug testen lassen. Andernfalls sei ein Test direkt am Flughafen sinnvoller als sich erst später testen zu lassen. Und: „Wenn man nicht aus einem Risikogebiet zurückkehrt, ist ein Test nicht zwingend notwendig.“

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