Gastronomie-Lockdown trifft auch Lüner Getränke-Lieferanten

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Der neuerliche Lockdown für gastronomische Betriebe hat auch Auswirkungen auf die Getränke-Branche. Wie es da in Lünen und Umgebung aussieht, wissen die Mitarbeiter von Getränke Gefromm.

Lünen

, 01.11.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Frühjahr mussten Gastronomie-Betriebe wie Restaurants, Cafés und Kneipen schon zwei Monate schließen. „Auch danach war fast kein Betrieb bei 100 Prozent Umsatz normaler Jahre“, sagt Thorsten Lachmann, Geschäftsführung Gastronomie bei Getränke Gefromm.

Wie er von seinen Geschäftspartnern aus der Gastronomie weiß, lag nach der Wiedereröffnung der Umsatz bei den Restaurants in der Region bei durchschnittlich 70 bis 80 Prozent der Vorjahre. „Vorteile hatten diejenigen, die über eine Außengastronomie verfügen. Die lagen vielleicht bei 85 Prozent, weil viele Gäste in diesen Zeiten lieber draußen gesessen haben.“

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September war für die Gastronomie der beste Monat

Dagegen klagten die reinen Schankbetriebe, die auch keinen Biergarten haben, über einen Verlust von 40 bis 50 Prozent im Vergleich zu den Vor-Corona-Zeiten.

„Der September war in diesem Jahr mit der beste Monat. Im Oktober gab es schon witterungsbedingt Probleme und dann kam der Aufruf der Kanzlerin, möglichst zuhause zu bleiben, an den sich viele Leute hielten“, sagt Lachmann. Am Beispiel des „Cafés Extrablatt“ am Lüner Marktplatz zeige sich das: Verzeichnete man in der ersten Woche der Herbstferien noch ein gutes Geschäft, war es in der zweiten Ferienwoche nur noch die Hälfte des normalen Umsatzes.

„Ich hoffe, dass die Gastronomie jetzt über den November kommt, wenn die versprochenen 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 vom Bund gezahlt werden“, so Lachmann. Problematischer sehe es da für Getränkeindustrie und Fachgroßhandel aus.

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Lachmann: „Die Brauereien haben beim Fassbier in diesem Jahr teilweise Einbußen von bis zu 50 Prozent. Denn ihnen sind die Einnahmen aus Großveranstaltungen und Fußballspielen weggebrochen.“ Deshalb vermutet er auch, dass man in diesen Bereichen wohl 2021 mit Personalabbau rechnen müsse.

Ein Minus ergibt sich auch in der Getränkebranche dadurch, dass viele Tanzcafés, Bars und Clubs seit März geschlossen sind.

Marvin Möllmann, Jochen Gefromm und Thorsten Lachmann (v.l.) von Getränke Gefromm haben im Frühjahr eine Hilfsaktion gestartet.

Marvin Möllmann, Jochen Gefromm und Thorsten Lachmann (v.l.) von Getränke Gefromm haben im Frühjahr eine Hilfsaktion gestartet. © Gefromm

Die traditionsreiche Lüner Firma hat insofern Glück, weil Getränke Gefromm auch Getränkemärkte in der Region besitzt. „Wir haben da sogar Zuwachs zu verzeichnen.“ Bei den Flaschenbieren gebe es eine leicht positive Entwicklung.

Trotzdem fehlt dem Bereich Gastronomie in diesem Jahr einiges an Umsatz. Zwei Monate Gastronomie-Lockdown im Frühjahr, nun wieder ein Monat und in den fünf Monaten dazwischen höchstens 80 Prozent des normalen Geschäfts - das macht vier bis fünf Monate reiner Umsatz, die fehlen. „Das kann man nicht auffangen“, so Lachmann.

Natürlich macht er sich auch Gedanken um die Zukunft der Gastronomie in der Region, die unter den Corona-Auswirkungen leidet. Im Frühjahr, beim ersten Lockdown, hatte Gefromm eine erfolgreiche Hilfsaktion unter dem Motto „Lünen steht zur Gastronomie“ initiiert.

Von den Pächtern hat er gehört, dass die Eigentümer der Geschäftslokale unterschiedlich in der schwierigen Corona-Lage reagiert haben. „Manche haben den Gastronomen einen Nachlass bei der Pacht angeboten. Andere sind stur und haben die Pacht nur gestundet. Und jetzt kommt der Winter,“ macht er sich Sorgen.

Prognose der Dehoga für die Region zu pessimistisch

Ob der Lockdown im Gastrogewerbe tatsächlich nur den November über dauert, sei fraglich. „Dann kommt Weihnachten und damit familiärer Reiseverkehr. Wenn dann die Zahlen wieder steigen, wer weiß ob dann im Januar noch mal ein Lockdown kommt.“ Trotzdem hält er die Prognose des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), dass im kommenden Jahr ein Drittel der Gastronomie im ganzen Bundesgebiet aufgeben und endgültig schließen muss, für diese Region für zu hoch.

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