Pelletheizungen sind eine Alternative zu Gasheizungen und werden als erneuerbare Energie gefördert - allerdings sind sie nicht für jedes Haus und vor allem jeden Hausbewohner geeignet. © picture-alliance/ gms
Verbraucherberatung

Gaspreis-Erhöhung: Heiz-Alternativen für Lüner Hauseigentümer

Wenn die Gaspreis-Erhöhung ins Haus flattert, kommt so mancher Hausbesitzer ins Grübeln. Es gibt durchaus Alternativen. Wer eine neue Heizung einbaut, kann oft sogar mit Fördermitteln rechnen.

Mit Gas zu heizen, wird immer teurer, denn die CO2-Steuer erhöht sich. Das mussten die Kunden der Lüner Stadtwerke erst kürzlich wieder feststellen. Da die Heizung Sache des Hausbesitzers ist, sollten sich Mieter an ihn wenden. Denn es gibt durchaus auch in älteren Häusern die Möglichkeit, auf umweltfreundlichere und preiswertere Heizarten umzustellen.

Ob das möglich ist und welche Heizungs-Variante für das jeweilige Gebäude am sinnvollsten ist, können die Energieberater der Verbraucherzentrale vor Ort klären. Bei einem Eignungs-Check Heizung, der 30 Euro kostet. Den empfiehlt Diplom-Ingenieurin Kojna Boykinov, seit 2012 freiberufliche Energieberaterin der Verbraucherzentrale, vor einer Entscheidung.

Immer mehr Hausbesitzer wollen weg vom Gas

„Heizungsanlagen müssen ans Haus angepasst werden, aber wir merken schon die Tendenz, dass immer mehr Hausbesitzer weg vom Gas wollen – weil die Kosten da steigen“, so die Expertin auf Anfrage. Bei einem Eignungs-Check Heizung bekommen die Verbraucher anschließend schriftlich Antworten auf die Fragen welche Heizung zu ihrem Gebäude passt, welche Kosten beim Ausbau der alten und Einbau der neuen Heizung anfallen, welche Förderungsmöglichkeiten es gibt und was sie am Ende selbst zahlen müssen.

Energieberaterin Kojna Boykinov berät Verbraucher, welche Heizungsart für ihr Haus die richtige ist.
Energieberaterin Kojna Boykinov berät Verbraucher, welche Heizungsart für ihr Haus die richtige ist. © Beate Rottgardt (Archiv) © Beate Rottgardt (Archiv)

Bei dem Ortstermin, der zuvor vereinbart werden muss, schaut sich der Energiebrater, der anbieterunabhängig berät, das Haus und dessen Dämmung, aber auch die Verbrauchskosten an und bespricht mit den Besitzern, welche Heizungsanlage zum Haus und zu ihnen am besten passen würde.

Wichtig ist es, so die Energieberaterin, eine Heizlastberechnung erstellen zu lassen, dann kann man auch sagen, welche Heizungsart die beste fürs jeweilige Haus ist. Alte Anlagen werden oft mit überdimensionierter Technik betrieben, das sorgt für Verschleiß und zu viel Heizstoff, also auch mehr Kosten als eigentlich nötig. Solche Heizlastberechnungen erstellen Ingenieurbüros oder auch manche Heizungsbauer. Bei einer Planung der Sanierung der Heizanlage besteht die Chance, Fördermittel dafür zu erhalten.

Als umweltfreundliche, nachhaltige Heizarten nennt Kojna Boykinov verschiedene Alternativen. Zum einen die Pelletheizung. Pellets sind kleine genormte zylindrische Presslinge, die aus Sägespänen oder Hackschnitzeln hergestellt werden. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und damit gehört diese Heizart zu den erneuerbaren Energien. Hier kann man mit einer Förderung von 35 Prozent rechnen. Allerdings muss man einen entsprechenden Lagerraum für die Pellets haben und regelmäßig das Ganze reinigen. „Ich hatte eine Anfrage einer 83-Jährigen, die alleinstehend ist, für sie kam diese Möglichkeit nicht in Frage“, so die Beraterin.

