Generationswechsel: Für fast ein Viertel der Firmenchefs stellt sich die Zukunftsfrage

Unternehmensnachfolge

Das Lebenswerk in andere Hände geben: Für viele Lüner Unternehmer steht das in den nächsten fünf Jahren an. Die Suche nach einem Nachfolger ist nicht einfach. Und es gibt weitere Hürden.

Lünen

, 01.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Generationswechsel: Für fast ein Viertel der Firmenchefs stellt sich die Zukunftsfrage

Schlüsselübergabe in Unternehmen: Wer eine Firma an die nächste Generation übergeben möchte, sollte die Entscheidung nicht zu spät treffen. © shutterstock

„Ab 55 Jahren muss man sich Gedanken machen“, sagt Ulf Wollrath zum Thema Unternehmensnachfolge. Er ist Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund und zuständig für Handel, Dienstleistungen und Gründungen. Es mache keinen Sinn, mit 75 Jahren eine Firma an den 55-jährigen Sohn zu übergeben. Allein für den Übergabeprozess seien ein bis zwei Jahre einzurechnen.

Im IHK-Bezirk stehen 12.608 Firmen mit 76.000 Mitarbeitern vor der Frage: Wie geht es in Zukunft weiter? Pauschal könne das nicht beantwortet werden, jeder Betrieb müsse individuell angeschaut werden. Wollrath zitiert eine Studie, wonach sich 66 Prozent der Inhaber eine interne Lösung wünschen. 33 Prozent sähen gerne eine Weitergabe innerhalb der Familie.

Übergabe erst ab 50.000 Euro Jahresgewinn

Doch nicht alle Unternehmen sind übergabefähig. Laut Wollrath müsse ein Betrieb 50.000 Euro Jahresgewinn erwirtschaften, um überhaupt interessant zu sein. Das träfe auf 3034 der 12.608 Unternehmen zu. Diese 3034 Firmen beschäftigten geschätzt 52.000 Mitarbeiter.

Die Handwerkskammer Dortmund hat im Herbst 2018 eine Sonderumfrage zum Thema Betriebsnachfolge durchgeführt. Danach ist bei 23 Prozent von 1000 teilgenommenen Betrieben in den nächsten zwei bis fünf Jahren das Thema Übergabe aktuell. Rund 7 Prozent beabsichtigen, aus privaten oder wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund fehlenden Nachfolgers zu schließen. „Somit stehen rund 30 Prozent aller Betriebe vor unternehmerischen Veränderungen“, erklärt Gabor Leisten, Leiter der Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. Umgerechnet auf Lünen trifft das 180 Betriebe.

Größte Hürde ist die Suche nach einem Nachfolger

Auch wenn im Übergabeprozess einer Firma viele Faktoren eine Rolle spielten, sei die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für mehr als ein Viertel der Befragten die größte Hürde. Dies gelte besonders für kleinere Betriebe. Hinzu komme laut Leisten der demografische Wandel. Er ließe die potenzielle Zielgruppe der besonders „Gründungswilligen“ im Alter von 25 bis 45 Jahren „schrumpfen“. Der Trend zum Studium verstärke die Problematik.

Zudem spielten Schwierigkeiten bei der Kaufpreisfindung eine Rolle und die Tatsache, dass „sich Betriebe schlichtweg zu spät um die Nachfolge kümmern und die Komplexität einer Übergabe unterschätzen.“ Auch eine fehlende Einbindung des Nachfolgers könne zu Problemen führen.

Hilfe und Beratung

Beratung zur Unternehmensnachfolge bietet das Wirtschaftsförderungszentrum Lünen (WZL) im Rahmen der Existenzgründung an. Dabei kooperieren die Lüner mit der Wirtschaftsförderung des Kreises Unna.

Hilfe gibt es auch bei der Handwerkskammer Dortmund. Geschulte Berater begleiten den gesamten Prozess. Die Handwerkskammer hat auch eine eigene Betriebsbörse als Teil der bundesweiten Betriebsbörse nexxt-change des Bundeswirtschaftsministeriums. Regionaler Partner von nexxt-change ist auch die IHK zu Dortmund.

Wie Lüner Unternehmen das Thema Nachfolge angegangen sind, beleuchten wir in der neuen Serie „Familiensache“. Darin schildern Firmenchefs, wie sie ihr Unternehmen in die Zukunft führen.

Im ersten Teil haben wir mit SIBA-Geschäftsführer Bernd Schwegmann gesprochen:

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TIPPS ZUR NACHFOLGEREGELUNG

Generationswechsel: Für fast ein Viertel der Firmenchefs stellt sich die Zukunftsfrage

Gabor Leisten, Leiter der Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Dortmund. © Handwerkskammer Dortmund

Gabor Leisten, Leiter der Unternehmensberatung der Handwerkskammer Dortmund, sagt, was wichtig ist:
  • Betriebsinhaber sollten sich rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen und für die Betriebsübergabe mindestens 2-3 Jahre einplanen.
  • Sie sollten sich professionelle Unterstützung bei einem dafür ausgebildeten und erfahrenen Berater der Handwerkskammer oder Steuerberater suchen. Dies gelte insbesondere für die Wertermittlung und Kaufpreisfindung.
  • Der Betrieb sollte in Bezug auf die technische Ausstattung und das Know-how der Mitarbeiter auf dem neusten Stand gehalten werden. Je leistungsfähiger und attraktiver ein Unternehmen sei, desto wahrscheinlicher gelinge die Übergabe. Dies gelte natürlich auch für die Übergabe innerhalb der Familie.
  • Es sollte ein „Übergabefahrplan“ vorhanden sein, der alle vorhersehbaren Konsequenzen und die persönliche und wirtschaftliche Situation des Übergebers und Übernehmers berücksichtige. Gerade bei der Familienübergabe können die Besitzverhältnisse und die Erbfolge Auswirkungen auf die Übergabe haben.
  • Auch der Nachfolger benötige Zeit, das Unternehmen kennenzulernen bzw. müsse in die Rolle des „Chefs“ reinwachsen.
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