Glyphosat im Lüner Abwasser nachgewiesen

Fragen und Antworten

Im Bier wurde es bereits nachgewiesen, in diversen Lebensmitteln auch: die chemische Substanz Glyphosat. Nun belegen fünf Proben der Stadtbetriebe Abwasserbeseitigung Lünen (SAL) Spuren des Wirkstoffes im Abwasser. Wir klären die wichtigsten Fragen. Wo wurden Spuren von Glyphosat in Lünen nachgewiesen?

LÜNEN

, 19.06.2016, 07:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Glyphosat im Lüner Abwasser nachgewiesen

Im Lüner Abwasser konnten Spuren von Glyphosat nachgewiesen werden. Das Symbolbild zeigt die Kanalisation in Mannheim.

„Aus Neugier“, wie Claus Externbrink, Vorstand der Stadtbetriebe Abwasserbeseitigung (SAL), sagte, wurden fünf Proben an unterschiedlichen Stellen des Stadtgebiets entnommen und auf die Rückstände von Glyphosat untersucht. Wie er während der Sitzung des SAL-Verwaltungsrates am Mittwoch sagte, „liegen alle Proben zwischen 0,2 und 0,3 Mikrogramm pro Liter“. Seine Vermutung durch die ähnlichen Ergebnisse: Irgendwo könne es eine Grundlast geben.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wo könnte das Mittel herkommen? Seit 1974 wird Glyphosat in der Landwirtschaft verwendet. Auch wenn in Lünen die Landwirtschaft nicht an das Kanalsystem der Stadt angeschlossen ist, „könnte ein Starkregen die Substanz transportieren“, sagt Peter Schütz, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Grundsätzlich müsse man immer einen Mittelwert über einen längeren Zeitraum ziehen, um Aussagen treffen zu können.

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Gibt es Richtwerte, wie viel Glyphosat im Abwasser zulässig ist? Die derzeitige Diskussion, ob diese Substanz krebserregend sei oder nicht, erschwert die Findung von passenden Richtwerten für Glyphosat. „Natürlich würden diese neubewertet, wenn nachgewiesen würde, dass es krebserregend ist“, sagt Schütz. Die Lüner Werte würden aber unter dem derzeit bestehenden Grenzwert liegen, sagte Frank Seidlitz vom Umweltministerium NRW.

Gibt es Spuren von Glyphosat im Trinkwasser? Auch im Lüner Trinkwasser lassen sich minimale Spuren von Glyphosat finden, diese liegen jedoch deutlich unterhalb der Werte des Abwassers. Das Wasserwerk Halingen, eins von drei Werken, das die Stadt Lünen mit Trinkwasser versorgt, hat folgenden Mittelwert 2015 gemessen: weniger als 0,025 Mikrogramm pro Liter. Hier liegt der Grenzwert bei 0,1 Mikrogramm pro Liter.

Was passiert mit dem Lüner Abwasser? An trockenen Tagen fließt das Wasser zum Klärwerk, von da aus über die Seseke in die Lippe. „Im Klärwerk gibt es jedoch wenig Ansatzpunkte zum Abbau der Substanz“, sagt Michael Steinbach vom Lippeverband, da Glyphosat wasserlöslich sei. Im Normalfall würde sich die Substanz in sechs Stunden um zwei Prozent abbauen, innerhalb von 28 Tagen um 80 Prozent.

Darf Glyphosat weiter verwendet werden? Darüber entscheidet die Europäische Union am 30. Juni. „Wir plädieren dafür, die Genehmigung nicht zu verlängern“, sagt Seidlitz. Nach dem Vorsorgeprinzip müsse der Hersteller erst beweisen, dass es nicht schädlich ist. Trotzdem bleibe die Frage: „Was sagt ein Richtwert aus?“ So können schon eine Kleinigkeit des Stoffes ein Risiko sein, sagt er.

Das steckt hinter der Substanz Glyphosat
Das chemische Mittel wurde bereits seit 1974 in der Landwirtschaft zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Seit einiger Zeit steht es in der Kritik, krebserregende Stoffe zu enthalten, die auch von Menschen aufgenommen werden. Ob es tatsächlich krebserregend ist, darüber streiten sich derzeit Politik, Wissenschaft und Hersteller. In der Vergangenheit wurde es bereits im Bier nachgewiesen.

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