Ausbau einer alten Öl-Heizungsanlage wird gefördert

Pellets-Heizungen haben den Vorteil, dass sie neben der Grundförderung von 35 Prozent noch weiter gefördert werden können. Für den Ausbau einer Ölanlage beispielsweise kommen noch zehn Prozent dazu. „So ein Ausbau kostet allerdings auch zwischen 1500 und 2000 Euro, weil es sich um Sondermüll handelt und das Ganze von einer Fachfirma gemacht werden muss“, so Kojna Boykinov.

Weitere fünf Prozent Förderung gibt es, wenn man einen besonders immissionsarmen Kessel auswählt. Und noch einmal fünf Prozent, wenn für das Haus ein individueller Sanierungsfahrplan erstellt wird. Damit könnten Hausbesitzer beim Ausbau einer Öl- und Einbau einer Pelletsheizung mit 55 Prozent Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bekommen.

Eine weitere Alternative zu teuren Gas- oder Ölheizungen ist die Wärmepumpe. Hier gibt es die unterschiedlichsten Arten – mal wird die Wärme durch Luft, mal durchs Grundwasser oder aus dem Erdreich erzeugt. Bei Systemen, die auf Basis von Erdwärme und Grundwasser arbeiten, ist allerdings eine Genehmigung erforderlich, weil es nicht überall erlaubt ist beispielsweise Brunnen zu graben, um das Grundwasser anzuzapfen.

So funktioniert eine Wärmepumpe, die mit Strom arbeitet: Von außen wird ständig frische Luft angesaugt (grüne Pfeile) und in ein Zentralgerät geleitet, wo die Frischluft gefiltert wird. Gleichzeitig wird die verbrauchte Luft aus den Nutzräumen abgesaugt (gelbe Pfeile) und durch Wärmetauscher und Wärmepumpe nach außen geleitet. Mit der Wärme der Abluft (gelbe Pfeile) wird gleichzeitig im Zentralgerät die Frischluft erwärmt und bei Bedarf zusätzlich durch Wärme der Wärmepumpe aufgeheizt in die Räume geleitet (rote Pfeile). © picture alliance / dpa-tmn/VfW – Bundesverband für Wohnungslüftung © picture alliance / dpa-tmn/VfW – Bundesverband für Wohnungslüftung

Da zwar die Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe niedriger als bei anderen Heizarten sind, dafür aber die Verbrauchskosten höher, bietet sich diese Heizart nicht für Bestandsimmobilien an, so die Fachfrau. Sie berät auch Verbraucher, die ein Haus bauen wollen, welche Heizung für sie am besten geeignet wäre.

Zwei Heizarten kombinieren

Weitere Möglichkeiten sind sogenannte Hybridanlagen, bei denen mindestens 25 Prozent der erzeugten Wärme über erneuerbare Energien laufen muss, um Fördermittel zu bekommen. So kann man einen Gaskessel entweder mit einer thermischen Solaranlage oder mit einer kleinen Wärmepumpe kombinieren. Hier gibt es eine Grundförderung von 30 Prozent. Wenn man eine alte Ölheizung ausbaut, gibt es aber noch zehn Prozent Förderung obendrauf.

Kombinieren kann man aber auch zwei Heizarten mit erneuerbarer Energie – eine Pelletsheizung und eine thermische Solaranlage beispielsweise, dafür gibt es dann auch wieder 35 Prozent Grundförderung Das sei, so Kojna Boykinov, auch eine gute Lösung für Bestandsimmobilien.

Ähnliche Checks wie den Eignungs-Check Heizung gibt es bei der Verbraucherberatung auch zu Themen wie Solarenergie oder Photovolatik. Im Winter testen die Energieberater auf Wunsch, ob der Heizkessel effizient arbeitet, und im Sommer thermische Solaranlagen. All diese Checks kosten jeweils 30 Euro, sozial-schwache Verbraucher zahlen – bei Nachweis – nichts dafür. Gratis für alle Verbraucher ist der Basischeck Stromsparen.

EnergieberatungTermin für Check vereinbaren
  • Termine zu einem Check der Energieberater vor Ort können unter der kostenlosen Telefonnummer (0800) 809 802 400 vereinbart werden.
  • Bis auf den Basischeck Stromsparen, der kostenlos ist, kostet jeder Check zuhause beim Verbraucher 30 Euro.
  • In der Lüner Beratungsstelle findet derzeit die Energieberatung – nach vorheriger Terminvereinbarung – nur telefonisch statt. Kojna Boykinov ist dort alle zwei Wochen montags Ansprechpartnerin.
Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt