Es geht ums Geld: Warum sich auch junge Leute um das Thema Versicherungen kümmern sollten

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Wer aus dem Studium oder einer Ausbildung kommt, hat mit Versicherungen wahrscheinlich wenig am Hute. Dabei kann eine richtige Entscheidung bares Geld wert sein.

Lünen

, 30.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Laura Schulz-Gahmen hat ihr Studium abgeschlossen und jetzt eine Ausbildung zur Redakteurin begonnen. Versicherungen? Na klar hat die junge Frau die im Blick, lässt ihren Vater auch immer mal draufschauen.

Aber hat sie wirklich alle wichtigen abgeschlossen und wenn ja - dabei auch alles richtig gemacht?

Darum kümmert sich Versicherungs-Fachmann Holger Neubert, der bei der Lüner Verbraucherberatung anbieter-neutral berät. Mit ihm geht sie die wichtigsten Versicherungen durch, die junge Leute am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn haben sollten.

  • Haftpflichtversicherung:

    Solange junge Leute noch in der Ausbildung sind, sind sie über ihre Eltern privat haftpflicht-versichert. Das gilt aber nur bis Mitte 20. „Danach muss man sich selber darum kümmern und entsprechend Sach-, Vermögens- und Personenschäden versichern“, rät Neubert. Das hat Laura Schulz-Gahmen auch getan. Wobei sie möglicherweise für ihre Haftpflichtversicherung monatlich zu viel ausgibt. Neubert: „Weil es keine Preisbindung gibt, liegen die monatlichen Zahlungen zwischen 40 und 120 Euro - bei gleicher Leistung.“ Hier sollte die junge Frau also noch mal prüfen, ob sie nicht Geld sparen kann.
  • Auslandsreisekrankenversicherung

    „Wenn man jung ist, verreist man weiter und länger als später. Da würde ich mir auch so eine Versicherung zulegen, die durchschnittlich zwischen sieben und zwölf Euro im Jahr kostet“, so Neubert. Man kann so eine Versicherung auch direkt mit der Reise buchen. Das hat Laura Schulz-Gahmen auch getan, damit sie im Krankheitsfall im Ausland abgesichert ist.
  • Hausratversicherung

    Klingt altmodisch, macht aber Sinn. „Normale Schäden, die damit abgesichert werden, sind Schäden nach Einbruch oder wenn ein Wasserrohr platzt“, so Neubert. Auch hier gibt es keine Preisbindung und deshalb auch Angebote von ganz gering bis Rundum-Sorglos-Paket mit teuren Policen. „Wir gucken erstmal, welches Risiko man hat. Durchschnittlich wird jeder Quadratmeter der Wohnung mit einer Summe von 650 Euro für den Schadensfall abgesichert. Wenn man dem Versicherungsmakler nichts sagt, dann bekommt man oft eine teure Luxuspackung angedreht, weiß Neubert aus Erfahrung.
  • Fahrrad vor der Haustür

„Und was ist mit meinem Fahrrad, wenn es vor der Haustür steht?“ fragt Laura Schulz-Gahmen. Hier sollte sie eine Hausratversicherung abschließen, in dem das Fahrrad durch eine Nachtzeitklausel mit eingeschlossen ist. Dann zahlt die Versicherung auch bei Beschädigungen oder Diebstahl, wenn das Rad draußen angeschlossen war.

  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Hier geht es richtig um Geld. Und bei kaum einer Versicherung kann man so viel falsch machen, wie hier. „Es sind existenzsichernde Policen. Wenn man seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit mehr als sechs Monate nicht oder nur zur Hälfte ausüben kann, dann zahlt die BU eine monatliche Summe“, so Neubert. Allerdings sind etwa 30 Prozent aller BU-Policen deutschlandweit so abgeschlossen, dass der Versicherte im Ernstfall nichts bekommt. Denn er hat beim Vertragsabschluss die Gesundheitsfragen nicht 100-prozentig richtig beantwortet.

  • Probleme schon durch einen Arzttermin in den letzten fünf Jahren

    Wichtig sind für ambulante Behandlungen die letzten fünf Jahre vor dem Vertragsabschluss, für stationäre sogar die letzten zehn Jahre. „Wenn Sie da nur einmal beim Arzt waren und es handelt sich nicht um eine Vorsorge, sind Sie versicherungstechnisch nicht gesund“, so Neubert. Laura Schulz-Gahmen wird nachdenklich. Sie hat erst dieses Jahr eine solche BU abgeschlossen und da gab es nur zwei Gesundheitsfragen. „Dahinter verbergen sich aber immer mehr Fragen. Mit der Unterschrift unter dem Vertrag entbindet man die Ärzte von der Schweigepflicht.“
  • Vertrag noch mal genau überprüfen

Probleme mit dem Bewegungsapparat oder mit der Schilddrüse können da Stolperfallen sein, wenn es später darum geht, ob man Zahlungen bekommt.

Laura Schulz-Gahmen will sich ihren Vertrag noch mal genau vornehmen und ihn auch von Neubert richtig kontrollieren lassen. Da sie ihn erst vor wenigen Monaten abgeschlossen hat, kann man noch Angaben ergänzen.

  • Vielzahl von Tarifen - alle in einem Haus?

Netflix oder Instagram sind für junge Leute kein Problem. Anders sieht es mit Versicherungen aus. 170 Unternehmen bieten Versicherungen an.

„Oft haben Versicherungs-Unternehmen auch alle Arten von Versicherungen im Angebot. Das ist für Versicherte oft praktisch, man kann das Ganze aber auch deutlich günstiger gestalten, wenn man seine Versicherungen bei mehreren Firmen abschließt“, gibt Neubert seiner Gesprächspartnerin mit auf den Weg.

  • Tarif-Dschungel alleine bei Berufsunfähigkeits-Versicherung

Alleine 900 Tarife für BU-Versicherungen zeigen, dass es ein regelrechter Versicherungs-Dschungel ist, durch den man sich da durchkämpfen soll.

Hier den Überblick zu behalten, ist kaum möglich.

Bei der Versicherungsberatung der Verbraucherzentrale spielt Neubert einen möglichen Schadensfall durch, um dann zu sehen, welche BU die richtige für den Ratsuchenden ist.

Fazit: Laura Schulz-Gahmen wird einen Termin mit dem Versicherungsberater ausmachen und ihren Aktenordner mitbringen, damit sie am Ende die für sie richtigen Versicherungen hat.

Die Versicherungsberatung kostet 40 Euro für 30 Minuten. Vorherige Anmeldung unbedingt erforderlich bei der Verbraucherberatung, Kirchstr. 12, Tel. (02306) 30 13 801. Öffnungszeiten: Montag 9 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17 Uhr, Mittwoch: 9 bis 13 Uhr, 14 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17 Uhr und Freitag 9 bis 13 Uhr.
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