Kleinbecker Park ist die „grüne Lunge“: Gutachter widerspricht der Stadt Lünen

rnKleinbecker Park

Die Meinungen über den Zustand der Bäume im Kleinbecker Park gehen bei den Beteiligten weit auseinander. Ein neues Gutachten soll die Aussagen des Beigeordneten Arnold Reeker widerlegen.

Horstmar

, 22.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Lünen spricht, wenn es um die Kosten für die Verkehrssicherheit des Kleinbecker Parks geht, von rund 250. 000 Euro. Diese Zahl hält Arnold Reeker, technischer Beigeordneter der Stadt Lünen, für realistisch. Auf eine ganz andere Summe kommen hingegen Johannes Hofnagel, Mitglied der GFL, und Friedrich Angerstein, Mitglied des Arbeitskreises für Umwelt und Heimat.

Neues Gutachten über Zustand im Park

Das Bündnis „Rettet den Kleinbecker Park“ hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Marco Wäldchen ist von der Landwirtschaftskammer NRW öffentlich bestellter und vereidigter Baumsachverständiger. Er hat am 14. August 2019 von 13.45 Uhr bis 15.10 Uhr eine Ortsbesichtigung im Kleinbecker Park durchgeführt.

Im Anschluss an seinen Besuch stellte der Gutachter fest, dass dort „eine gute Vitalität“ herrsche, wie es im Gutachten heißt. Außerdem bescheinigte er dem Baumbestand eine „günstige Entwicklungsprognose“. Bezüglich der Verkehrssicherheit diagnostizierte er Pflegedefizite in Form von abgestorbenen Ästen.

Schützens -und erhaltenswert

Allerdings: „Dabei handelt es sich es sich vorwiegend um Fein -und Schwachäste, was ‚keine Folge von Erkrankung‘ sei. Höchstwahrscheinlich brauche kein einziger Baum aus Sicherheitsgründen entfernt werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Bündnisses.

Kleinbecker Park ist die „grüne Lunge“: Gutachter widerspricht der Stadt Lünen

Diese Bäume sind nach Angaben der Stadt Lünen marode. Ein neues Gutachten widerlegt diese Aussage. © Schulz-Gahmen

Auch im Gutachten selbst steht, dass „sich der Kleinbecker Park hinsichtlich der Verkehrssicherheit nicht in einem Besorgnis erregenden oder desolaten Zustand befindet, im Gegenteil, es handelt sich um einen schützens -und erhaltenswerten Bestand.“

Ein Landschaftsgärtner habe sich den Zustand des „Wäldchens“ ebenfalls angesehen und ein Angebot für die Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit gemacht. Die Kosten würden sich zwischen 12.000 Euro und 14.000 Euro belaufen. Das wäre ein deutlicher Unterschied zu der stattlichen Summe von 250.000 Euro, von der Arnold Reeker spricht.

„Bürger sind getäuscht worden“

Dr. Johannes Hofnagel spricht gegenüber der Redaktion von einer Täuschung der Bürger: „Bei der Bürgerversammlung im März war die Information, die von der Stadtverwaltung an die Bürger gegeben wurde, dass ein Teil des jetzigen Parks bestehen bleibe.“

Dies wäre nach den jetzigen Plänen nicht der Fall, denn der Baumbestand sei nach Auffassung der Stadt marode. Dies war auch der Kenntnisstand während der Ratssitzung, in der beschlossen wurde, dass eine Bebauung stattfindet.

Grundlage für die Sitzung war die Verwaltungsvorlage VL-65/2019, darin steht: „Innerhalb der Jahrzehnte haben sich konkurrierende Bäume Licht und Raum genommen, so dass sich viele der Bäume nachteilig entwickelt haben. Verkümmerte, teilweise abgestorbene, von Totholz durchzogene Baumkronen bestimmen daher das Bild. Insbesondere die Eichen weisen heute mittlere bis starke Schäden auf“, so die Einschätzung der Fachleute von Stadtgrün.

Infos kamen nicht bei Bürgern an

Diese Vorlage sei zwar öffentlich einsehbar, aber es wisse kaum jemand, wo diese Informationen zu finden seien, somit wären die damals neuen Informationen nicht bis zu den Bürgern durchgedrungen.

Im Widerspruch dazu steht in eben der selben Vorlage: „Bei dem Gehölzbestand handelt sich um Wald im forstrechtlichen Sinn. Die Biotopkartierung des LANUV stellt den Bereich aufgrund des Alters der Bäume als schützenswertes „Trittsteinbiotop“ dar. “ Der Stadtökologische Fachbeitrag (LÖBF 2003) hingegen weist dem Kleinbecker Park keine besondere Erholungsfunktion zu.

Auch sei bei der Bürgerversammlung im Vorfeld der Ratssitzung davon gesprochen worden, dass es sich bei der Entwicklung des Kleinbecker Parks um einen offenen Prozess handele.

Der Geschäftsführer von Harpen Immobilien, Franz-Josef Peveling, und Rainer Heubrock, Vorstand der WBG, sollen damals davon gesprochen haben, dass wenn der Widerstand in der Bevölkerung zu groß sei bezüglich der Bebauung, niemand bauen müsse.

„Reeker stellt Situation falsch dar“

Nach Aussage von Dr. Johannes Hofnagel und Friedrich Angerstein, sei auf der Grundlage der Vorlage VL-65/2019 im Rat gegen den Erhalt des Kleinbecker Parks gestimmt geworden. Nun liegt ein neues Gutachten vor, welches widerlegt, dass der Baumbestand im Horstmarer Park marode sei.

Das Bündnis „Rettet den Kleinbecker Park“ hat das Gutachten in Auftrag gegeben. Das Bündnis besteht aus dem Arbeitskreis für Umwelt und Heimat e.V., den Ratsfraktionen der Wählergemeinschaft Gemeinsam Für Lünen (GFL), Bündnis90/Die Grünen und Piraten/Freie Wähler Lünen sowie dem FDP-Stadtverband.

Weiterhin sagt Dr. Johannes Hofnagel: „Zudem ist die Summe von 250.000 Euro ja nicht fix. Die Situation im Kleinbecker Park wurde von Herrn Reeker falsch dargestellt und schlecht geredet.“ Zudem sei der Seepark Horstmar zwar ein Naherholungsgebiet, wie die Stadt richtig bemerkt hätte, allerdings sei dort überwiegend Rasen und kaum Bäume, wie es im Kleinbecker Park der Fall sei.

Menschenkette für den Erhalt

“Wir haben jetzt rund 2000 Unterschriften für den Erhalt des Kleinbecker Parks gesammelt und möchten mit der Menschenkette am Samstag, 24. August, um 11 Uhr ein Zeichen setzen und der Stadt deutlich machen, dass der Park gewollt ist“, so Hofnagel.

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