Nach Prüfung des Impfpasses stellen die Apotheken ein digitales Impfzertifikat aus. © picture alliance/dpa
Corona-Betrug

Gefälschte Corona-Impfpässe in Lünen: Polizei und Apotheken sind gewarnt

Apotheken stellen gegen Vorlage des Impfpasses ein Impfzertifikat aus. Betrüger, die nicht für Tests zahlen wollen, könnten Fälschungen vorlegen. Betrugsfälle in Lünen hat es schon gegeben.

Seit dem 11. Oktober kosten Corona-Schnelltests Geld. Weil gleichzeitig in vielen Bereichen 3G als Zugangsvoraussetzung gefordert ist, könnte das Risiko von Impfpassfälschungen steigen. Deshalb suchten Bezirksdienstbeamte der Polizeiwache Lünen in ihrem Znständigkeitsbereichen zuletzt den Kontakt mit den jeweiligen Apotheken, wie die Polizei Dortmund auf Anfrage bestätigt.

„Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden die Mitarbeiter der Apotheken dahingehend sensibilisiert, bei Verdachtsfällen die Polizei zu informieren, Impfausweise mit Fälschungsmerkmalen als Beweismittel einzubehalten und Personalien durch Kopie der ausgehändigten Personalausweise zu sichern“, teilt die Polizei mit.

Bislang sind für den Bereich Lünen 25 Verfahren im Zusammenhang mit der Fälschung von Impfausweisen bekannt. Das zeigt, dass die Problematik auch vor Ort existiert. Die Polizei sieht aber bislang aufgrund des geringen Anteils kein Gefahrenpotenzial.

Apotheken sind aufmerksam und etwas skeptisch

Die Apotheken vor Ort achten sehr genau auf mögliche Fälschungen. „Wir haben von der Apothekerkammer einen Leitfaden zur Sensibilisierung bekommen, der in jeder Apotheke hängt“, erläutert Volker Brüning, Inhaber von vier Apotheken in Lünen und Selm. Vor allem, wenn der auf dem Impfpass angegebene Arzt nicht bekannt sei, gucke man genau hin und halte erst Rücksprache mit der Apothekerkammer. Volker Brüning sind mehrere Fälle aus Lünen bekannt, bei denen viel zu große Stempel und nicht plausible Anschriften zu Recht Verdacht erregten.

Volker Brüning und die anderen Lüner Apotheker wollen genau auf mögliche Fälschungen achten. © Laura Schulz-Gahmen (A) © Laura Schulz-Gahmen (A)

„Manchmal hat man ein komisches Gefühl“, schildert Manal Shatat, Inhaberin der Luisen-Apotheke, ihre Eindrücke aus dem Alltag. Mehrmals habe die Apotheke deswegen bereits bei der Kammer nachgefragt, bislang seien aber alle Verdachtsfälle unbegründet gewesen. Die Apothekerin befürchtet aber mehr Probleme: „So, wie die Politik das angeht, müssen wir damit rechnen, dass immer mehr Fälschungen auftreten könnten.“ In der Apotheke am Lippepark herrscht auch leichte Skepsis. „Ich glaube immer an das Gute im Menschen, aber natürlich kann das verstärkt auftreten, weil viele nicht das Geld für Tests haben“, meint Mitarbeiterin Beate Molitor. Bei einer aus Sicht der Apotheker offensichtlichen Fälschung habe man die Kammer verständigt und den angeblich Geimpften gebeten, am nächsten Tag zurückzukehren. Er wurde nicht wieder gesehen.

Impfausweis im Vergleich nicht besonders fälschungssicher

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe beobachtet aktuell keine Zunahme der Fälschungen. „Fälle kommen immer mal wieder vor. Die Apotheker sind gut darin, bestimmte Details zu erkennen, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht. Jeder 5-Euro-Schein hat eine höhere Fälschungssicherheit als der Impfausweis“, verdeutlicht Pressesprecher Sebastian Sokolowski.

Impfpassfälschern drohen laut Polizei eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Der Versuch ist strafbar.

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Bastian Becker