Mit einem Preis zeichnet die Scharoun-Gesellschaft Lünen die Pläne der SSP AG Architekten Bochum für einen Schulneubau in Lünen aus. Das Gebäude steht noch nicht, der Bauantrag ist aber gestellt. © SSP AG Architekten Bochum
Auszeichnung

Gute Schulbauten in Lünen: Preis geht an Projekt, das es noch nicht gibt

Mit einem Preis würdigt die Scharoun-Gesellschaft Lünen gute Schulbauten im Geist des Architekten Hans Scharoun. Das Interessante: Sieger ist eine Schule, die in Lünen noch gar nicht steht.

Ein Schulgebäude war für den Architekten Hans Scharoun nicht nur funktional, es sollte weit mehr Qualitäten haben: Das Lernen fördern und das gesamte Umfeld prägen. Diese Form von pädagogischer Architektur hat er mit dem unter Denkmalschutz stehenden Bau der Geschwister-Scholl-Gesamtschule an der Holtgrevenstraße in Lünen verwirklicht. Das Gebäude gilt noch heute als herausragendes und mehrfach ausgezeichnetes Projekt. Es führt Architekten aus ganz Europa nach Lünen. Eine Ehre für die Stadt.

Das betonte Karl Marek, Mitglied im Architektenbeirat der Scharoun-Gesellschaft Lünen. Er hatte die Idee, im Sinne Hans Scharouns einen Preis für pädagogisch wertvolle Schulbauten in Lünen auszuloben. Er solle die Diskussion über Architektur anregen, die in Lünen nicht mehr stattfinde.

Am Freitag (17.9.) wurde der Sieger in der Scharoun-Schule geehrt. Unter vier Bewerbern hatte eine Jury einstimmig die SSP AG Architekten Bochum ausgewählt. Sie haben den Neubau der Realschule Altlünen konzipiert, der noch gar nicht existiert. Allerdings ist der Bauantrag eingereicht.

Architektur ermöglicht flexibles Lernen

Herz des neuen Schulgebäudes in Nordlünen ist eine von drei Seiten belichtete, zweigeschossige Eingangshalle mit einer Art Galerie. Es gibt dort eine Pausenhalle, eine Bühne für Veranstaltungen, aber auch Selbstlernbereiche. Die Halle ist von drei Gebäudeflügeln erreichbar, in denen Klassenräume und Verwaltung untergebracht sind. Ein Stahlbeton-Skelettbau ermöglicht es, moderne pädagogische Konzepte wie Lernhäuser dort räumlich umzusetzen. Das Gebäude kann damit flexibel auf neue pädagogische Anforderungen reagieren. Die klassische „Flur-Klassen“-Architektur ist somit aufgelöst. Der Planung gingen Workshops mit Schülern und Lehrern voraus. Diese Abstimmung mit den Nutzern, der Dialog über Architektur, war bei der Preisvergabe ein wichtiger Punkt.

Mit einer Bronze-Plastik des Lüner Künstlers Andrzej Irzykowski, nachempfunden der in der Scholl-Gesamtschule stehenden Büste von Hans Scharoun, wurden die SSP AG Architekten Bochum ausgezeichnet. „Wir freuen uns über den Preis“, erklärte Frank Köller, der mit seinen Architektenkollegen Björn Wollersheim und Thomas Schmidt nach Lünen gekommen war. Hier ist das Team schon bekannt. Es hat die Lichthalle des LünTec saniert wie das Colani-Ufo und den schwarzen Kubus-Bau realisiert.

Sieger sind die SSP AG Architekten Bochum mit Björn Wollersheim (2.v.l.), Frank Köller (M.) und Thomas Schmidt (2.v.r.). Dazu gratulierten vom Vorstand der Scharoun-Gesellschaft Lünen Heinrich Behrens (r.) und Robert Weiß (l.).
Sieger sind die SSP AG Architekten Bochum mit Björn Wollersheim (2.v.l.), Frank Köller (M.) und Thomas Schmidt (2.v.r.). Dazu gratulierten vom Vorstand der Scharoun-Gesellschaft Lünen Heinrich Behrens (r.) und Robert Weiß (l.). © Quiring-Lategahn © Quiring-Lategahn

Wettbewerb mit vier Bewerbern

Beworben um den Preis hatten sich insgesamt vier Büros: Das Architektenbüro Lindner und Lohse Dortmund mit der Erweiterung der Offenen Ganztagsschule an der Kardinal-von-Galen- und der Overbergschule. Ebenfalls beteiligten sich Winkler und Partner Architekten Dortmund mit dem Campus Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Lünen-Süd sowie das Büro Schreiter Architekten Lünen mit dem Anbau des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. Alle Projekte seien als Gewinner anzusehen, erklärte Prof. Michael Schwarz, Vorsitzender der Scharoun-Gesellschaft Lünen. Er konnte persönlich an der Preisverleihung nicht teilnehmen, stattdessen trug Vorstandsmitglied Robert Weiß seine Rede vor. Alle eingereichten Arbeiten seien qualitätsvolle Beiträge zur aktuellen Baukultur und eine Bereicherung für die Schulstandorte in Lünen.

Letztlich hat sich die Jury aus Boris Biskamp, Lüner Beirat für Stadtgestaltung und Baukultur, Arnold Reeker, Technischer Beigeordneter, Susanne Limena, technische Leitung Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL), Prof. Michael Schwarz, Vorsitzender Scharoun-Gesellschaft Lünen, Hugo Becker, Vorsitzender Schulausschuss, Dirk Wolf, Vorsitzender Kulturausschuss, und Maurice Brehm, Schülervertreter der Scholl-Gesamtschule, für die Neubaupläne der Realschule Altlünen entschieden.

Musik der Carnoster-Crew gab der Festveranstaltung einen schwungvollen Rahmen.

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Redaktion Lünen
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Magdalene Quiring-Lategahn