Fridays for Future: Demonstration für den Klimaschutz-Freitag auch in Lünen

Jugendbewegung

Was als Streik einer einzelnen schwedischen Schülerin begann, hat sich zu einer globalen Klimaschutz-Bewegung Jugendlicher entwickelt. Ab Freitag gibt es „Fridays for Future“ auch in Lünen.

Lünen

von Kristina Gerstenmaier

, 14.03.2019, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fridays for Future: Demonstration für den Klimaschutz-Freitag auch in Lünen

Lidia Mauerhöfer und Ruth Kirschbaum (r.) wollen die Fridays-for-Future-Demonstrationen, die auf Klimaschutz aufmerksam machen, auch nach Lünen holen. © Kirschbaum

In Dortmund und Münster gibt es sie schon länger. Auch in vielen weiteren deutschen Städten und auch in Belgien, der Schweiz, Kanada oder Australien. Was als Protest einer einzelnen 15-jährigen schwedischen Schülerin begann - sie bestreikt den Schulunterricht, um die schwedische Regierung dazu aufzufordern, die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele zu halten - hat sich in den vergangenen Wochen zu einer globalen Klimaschutzbewegung Jugendlicher ausgeweitet.

Lüner Demonstration als Teil eines globalen Streiks

Ab Freitag, 15. März, soll es die Fridays-For-Future-Demonstration auch in Lünen geben. „Ich habe schon seit ein paar Wochen mit dem Gedanken gespielt und dann beschlossen, dass der 15. März der perfekte Zeitpunkt ist, die Aktion nach Lünen zu holen“, erzählt Ruth Kirschbaum, Schülersprecherin am Gymnasium Altlünen.

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13 Uhr ist glaubwürdiger

Engagement von Schülerinnen und Schülern für den Klimaschutz beeindruckt mich sehr. Demonstrationen während der Unterrichtszeit beeindrucken mich wenig. Das Schulgesetz kennt kein Streikrecht, es kennt Schulpflicht. Auch das Eintreten für die Rettung des Weltklimas rechtfertigt kein regelmäßiges Fernbleiben vom Unterricht. Es bleibt am Ende Schwänzen. Die Organisatorinnen der „Friday-for-Future-Demo“ in Lünen haben das offenbar erkannt und für 13 Uhr eingeladen. Dann fällt für einige wahrscheinlich immer noch Unterricht aus, aber nicht so viel, als wenn vormittags demonstriert würde. Für mich wird der Einsatz der Lüner Schüler für den Klimaschutz damit glaubwürdiger. Der Vorwurf, die versäumten Stunden seien ein willkommener Nebeneffekt, läuft nämlich weitgehend ins Leere, wenn nicht nur Schulzeit, sondern auch Freizeit für die Demo drauf geht. In diesem Sinne wünsche ich der Aktion viel Erfolg und gute Beteiligung.

Gemeinsam mit der Schülersprecherin der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat die 15-Jährige die Versammlung, die auf dem Europaplatz neben dem Rathaus stattfinden soll, angemeldet und Gruppen in verschiedenen Sozialen Netzwerken eingerichtet. Jetzt haben sich die Schülervertretungen einiger weiterführender Schulen Lünens für die Aktion zusammengeschlossen und wollen Mitschüler motivieren, daran teilzunehmen.

Klimaschutz soll keine Konkurrenz zu Bildung sein

Der kommende Freitag sei deshalb ein guter Startpunkt, weil an diesem Datum ein globaler Streik stattfindet: In etwa 90 Ländern weltweit werden Schüler auf die Straße gehen, um dafür einzutreten, ihre eigene Zukunft zu bewahren. Da möchte auch Ruth Kirschbaum dabei sein und zwar in der eigenen Stadt. „Für mich persönlich ist Klimaschutz ein total wichtiges Thema“, sagt sie. „Es muss sich jetzt etwas tun, damit sich für die Zukunft noch etwas ändern kann.“

Anders als Greta Thunberg, die schwedische Schülerin, die sinngemäß fragt: „warum soll ich für die Zukunft lernen, wenn es bald keine Zukunft mehr geben wird?“, möchte die Lünerin aber nicht den Unterricht bestreiken. Die Demonstration ist für 13 Uhr angemeldet. So passt sie in die Mittagspause, die Teilnehmenden müssen höchstens eine Schulstunde ausfallen lassen. „Ohne Bildung lässt sich auch schlecht etwas verändern“, sagt Ruth. „Wir wollen Kompromisse finden, weil es einfach nicht das Ziel ist, mit der Schule zu konkurrieren.“

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Demo besser am Vormittag

Der Ansatz ist richtig und es gibt wohl kein Thema, das momentan und in den kommenden Jahrzehnten wichtiger sein wird als der Klimawandel. Dass jetzt auch Lüner Schüler demonstrieren, ist deshalb gut – geht aber nicht weit genug. Denn, ganz ehrlich: Wen interessiert eine brave Demo in der Mittagspause? Bloß nicht auffallen! Dabei wäre eine Demo zur Schulzeit doch viel wirkungsvoller, sie würde mehr Aufsehen erregen, sie würde deutlich machen, wie dringlich das Problem ist. Ob wohl ein einziger Lokführer in den vergangenen Jahren eine Lohnerhöhung bekommen hätte, wenn er mit der Demonstration noch brav bis Dienstschluss gewartet hätte? Wohl nicht. Wenn dann Politiker auf die Schulpflicht verweisen und unentschuldigte Fehlstunden androhen, dann ist das doch bitter geheuchelt. Die Schüler könnten noch monatelang freitagsmorgens auf die Straße gehen und würden doch weniger Unterricht verpassen als sonst schon durch Unterbesetzung und politische Fehlorganisation.

Nur mit einer guten Bildung könne sie selbst später politisch auch wirklich etwas bewirken. Sie ist überzeugt: „Bildung und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen. Das Wichtigste ist, dass jeder einzelne etwas für unsere Zukunft verändern kann.“ Mit der großen Aufmerksamkeit, die durch die Freitags-Demonstrationen erreicht wurde, sei schon viel erreicht.

Es wird weitergehen

Kurz nach der Anmeldung und der Verbreitung über die Sozialen Netzwerke habe die Idee eine „Riesen-Resonanz“ erfahren. Trotzdem ist sich Ruth Kirschbaum nicht sicher, wie viele Jugendliche daran teilnehmen werden.

„Wir wollen erst einmal schauen, wie es läuft, und daraus dann ein Konzept entwickeln“, sagt sie.

Auf jeden Fall möchte die Schülerin es nicht bei dieser einzelnen Aktion belassen. In Dortmund finden die Demonstrationen jeden Freitag statt, in Münster an jedem 1. im Monat. Beides sei eine Option.

TERMIN

FRIDAYS FOR FUTURE IN LÜNEN

  • Die Demonstration findet am Freitag, 15. März, um 13 Uhr auf dem Europaplatz neben dem Rathaus statt
  • Sie ist für circa 1,5 Stunden angelegt, sodass nur wenig Unterricht verpasst wird. Mehrere Schüler werden Reden halten.
  • Für weitere Infos kann man sich unter folgendem Link in einer WhatsApp-Gruppe anmelden
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