Gästeführerin zeigt, wo ein Stück Europa in Lünen zu finden ist

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Wie viel Europa steckt eigentlich in Lünen? Das erklärt Stadtführerin Kirsten Diana Freiberg (55) auf unterhaltsame und informative Weise. Der Start war nicht einfach.

Lünen

, 26.03.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Salford-Brücke, Zwolle-Allee und Europaplatz kennen viele Lüner. Teilnehmer der Europa-Stadtführungen von Kirsten Diana Freiberg wissen anschließend noch viel mehr darüber, was Lünen mit Europa verbindet. Zu Fuß oder mit dem Rad macht sich die Lünerin auf den Weg durch die Innenstadt oder Stadtteile zum Thema Europa.

Die Idee dazu hatte Lünens Kulturdezernent und Europabeauftragter Horst Müller-Baß. Die erfahrene Gästeführerin nahm die Idee auf und sammelte Infos rund ums Thema „Europa in Lünen“. Drei Europaführungen für Jedermann hat sie mittlerweile geleitet.

Infos über Themen

Stadtmarketing organisiert Führungen

  • Interessenten, die eine Stadtführung buchen wollen, können sich an das Stadtmarketing Lünen, Kristin Woesmann, wenden. Auf der Internetseite der Stadt unter dem Punkt Tourismus kann man sich alle Themenführungen ansehen und auch per Mausklick buchen.
  • Die Broschüre über die Stadtführungen wird derzeit aktualisiert und um Führungen in Stadtteilen erweitert. Der Preis für eine gebuchte 90-minütige Stadtführung liegt bei 50 Euro, bis zu 25 Personen können daran teilnehmen.
  • Infos dazu gibt es bei Kristin Woesmann, Tel. (02306) 104 17 78, Mail: tourismus@luenen.de

Die erste Europaführung fand im Rahmen der Eröffnung einer Ausstellung über den Europäischen Sozialfonds im Rathaus statt, die nächste, als der Europaplatz neben dem Rathaus seinen Namen bekam. Außerdem gab es eine Europaführung für die SPD.

Ganz einfach war es für die 55-Jährige nicht, Infos über Europa in Lünen zusammen zu bekommen. Aber sie blieb hartnäckig. Und wurde beim Europa-Referat in Essen fündig. „Dort bekommt man Listen der europäischen Mittel, die in bestimmten Förderzeiträumen nach Lünen geflossen sind.“

Stadtrundfahrten für Senioren und Silvesterführungen

Kirsten Diana Freiberg ist Gästeführerin aus Überzeugung, Ihr machen die Termine großen Spaß, vor allem wenn die Teilnehmer wissbegierig sind, ihr viele Fragen stellen. Hauptsaison für Stadtführungen ist vom Frühling bis Frühherbst. Dann gibt es Sonntagsführungen für Jedermann mit unterschiedlichen Themen. Aber man kann auch Führungen an anderen Tagen buchen.

So leitete die 55-Jährige eine Stadtrundfahrt für Bewohner eines Lüner Altenzentrums: „Besonders schön war, dass wir auch dorthin gefahren sind, wo die Senioren früher gewohnt haben. Sie haben sich sehr über das Wiedersehen gefreut.“ An Silvester ist die Lünerin mit Gruppen unterwegs, die den Jahreswechsel im Hotel am Stadtpark feiern. „Da sind Leute aus dem Rheinland dabei, denen Lünen so gut gefällt, dass sie immer wieder kommen.“

Interesse an Lünen und der Stadtgeschichte

Mit der Landesgartenschau in Lünen fing alles an. Ein Jahr vor der Eröffnung 1996 suchte die Stadt Lünen Menschen, die sich zu Gästeführern ausbilden lassen wollten. Kirsten Diane Freiberg meldete sich, absolvierte die Ausbildung und war mit Besuchern auf dem Lagalü-Gelände unterwegs. „Danach kamen Anfragen für Innenstadtführungen, ich hab weitergemacht. Für mich sind diese Führungen ein schönes Hobby, weil ich mich sehr für Lünen und die Stadtgeschichte interessiere“, erzählt die 55-Jährige.

Fortbildungen findet sie ebenso spannend wie die Möglichkeit, durch die Führungen an Orte zu kommen, die sonst nicht zugänglich sind. So konnte sie vor kurzem mit einer Gruppe die Steag in Lünen besuchen.

Bewusst hat sie sich spezialisiert, nicht nur zum Thema Europa. Sie bietet auch Führungen über Lünen in den 60er und 70er Jahren an, Museumsführungen und einen Spaziergang durch Nordlünen.

