Gutachter über den Angeklagten: „Probleme werden runtergetrunken“

rnVergewaltigung in Oberaden

Muss der Vergewaltiger einer 15-Jährigen in Oberaden in die Sicherungsverwahrung? Drei Stunden dauerte am Dienstag die Gutachtenerstattung. Dann bremste ein Kind den Sachverständigen aus.

Oberaden

, 04.11.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass der 36-jährige Angeklagte die brutale Tat im August 2019 verübt hat, steht seit seinem umfassenden Geständnis fest. Klar ist seitdem auch, dass den Mann eine lange Haftstrafe erwartet. Fraglich ist nur, was außerdem noch mit ihm passieren muss.

Um diese Frage fundiert beantworten zu können, setzen die Richter der 36. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts auf die Expertise von Psychiater Gerold Asshoff. Der Sachverständige hatte den Angeklagten schon im Januar zweimal zu Gesprächen getroffen. Eine weitere Fragerunde folgte nach dem Geständnis des 36-Jährigen in der Verhandlung.

„Er zieht sich zurück“

Asshoff beschrieb den 36-Jährigen in seinem mündlichen Gutachten am Dienstag so: „Probleme werden bei ihm runtergetrunken.“ Der Angeklagte habe „auffällige Schwierigkeiten, sich anderen Menschen mitzuteilen und stattdessen eine starke Tendenz dazu, sich in sich selbst zurückzuziehen“.

Vor dem sexuellen Übergriff auf die 15-Jährige habe der Mann viel Alkohol getrunken, so Asshoff weiter. Ob dadurch der Grad zur verminderten Schuldfähigkeit jedoch schon erreicht war, ließ der Sachverständige offen. „Das ist nicht auszuschließen“, sagte er nur. Eine Beantwortung dieser Frage sei jedoch die alleinige Aufgabe des Gerichts.

Vermindert schuldfähig?

Der Psychiater nahm auch zu der Frage Stellung, ob der 36-Jährige zur Behandlung seiner Alkoholkrankheit in eine geschlossene Entziehungsklinik eingewiesen werden muss, Stellung. Für diese Maßregel seien sämtliche Voraussetzungen erfüllt, sagte er. Der 36-Jährige habe einen Hang dazu, viel Alkohol zu trinken und dann Straftaten zu begehen. Und er bringe auch die nötige Eigenmotivation mit.

„Antisozialer Mensch“

Unklar ist nur, ob nicht stattdessen die Unterbringung des Mannes in der Sicherungsverwahrung angeordnet werden muss. Asshoff nannte den Angeklagten in seinem Gutachten einen „antisozialen Menschen“, der ohne Zweifel ein erhöhtes Rückfallrisiko aufweisen. Immerhin 23 Prozent aller Sexualstraftäter in seiner Wesenskategorie würden innerhalb von sieben Jahren nach der Entlassung aus der Haft eine neue Tat verüben.

Rückfallgefahr ist da

Letztendlich konnte der Sachverständige seine finale Einschätzung am Dienstag aber noch nicht abgeben. Weil eine der Prozessbeteiligten mittags ein Kind aus der Kita abholen musste, wurde die Verhandlung auf den 19. November vertagt.

Dann wird der Sachverständige auch noch die Fragen der übrigen Beteiligten beantworten. Dass sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung und Nebenklage eine Reihe von Fragen haben, wurde bereits am Dienstag deutlich.

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