Große Nachfrage bei Kita-Randbetreuung in Lünen

Förderprogramm "Kita Plus"

Seit neun Monaten werden in sechs der zehn städtischen Kitas Kinder auch in den Randzeiten betreut. Das heißt: Morgens schon ab sechs und abends bis spätestens 20 Uhr. In Lünen profitieren mittlerweile rund 80 Kinder davon – und vor allem deren Eltern. Wir haben nachgefragt: Wie funktioniert das Konzept und was halten Eltern davon?

LÜNEN

, 21.07.2017, 16:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Petra Dobler freut sich gemeinsam mit den vier Kindern Radosz, Melissa, Bogusz und Phil darüber, dass Kinder in der Kita Steinstraße von 6 bis 20 Uhr betreut werden können.

Petra Dobler freut sich gemeinsam mit den vier Kindern Radosz, Melissa, Bogusz und Phil darüber, dass Kinder in der Kita Steinstraße von 6 bis 20 Uhr betreut werden können.

Dass die Stadt diese erweiterten Öffnungszeiten überhaupt finanzieren kann, liegt am Förderprogramm „KitaPlus“ des Bundesfamilienministeriums. Ein Erfolgsmodell, wie Fachdezernent Ludger Trepper am Freitag bei einem ersten Fazit erklärte. Rund 1,2 Millionen Euro fließen daraus seit November 2016 und noch bis Ende 2018 nach Lünen. Das reicht für zwei neue Stellen pro Kita: Eine in der Hauswirtschaft und eine in der Erziehung. Wie es 2019 weiter geht, ist trotz der guten Rückmeldung noch unklar.

Das hängt unter anderem davon ab, ob es weiter Unterstützung von Bund oder Land gibt. „Ohne die ist das nicht möglich“, erklärte Trepper am Freitag. Der städtische Anteil beläuft sich nach früheren Angaben auf 70 000 Euro. In den Haushaltsberatungen wird die Politik wohl ab Anfang 2018 darüber sprechen müssen.

Was genau bedeutet Randzeitenbetreuung?

Das bedeutet, dass Kinder auch außerhalb der Kernzeiten in den Kitas betreut werden. In der Kita Steinstraße war das zum Beispiel früher nur von 7 bis 16.15 Uhr. Jetzt können Kinder zwischen 6 und 20 Uhr betreut werden. Wichtig: Die Gesamtstundenzahl, die die Kinder in der Kita verbringen, verändert sich dadurch nicht – nur die Zeiten, zu denen die Kinder da sind. Diese Flexibilität hilft besonders berufstätigen Eltern.

Und was ist mit den Kindern?

Auch die profitieren, sagt Petra Dobler, Leiterin der städtischen Kita Steinstraße. In den Randzeiten sei es ruhiger, es seien weniger Kinder da – und die würden dann noch intensiver betreut.

Ist das nicht Mehrarbeit für die Kitas?

Das sei am Anfang schon der Fall gewesen, sagt Dobler. In der Kita werde jetzt im Schichtsystem gearbeitet. Eltern müssen immer zwei Wochen im Voraus sagen, wann ihr Kind wie betreut werden muss. Das Kindeswohl, sagt auch Fachdezernent Ludger Trepper, stehe immer im Vordergrund.

Können Eltern diese Flexibilität nicht auch missbrauchen?

Das sei nur schwer möglich, sagt Dobler. Zum einen müssten die Elternteile ihre eigenen Dienstpläne einreichen, nach denen dann der Kita-Plan gestaltet wird. Zum anderen habe sie auch nicht den Eindruck, dass Eltern dazu tendieren würden.

Wie wird das Angebot angenommen?

Sehr gut, sagt Fachdezernent Trepper. In allen sechs Kitas würden rund 80 Kinder in den Randzeiten betreut. „Auch darüber hinaus gibt es noch Bedarf.“

Und was sagen die Eltern?

Sebastian Ortlepp zum Beispiel ist froh, dass er auf dieses Angebot zurückgreifen kann. Sein vierjähriger Sohn wird meist nachmittags noch länger betreut. Immer dann nämlich, wenn Ortlepp selbst noch eine Dienstbesprechung hat und seine Freundin ihre Schicht nicht tauschen kann. Sie arbeitet im Krankenhaus. Er sei auf die Randzeitenbetreuung angewiesen. „Wenn das ausläuft, das wäre ein Rückschritt“, sagte er.

Wie geht es denn nach 2018 weiter?

Das hängt von politischen Entscheidungen in Lünen ab und davon, ob das Förderprogramm verlängert wird oder neue entstehen. Die Randzeitenbetreuung ist aber fester Bestandteil des Koalitionsvertrags der schwarz-gelben NRW-Landesregierung.

In welche sechs Kitas wird die Randzeitenbetreuung angeboten?

Beteiligt an dem Modellprojekt sind die städtischen Kitas Diesterwegstraße 7c, Steinstraße, Querstraße, Marktgasse, Viktoriastraße und Rudolph-Nagell-Straße. Die Stadt hatte sich mit sechs Kitas beworben und mit allen Erfolg gehabt. Andere Lüner Träger wie die Kirchen, das DRK oder die AWO hatten sich damals nicht für das Förderprogramm beworben.

Mittel noch nicht ausgeschöpft
Rund 100 Millionen Euro stehen im Bundesprogramm „KitaPlus“ zur Verfügung. Wie das Ministerium am Freitag auf Nachfrage mitteilte, seien für die Fördergelder bisher 730 Interessenbekundungen eingegangen, davon 194 aus Nordrhein-Westfalen.
Bisher werden in NRW 68 Vorhaben in Einrichtungen gefördert, dazu 13 in der Tagespflege. Im Kreis Unna zählen dazu die sechs Einrichtungen in Lünen, eine in Selm und eine in Unna. In Dortmund wird bisher nur eine Einrichtung gefördert.
Die Mittel aus dem Programm „KitaPlus“ seien bisher noch nicht ausgeschöpft, heißt es aus dem Ministerium weiter. Eltern-Befragungen hätten zudem gezeigt, dass der Bedarf bei Eltern noch nicht befriedigt sei und sich der Ausbau weiter fortsetzen müsse. „Eine Verlängerung des Programms ist daher wünschenswert, die Entscheidung obliegt aber der nächsten Bundesregierung“, erklärt das Ministerium weiter.

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