Bei Stadtführungen zu zeigen, warum man sich vor Ort in den Kommunen überhaupt mit Europa beschäftigen soll, ist Horst Müller-Baß wichtig. Das machte er vor kurzem auch bei einem Gespräch der SPD-Landtagsfraktion zu „Europa vor Ort“ in Bönen hielt. „Richtlinien und Verordnungen der EU wirken sich unmittelbar auf die Menschen hier aus.“

Gästeführerin zeigt, wo ein Stück Europa in Lünen zu finden ist

Das Bürgerzentrum in Gahmen ist mit europäischer Förderung gebaut worden. © Beate Rottgardt

Das beweist auch Kirsten Diana Freiberg bei ihren Europa-Führungen durch Lünen. „Es gibt drei europäische Fördertöpfe von denen auch Lünen profitiert“, weiß die Gästeführerin. Auf einen - den Europäischen Landwirtschaftsfonds - geht sie in ihren Führungen nicht ein, weil das zu speziell ist. Aber die Teilnehmer erfahren, welche Projekte in Lünen durch Mittel des Europäischen Sozial-Fonds (ESF) oder des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) realisiert werden konnten.

Wohin EU-Mittel geflossen sind

Kirsten Diana Freiberg stellt den Teilnehmern die Institutionen vor, die von ESF-Mitteln profitieren. „Da geht es um verschiedene Projekte, die wir nicht zeigen können, aber zu den Institutionen wie beispielsweise der Umweltwerkstatt kann ich natürlich was sagen.“ In Sachen EFRE kann man dagegen genau sehen, wohin EU-Mittel fließen. Der Wasserwander-Rastplatz am Preußenhafen wurde zu 50 Prozent aus EU-Mitteln finanziert. Auch das sozio-kulturelle Bürgerzentrum in Gahmen profitierte von EFRE-Zuschüssen. Die Gästeführerin zeigt ihren Teilnehmern diese Orte bei einer Führung per Rad.

Gästeführerin zeigt, wo ein Stück Europa in Lünen zu finden ist

Auch der beliebte Wasserwander-Rastplatz am Preußenhafen wurde mit europäischen Fördermitteln realisiert. © Günther Goldstein

Zu Fuß geht es auf europäischen Pfaden durch die City. Zwar sind in der Innenstadt keine EU-Mittel geflossen, aber Europa spielt dennoch eine wichtige Rolle. Beim Empfangsraum Süd an der Lange Straße zahlte es sich aus, dass Astrid Linn von der Stadtplanung das Projekt bei einem Wettbewerb eingereicht hat, den Lünen gewann. So gab es dafür auch Finanzen aus Brüssel.

Schulen und ein besonderer Titel

Die Lippestadt trägt den Titel „Europaaktive Kommune“. Was das bedeutet, erklärt Kirsten Diana Freiberg ihren Gästen. Die auch erfahren, was es mit der derzeit noch einzigen Europaschule, dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, auf sich hat oder was sich hinter der Teilnahme der Geschwister-Scholl-Gesamtschule am Erasmusprogramm verbirgt. Auch die Volkshochschule mit ihren Angeboten rund ums Thema EU und natürlich die europäischen Partnerstädte Lünens spielen in der Führung eine Rolle, die zwischen eineinhalb bis zwei Stunden dauert.

Gästeführerin zeigt, wo ein Stück Europa in Lünen zu finden ist

Beigeordneter Horst Müller-Baß ist bei der Stadt für das Thema Europa zuständig und zudem überzeugter Europäer. © Beate Rottgardt

Für Horst Müller-Baß ist es wichtig, dass konkrete kommunale Interessen auch in Europa berücksichtigt werden. „Der Deutsche Städtetag, der Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag haben alle auch Büros in Brüssel, schicken ihre wöchentlichen Berichte nach Deutschland, um die Kommunen zu informieren, was bei der EU passiert.“ Auch der einzelne Bürger könne sich mit seiner Meinung einbringen - im Internet oder über den zuständigen Europaabgeordneten. Vor Ort will der Lüner Dezernent konkret etwas tun, um „das Thema Europa zu bespielen“: „Die eigenen städtischen Mitarbeiter fit machen für Europa durch Fortbildungen zu Förderprogrammen. Wir wollen auch weiter Auszubildende in unsere Partnerstädte schicken. Wir bieten Sprachkurse an und haben einen Europaausschuss (den Ausschuss für Kultur und Europaangelegenheiten, Anm.d.Red.),“ Wichtig ist ihm, die Städtepartnerschaften mit Leben zu füllen - durch Jugend- und Sportaustausch, Wirtschaftskontakte und auch auf Verwaltungsebene.

Kisten Diana Freiberg hat durch ihre Vorbereitung für die Führungen einiges über Europa erfahren: „Ich will auch immer wieder Neues lernen.“ Neue Ideen für weitere Führungen hat sie schon.

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