Mehrere Löschzüge in Lünen warten auf eine Sanierung ihrer Gerätehäuser. Als dann der Rat zehn Millionen Euro für eine neue Sporthalle bereitstellen sollte, platzte ihnen der Kragen.

Lünen

, 27.12.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der gesamte Platz vor dem Rathaus war zugeparkt: Mit allen zur Verfügung stehenden Einsatzfahrzeugen zeigte die Freiwillige Feuerwehr vor der vergangenen Ratssitzung am 13. Dezember Präsenz. Auch an der Sitzung selbst nahmen die Kameraden teilweise in Uniform oder Einsatzkleidung teil. Ihr Ziel: „Wir wollten einfach mal zeigen, dass wir noch da sind.“

Freiwillige Feuerwehr in Lünen fühlt sich verschaukelt

Mit den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Einsatzfahrzeugen hat die Freiwillige Feuerwehr vor dem Rathaus Präsenz gezeigt. © Feuerwehr Lünen

Diese Worte stammen von Ulrich Sander, Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr in Niederaden. Das dortige Gerätehaus ist aus dem Jahr 1959. 1977, so steht es in der Urkunde, die im Gemeinschaftsraum hängt, bewilligte der Rat der Stadt Lünen 30.000 D-Mark, um die Feuerwehrleute beim Umbau des Hauses zu unterstützen. 4200 Arbeitsstunden später wurde das Haus 1979 eröffnet.

Viel getan hat sich seitdem nicht. „Es gab hier und da mal neue Farbe, und ein neues Tor für die Fahrzeughalle“, so Sander. Ansonsten müssen die Niederadener Kameraden mit dem leben, was sie haben. „Der Gemeinschaftsraum ist eigentlich nur noch für einen bestimmten Personenkreis zugelassen“, weist der Löschzugführer darauf hin, dass die enge Wendeltreppe von niemandem, der beispielsweise einen Krankenschein hat, benutzt werden dürfe. „Nachbesprechungen von Einsätzen gestalten sich da schon schwierig.“ Die weiblichen Mitglieder des Löschzuges ziehen sich in der Garage um. „Immerhin, es gibt eine eigene Damentoilette“, so Sander. Eine Schwarz-Weiß-Trennung, also zwischen ziviler und Einsatzkleidung, gibt es hingegen nicht.

„Entspricht nicht mehr dem Standard“

Niederaden ist sicher ein Extrembeispiel, doch auch die Löschzüge in Beckinghausen, Horstmar oder Alstedde beklagen den technisch unzureichenden Zustand ihrer Gerätehäuser. „Das, was wir haben, entspricht nicht mehr dem Standard“, sagt Volker Löchter, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Lünen und Mitglied des Löschzugs Beckinghausen. „Das hat im Übrigen auch ein Gutachten ergeben.“ Dieses Gutachten ist zwei Jahre alt, seitdem haben auch immer wieder Politiker zu Ortsterminen vorbeigeschaut. Passiert ist - nichts.

Als dann die Ausschüsse für die Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) sowie für Sport und Bildung in einer gemeinsamen Sitzung den Weg für die neue Sporthalle in Lünen-Süd frei machten, trauten die Feuerwehrleute ihren Augen nicht: „Da werden mehr als 10 Millionen Euro locker gemacht, während unsere Sanierung immer weiter aufgeschoben wird.“ Ulrich Sander wird deutlich: „Wir fühlen uns verschaukelt.“

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Volker Löchter fügt hinzu: „Wir haben absolut nichts gegen die Turnhalle, im Gegenteil. Wir haben alle Kinder und wir finden es toll, dass hier etwas für die Bildung und für die Sportverein getan wird.“ Jedoch sei es nur schwer nachvollziehbar, warum hier das Geld locker sitze, während die Feuerwehrleute für jeden Euro kämpfen müssten. Bestes Beispiel sei die neue Feuerwache in Brambauer (Baukosten laut Stadt: 1,9 Millionen Euro), die im Februar eröffnet wird. „Die ist auch nur gekommen, weil die Löschzugführer gedroht haben, alles hinzuschmeißen“, ist Löchter überzeugt. „Ohne Druck geht gar nichts.“

Fehlendes Feedback aus dem Rathaus

Den Neubau der Hauptwache (Bau- und Grundstückskosten: 12,9 Millionen Euro) und des Standorts Wethmar (Baukosten: 1,6 Millionen Euro) wolle man nicht unter den Tisch fallen lassen. „Trotzdem fragen wir uns, warum man zehn Millionen Euro für eine Turnhalle ausgeben muss.“ In Brambauer seien die neuen Hallen wesentlich günstiger gewesen. „Eine Million weniger, die man dann in ein Gerätehaus gesteckt hätte, wäre sicher auch in Ordnung gewesen.“

Einfach den (ehrenamtlichen) Job zu schmeißen, komme nun allerdings niemandem in den Sinn. „Wir sind Feuerwehrleute aus Überzeugung, und wir stehen zu unserem Ideal“, stellt Ulrich Sander klar. Deshalb seien auch alle 300 aktiven Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr bereit, mit anzupacken. „Wir haben die Mängel ja schon einmal detailliert aufgearbeitet und der Stadt diese Liste übergeben. Allerdings haben wir den Eindruck, dass das gar nicht gelesen wurde“, kritisiert der Löschzugführer fehlendes Feedback aus dem Rathaus. „Dabei ist das, was wir fordern, bei weitem kein Luxus, sondern schlichtweg der Standard.“

Die Kameraden hoffen, sich mit ihrer Aktion vor dem Rathaus wieder ins Bewusstsein von Politik und Verwaltung gerufen zu haben. Tatsächlich habe die ZGL bereits 2017 die politischen Gremien „über festgestellte Mängel an den Feuerwehrgerätehäusern Niederaden, Beckinghausen, Alstedde und Horstmar informiert“, wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt erklärt. „Dabei wurde auch mitgeteilt, inwieweit die Feuerwehrgerätehäuser den feuerwehrrechtlichen Anforderungen nicht (mehr) entsprechen.“

Stadt will nicht untätig sein

Die Verwaltung bereite derzeit einen Maßnahmen- und Zeitplan zur Sanierung oder zum Neubau der Feuerwehrgerätehäuser vor, den die Politik anschließend verabschieden muss. Wie lange diese Vorbereitung noch dauert, sagte Spangardt nicht. Aber: „In der Zeit bis zur Vorlage und darüber hinaus bis zur Umsetzung der zu ergreifenden Maßnahmen wird die Stadt nicht untätig bleiben.“ Es sei für die Stadt sehr wichtig, dass die Feuerwehrleute gute und sichere Arbeitsbedingungen haben. „Bestandteil der momentan laufenden Prüfungen ist daher auch, festzustellen, wo und in welchem Maße kurzfristig Mängel beseitigt werden müssen“, so der Sprecher.

Ein Budget für die anstehenden Modernisierungen oder eventuelle Neubauten könne die Stadt noch nicht nennen, da die Prüfung noch nicht abgeschlossen sei. „Für die Feuerwehrgerätehäuser sind im Wirtschaftsplan von ZGL für die Jahre 2020 und 2021 bisher 800.000 Euro vorgesehen“, sagt Spangardt.

Insgesamt 300 aktive Feuerwehrleute sind in sieben Löschzügen der Freiwilligen Feuerwehr organisiert. Die Standorte neben Lünen-Mitte sind Beckinghausen, Horstmar, Niederaden, Brambauer, Nordlünen-Alstedde und Wethmar.
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